Ein Nachruf auf Mac Guyver, der im Januar 2018 verstarb

1992: James, Plantagenet, Mac Guyver, Pedro

1995: Erster Pokal

1997: Parade durch die Stadt

1998: Top Ten Competition

2017: Beauty, Mac Guyver, Zirano auf Sphinxblick

1993: Erster Platz in der Dressur

Geboren: 1986 - Größe: 1,58 m - Züchter: Daantjie Nel

Abstammung: Typisches Farmpferd - die Eltern sind bekannt - Unarten: fast keine... - Fans: In ganz Namibia

1990 gründeten Doris Herhold (heute Kleemann) und Totti Fritze Okakambe Trails und kauften meine Mutter Rosinante (Mutter von Mac Guyver, Frechdachs, Okakambe Royal), meinen Adoptivbruder James (Mutter verstarb und Rosinante zog uns beide zur selben Zeit auf) und auch meinen Vater Omachette (Vater von Okakambe Ruby, Kissmet, Mac Guyver, James). Wir wurden alle im Februar zum RVS gebracht. Bei der Ankunft auf dem SFC-Parkplatz gab es gerade ein Fußballturnier und alle Spieler kamen und bildeten eine Barriere, um uns wilde Pferde vom Lastwagen in den Stallhof zu führen.

So begann mein Leben als Sportpferd. Ich wurde gezähmt und unterstützt. Ich kann mich nicht daran erinnern, als junges Pferd besonders ungezogen gewesen zu sein. Nicht lange unter dem Sattel und ich wurde an meine neuen Besitzer verkauft, die sich bis zu meinem Ende mein ganzes Leben lang um mich gekümmert haben. Das war die Familie Snyman. Ich war das Weihnachtsgeschenk für ein kleines, fünfjähriges Mädchen namens Silvia Snyman (heute Kleyenstüber).

1992 begann unsere Turnierkarriere. Ich kann mich nur daran erinnern, dass es am Anfang sehr hart war. Ich ging immer sehr langsam auf einen Sprung zu, blieb dann stehen, senkte meinen Kopf, um den Zaun zu inspizieren…und Silvia fiel mir am Hals herunter. Ich muss sagen, Silvia war ein harter Keks, der nie aufgab und es immer wieder mit mir versuchte.

1993 haben ich und Silvia unseren ersten 1. Dressurpreis gewonnen. Bis heute sitzt der Pandabär auf einem Regal und erinnert sie an diesen besonderen Tag. Meine erste Trophy dauerte viel länger... Nach vielen Enttäuschungen und Stürzen war es dann im Jahre 1995 endlich soweit: Silvia und ich gewannen endlich unsere erste Trophäe für die erfolgreichste Kinderpferde-Kombination.

1997 fingen wir an, die RVS-Standarte durch die Stadt zu tragen und bei allen RVS - Paraden war ich immer sehr stolz darauf, unseren Club mit dieser Auszeichnung vertreten zu dürfen. Bis Ende 2002 hielt ich die Fahne hoch. Danach musste ich leider nach einem Unfall zwangsweise in den Ruhestand.

Hier sind ein paar Höhepunkte während meiner Karriere und einige Geschichten muss ich euch erzählen:

Etwas, an das wir uns erinnern werden, ist das, was Herr Cord Cordes Senior 1994 auf der Messe in Okahandja zu Frau Snyman gesagt hat: "Frau Snyman, kaufen Sie ihrer Tochter kein altes Pferd, sondern ein richtiges Pferd". Davon war besagte Frau Snyman gar nicht angetan und ließ den Cordes Senior stehen. Etwa ein Jahr später hatte Cordes Senior seine Meinung radikal geändert. Auf dem Omaruru-Turnier zeigten wir eine EM Musical Freestyle zu den Klängen des Musicals „König der Löwen“ und platzierten uns hinter Andiamo. "Frau Snyman, das Pferd müssen Sie vergolden lassen", klang es nun aus dem Pferdemann Cordes heraus. Da hatte ich den Cord wohl überzeugt.

