Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Heißblütiges Pferd mit feurigem Fahrer

Benjamin Hagen und Ukamaya Verderie sind durch einen frischen Erfolg empfohlen, treffen aber auf bärenstarke Gegner. Im „Frei für Alle“ gelten Thorsten Tietz und Harry’s Bar als Topfavoriten. Die V5 mit 5.000 Euro Garantie und drei Mariendorfer Supersieg-Wetten runden den Berliner PMU-Renntag ab.

20. Februar 2015 (Start des 1. Rennens um 17.25 Uhr / Beginn des BTV-Expertentalks bereits um 16.40 Uhr).

Er gilt unter den deutschen Trabrennsportlern als schillernder Exot und ist stets für einen Spaß zu haben: Der Mariendorfer Sulkyfahrer Benjamin Hagen ähnelt von seinem feurigen Temperament her sehr seiner berühmten Schwester, der Sängerin Nina Hagen. Jederzeit keck und stets mit der nötigen Portion Humor ausgerüstet – das scheint der Lebensstil des Profis zu sein, der in der vergangenen Woche seinen 43. Geburtstag gefeiert hat und seine Gegner auf der Rennpiste immer wieder mit verblüffenden taktischen Schachzügen überrascht. 421 Siege sind dem Berliner bisher gelungen und falls es wunschgemäß für ihn läuft, könnte mit Ukamaya Verderie ein weiterer Treffer hinzukommen. Die Stute geht im 6. Rennen an den Start. Die 2.520-Meter-Prüfung bildet den Abschluss der mit 5.000 Euro Garantieauszahlung ausgestatteten V5-Wette, die bereits im 2. Rennen beginnt.

Die in Frankreich aufgewachsene Vierbeiner-Lady läuft für die Farben des polnischen Ehepaares Magdalena und Robert Kieniksman, die in der Nähe der 550.000-Einwohner-Metropole Poznań leben und dem Sulkysport schon seit langer Zeit tief verbunden sind. Die meisten Siege seiner Stute erzielte Robert Kieniksman, der im Hauptberuf als Unternehmer die Produkte eines großen österreichischen Badezimmer-Ausstatters in seinem Heimatland exklusiv vertreibt, sogar höchstpersönlich. Denn der 44-jährige Pferdeliebhaber besitzt eine polnische Berufsfahrer-Lizenz, die allerdings in Deutschland nicht anerkannt wird. „Dafür habe ich durchaus Verständnis,“, sagt der Traber-Experte, „denn in Polen erfolgt die Ausbildung lediglich im Rahmen eines vierzehntägigen Schnellkurses und ist daher kaum mit den hiesigen Gegebenheiten auf eine Stufe zu stellen.“

In das Berliner Geschehen wird Kieniksman, der perfekte Deutschkenntnisse besitzt und gut mit dem ebenfalls in Polen lebenden Rennstalleigentümer Peter Simoni befreundet ist, zukünftig aber verstärkt eingreifen. „Der Weg mit dem Pferdetransporter ist gar nicht so weit. Es sind von uns aus nur 350 Kilometer in die deutsche Hauptstadt und fast die gesamte Strecke verläuft über die Autobahn.“ Mit ihrem tollen Sieg beim letzten Mariendorfer Renntag hat Ukamaya Verderie den ersten Schritt in diese Richtung bereits getan. „Benjamin Hagen hat das einfach klasse gemacht“, lobt Robert Kieniksman seinen Catchfahrer. „Denn die Stute ist alles andere als unkompliziert – sie ist heißblütig und hat ihren eigenen Willen. Vor allem in der Startphase ist es heikel mit ihr und sie mag es nicht, wenn es im Feld zu eng wird. Aber wenn sie freie Bahn hat, wird die Braune höllisch schnell. Benny hat sich jedenfalls perfekt an die taktischen Vorgaben gehalten.“

