Weltcup-Finale 2015 Las Vegas: Titelverteidiger Daniel Deußer mit Cornet d’Amour

Las Vegas (fn-press). Nur noch 50 Meter bis zur Landung fehlten, dann entschied sich der Pilot, die Maschine wieder in die Höhe zu ziehen. Über Las Vegas tobte ein Sturm, den man keinem Flugpassagier wünscht. Und so verlängerte sich für die Bundestrainer Otto Becker und Heiner Engemann, Tierarzt Dr. Jan-Hein Swagemakers sowie die Reisegruppe der Persönlichen Mitglieder die Tour zum Weltcup-Finale kurzerhand bis Los Angeles. Anschließende Nachtfahrt durch die Wüste mit dem Leihwagen inklusive.

So unspektakulär das Warm Up der Springreiter im Thomas Mack Center von Las Vegas verlief – alle Pferde gut in Schuss -, umso turbulenter die Anreise am Montagabend (Ortszeit). Schon aus dem Flugzeug konnte man erkennen, dass da unten am Boden die Hölle sein würde: nichts zu sehen außer braunem Nebel. Die Windböen peitschten die Flugzeuge regelrecht über die Landebahn, bis entschieden wurde, den Flughafen von Las Vegas zu sperren. „Wir hatten schon fast aufgesetzt, da zog der Pilot die Maschine wieder hoch“, erzählt Bundestrainer Otto Becker. Das Flugzeug flog bis Ontario bei Los Angeles, weiter ging es in der nächsten Maschine nur ein paar Minuten lang bis nach LA. „Wir wussten nicht, ob wir am nächsten Morgen einen Flieger nach Las Vegas bekommen würden, also haben wir uns entschlossen, einen Mietwagen zu nehmen und sind die Nacht über durch die Wüste gefahren“, sagt Engemann. Was bei dem Wetter sicherlich auch nicht ganz ungefährlich war. Die Trainer und der Team-Vet waren nicht die einzigen Sturmopfer aus Deutschland. Auch die zwölfköpfige Reisegruppe der Persönlichen Mitglieder (PM) auf dem Flieger aus London stand etwas ratlos in LA. Drei PMs schlossen sich den Trainern an und verbrachten die Nacht im Auto. Die Reiter waren einen Tag zuvor angereist, die Pferde sogar schon am Samstag, begleitet von Dr. Swagemakers. Bis auf Daniel Deußers Gepäck, das irgendwie verloren ging, scheint nun, einen Tag vor Wettkampfbeginn, alles in Las Vegas auf dem richtigen Weg zu sein.

Im Warm Up-Springen zeigten die Reiter den Pferden lediglich  die Halle und absolvierten einige Sprünge. Daniel Deußer, seit zwei Wochen die Nummer 1 der Weltrangliste und Titelverteidiger, bringt seinen zwölfjährigen westfälischen Wallach Cornet d’Amour an den Start, jenen Schimmel, der im vergangenen Jahr so souverän das Weltcup-Finale in Lyon entschieden hatte. Marcus Ehning hatte schon vor Wochen bekannt gegeben, dass sein Toppferd Cornado NRW nicht fürs Weltcup-Finale in Frage kommt. Cornado ist im Besitz des Nordrhein-Westfälischen Landgestüts und ging in den vergangenen Wochen seinem Job als Zuchthengst nach. „Marcus will sich mit Cornado ganz auf die wichtige Turniere der grünen Saison konzentrieren“, sagt Otto Becker. Ehning startet in Las Vegas mit dem neunjährigen schwedischen Hengst Singular LS. Züchterische Aufgaben nahm auch Hans-Dieter Drehers Embassy war. Der Hannoveraner Hengst, vor kurzem noch in Miami in Florida am Start, hat derzeit Pause und wird in Las Vegas von dem Holsteiner Contender-Nachkommen Cool and Easy vertreten. Mit seinem Toppferd Cornet’s Cristallo will Marco Kutscher ins Geschehen eingreifen. Otto Becker: „Cornet’s Cristallo war in den vergangenen Wochen und Monaten sehr erfolgreich und zuverlässig, deshalb hat sich Marco mit dem Pferdebesitzer und uns für ihn entschieden.“ Sowohl Kutscher als auch Ehning kennen Las Vegas bereits von früheren Weltcup-Finals, für Deußer und Dreher ist es Premiere.

Morgenabend geht es mit dem Zeitspringen, der ersten Wertung der Springreiter los. Zuvor sind die deutschen Dressurreiterinnen Jessica von Bredow-Werndl, Fabienne Lütkemeier und Isabell Werth mit dem Grand Prix an der Reihe. Für das Dressurteam scheint die etwas frühere Anreise nach Las Vegas weit stressfreier verlaufen zu sein.