Omaruru war eine sehr spannende Show für mich. Jedes Mal, wenn ich die Springhalle betrat, applaudierten alle Eingeborenen, die auf den Palisaden saßen oder am Zaun der Springarena standen. Es war ziemlich beängstigend über diesen einen Oxer zu springen vor ihnen. Aber wir haben uns im Laufe der Zeit daran gewöhnt.

Kostümspringen war für mich immer ein lustiger Wettbewerb. Einmal waren wir als Strandurlauber verkleidet. Silvia hatte einen Badeanzug an. Nach dem Springen mussten alle Reiter mit ihren Pferden nach vorne kommen. Silvia stieg von mir ab, nahm ihr Handtuch von meinem Rücken und ließ mich stehen, während sie vorgab, sich bräunen zu lassen. Und hinter der Bande waren sich alle einig: Nur Mac Guyver wird das tun und nicht davonlaufen!

Ich erinnere mich, dass wir in früheren Zeiten oft mit dem Zug zu Turnieren nach Otjiwarongo, Omaruru und Okahandja unterwegs waren. Das eine Jahr sind wir in Otjiwarongo angekommen. Nachdem sie alles abgeladen hatte und in den Stall geritten war, kümmerte sich Silvia um mich und dann ging sie zurück zur Lodge. Ungefähr zwei Stunden später erhielten sie einen sehr beunruhigenden Anruf, dass etwas mit mir nicht stimmte. Sie riefen sofort Dr. Otto Zapke an, der kurz darauf ankam; Ich hatte 42°C Fieber und war ernsthaft an Zeckenstich-Fieber erkrankt. Der Arzt war nicht sicher, ob ich es schaffen würde, aber er tat alles in seiner Macht stehende, um mich zu heilen. Ich konnte nicht geritten werden und André, Silvias Vater kam und holte mich mit einem Anhänger, als ich das Schlimmste überstanden hatte.

Ich kann mich nur noch ein oder zwei Mal daran erinnern, dass ich das ganze Jahr über lahm war. André kam immer in einem feinen Anzug zu mir, zog dann Schuhe und Socken aus, die Hose hoch und führte mich zu Fuß zum Meer. Damit meine Beine im Meerwasser schneller heilen konnten.

Eine meiner Besonderheiten war, dass ich in Springprüfungen nie der Schnellste war. Aber niemand konnte mich in den engen Kurven schlagen, da ich in der Lage war, direkt auf einen Sprung zu galoppieren und dann mitten hineinzudrehen - Luft und Land auf beiden Seiten, bereit für den nächsten Sprung.

Beim RVS Januarturnier im Jahr 1998 habe ich mich für die Teilnahme an den Top 10 Springen qualifiziert. Allen Widrigkeiten zum Trotz schaffte ich es, diese sehr schwierige Strecke mit einer Dreifachkombination zu bezwingen. Oxer mit einem Schritt Oxer mit zwei Schritten nach vorn und das alles über 1,10 m. Ein Erwachsener kam sogar zu uns und sagte: "Du missbrauchst dieses Pony, da es nicht so hoch springen kann". Natürlich war meine erst 14 Jahre alte Reiterin verzweifelt und weinte. Wir ließen uns aber nicht beirren und machten weiter. Niemand hatte das Recht uns auszubremsen. Schließlich hatten wir uns für diese Teilnahme rechtmäßig qualifiziert! Wir ritten voller Stolz und Selbstvertrauen in die Arena und warteten auf den vertrauten Klang der Glocke. Ich hob meinen Schwanz (auch eines meiner Markenzeichen) und los ging es. Ich hatte eine Stange runter und dann kam die riesige Dreifachkombination. Mein Rhythmus war weg und ich habe zweimal verweigert. Alle Hoffnungen schienenverloren, denn sogar mein Reiter war demotiviert, aber es gab noch eine letzte Chance: Wir kamen aus großer Entfernung an den Einsprung heran. Silvia lehnte sich nach vorne und erwartete, dass ich verweigere. Das aber tat ich nicht, sondern machte einen gewaltigen Satz über den ersten Oxer. Wir landeten sicher und Silvia war wieder auf Kurs und half mir über die Kombination. Die folgenden und letzten Sprünge waren dann eine leichte Aufgabe und wir gingen durch die Ziellinie. Silvia umarmte mich danach mit Tränen über ihren Wangen. Jetzt waren wir bereit für die zweite Runde. In der zweiten Runde haben wir es geschafft, ohne Abwurf zu bleiben. Leider waren wir nicht platziert, aber gemeinsam haben wir beide das Unmögliche geschafft und das wird immer in unserer Erinnerung bleiben.

Top 10 Competition RVS 1998

1998 reisten wir nach Kapstadt, um an den Kinder- und Junioren-SA-Meisterschaften teilzunehmen. Wir waren ungefähr 15 Pferde und Reiter, die mit einem gesponserten Viehwagen von Namibia Breweries dorthin gereist sind. Ich erinnere mich, dass unsere erste Springprüfung wegen dreier Verweigerungen zum Ausscheiden führte. Am nächsten Tag dachten alle anderen Reiter, dass wir keine Konkurrenz sind. Aber wir waren sehr schnell und fehlerfrei, sodass wir den Wettkampf souverän gewonnen haben und auch am nächsten Tag konnte niemand mit uns mithalten. Wir wurden der 90cm SA Junior Champion in diesem Jahr.

Ich und Silvia liebten es, an den Strand zu gehen. Sie ritt mich immer ohne Sattel mit einem Halfter. Wir galoppierten den ganzen Weg zum Strand und rasten neben den brechenden Wellen durch das Wasser. Einmal gingen wir schwimmen und ich war ziemlich tief im Wasser und ein Delphin tauchte neben mir auf. Das war eine erstaunliche Erfahrung. Ich konnte mich nicht entscheiden, ob ich Angst hatte oder nicht. Es hat auch viel Spaß gemacht, den ganzen Weg bis zur Mole und bei Ebbe auf die andere Seite zu reiten. Zurück zum Stall ritten wir meist durch die Stadt über die Rhode Allee. Manchmal ritten wir auch in Gruppen aus, um den Pferdefriedhof in den Dünen zu besuchen oder wir suchten im Flussbett nach Schlangen. Viel Spaß machten auch die langen Ritte nach Goanikontes oder mehrtägige Fahrten zur Sphinxblick Farm.

Ich war ziemlich bekannt unter den namibischen Pferdeleuten. Als ich Ende 2002 pensioniert wurde, brachte man mich mit einem Pferdeanhänger auf die Farm. Bei der Ankunft in Sphinxblick fragten die Farmarbeiter, wer denn da im Trailer ist. Doris Kleemann sagte: "Dit is Mac Guyver". Ein Arbeiter fragte: "DER Mac Guyver?" Sie nickte, öffnete die Rampe und raus kam ich. Sie standen alle um mich herum und streichelten mich. Für einen Moment fühlte ich mich wie ein Hollywood-Star, der den roten Teppich entlang läuft.

Ich hatte den besten Ruhestand aller Zeiten! Sechzehn Jahre genoss ich meine Freiheit zusammen mit meinen besten Kumpels. Mit Beauty, jetzt 17 Jahre und Zirano (23 Jahre) haben wir auf 5000 Hektar unseren Spaß gehabt.Viele Fohlen wurden von uns "Drei Musketieren" aufgezogen. Silvia besuchte mich regelmäßig im Laufe der Jahre. Ich liebte diese Besuche, da sie mir immer 3 kg Karotten und 2 kg Äpfel brachte, die meine Lieblingssnacks waren. Ich bin kurz nach meinem Kumpel Zirano am 9. Januar 2018 verstorben. Ich bin ohne Kampf an einem unserer Lieblingsplätze auf einer Düne zwischen zwei Berggipfeln gestorben.

Fotos: privat