Dieses Mal wird die Aufgabe für Ukamaya Verderie allerdings noch schwieriger. Denn die Braune trifft auf zwei Gegner von höchstem Kaliber: auf den vom Österreichischen Champion Gerhard Mayr präsentierten Vrai Lord und auf den Fuchshengst Violet, der von seinem niederländischen Trainer Age Posthumus gesteuert wird. Der Letztgenannte fackelte beim Mariendorfer Saisonauftakt ein brillantes sportliches Feuerwerk ab und deklassierte seine Konkurrenten – eine gute halbe Runde vor dem Ziel zum Angriff dirigiert – mit acht Längen Vorsprung. Der vom Amérique-Sieger Meaulnes du Corta abstammende Vrai Lord hat sein Format ebenfalls mehrfach bewiesen. Im Sommer gewann der Hengst die mit 15.000 Euro dotierte Mariendorfer Derby-Rekordmeile und ein Jahr zuvor das Finale der Internationalen Derby-Meisterschaft der Amateure. Beide Pferde müssen Ukamaya Verderie aber zwanzig Meter geben – die Konstellation könnte also nicht spannender sein.

Auch das zweite Trotteur-Francais-Rennen, das als achte Tagesprüfung ausgetragen wird, ist alles andere als ein Langweiler. Hier bringen Robert und Magdalena Kieniksman ebenfalls einen Starter an den Ablauf: die Stute America Seven, in deren Sulky Manfred Zwiener sitzen wird. „Wir haben Jean-Michel Bazire auf seiner Trainingsranch besucht und dort das Pferd gekauft“, berichtet Robert Kieniksman, der trotz des guten Einstandes, den America Seven am 7. Februar mit einem dritten Platz ablieferte, Realist bleibt: „Es ist sehr schwierig, an wirklich exzellente französische Traber heranzukommen – die besten Pferde lassen die Besitzer natürlich nicht aus ihrem Land.“ Ein erneutes Platzgeld ist America Seven aber durchaus zuzutrauen – auch wenn die Favoritenrollen eher an Vengeur de Max (Heinz Wewering), Vieux Manoir (Dennis Spangenberg) und Azur Delo (Tim Schwarma) fallen.

In das „Franzosen-Sandwich“ eingepasst ist das 7. Rennen, das sich zu einem erneuten Glanzauftritt eines absoluten Siegertypen entwickeln könnte: nämlich Harry’s Bar. „Er ist besser als jemals zuvor“, jubelte sein ständiger Fahrer und Wegbegleiter Thorsten Tietz nach dem Erfolg am 7. Februar – es war bereits der dritte hintereinander für den 2015 noch unbezwungenen Stallcrack des Hamburgers Klaus Gührs. Seine damaligen Gegner sind nahezu komplett erneut vertreten, nämlich New Generation (Heinz Wewering), der den Part des Tempomachers übernahm, Andrew Dragon (Maik Esper), VanHalen (Michael Nimczyk) und Zatopek Boshoeve (Benjamin Hagen). Und auch die Ausganglage ist nahezu gleich: Harry’s Bar muss den anderen Pferden auf der langen 2.500m-Distanz zwanzig Meter geben. Nur ein Detail ist anders – es könnte aber entscheidend sein. Andrew Dragon, der beim ersten Aufeinandertreffen ebenfalls eine Zulage zu bewältigen hatte, geht diesmal nämlich von der Grundmarke aus ins Rennen. Mit seinem mörderischen Speed wird der Wallach brandgefährlich werden.

Die bereits erwähnten Traber sind natürlich die Stars – aber auch alle anderen Prüfungen können sich wahrlich sehen lassen. Im Auftaktrennen darf man auf Stall Living Dreams Tricolore (Maik Esper) gespannt sein, die sich mit Julietta (Kornelius Kluth) und Igor Times (Thorsten Tietz) auseinandersetzen muss. Beim Start der V5 (2. R.) wird Vincent Mo (Michael Nimczyk) viel Aufmerksamkeit gelten. Aber für die Kombiwette sollte man auch Mon Cherie Ass (André Pögel), Dancer Rich (Thorsten Tietz), Uvea (Philipp Caternberg) und eine glattgehende Jana (Andrea Lombardo) als mögliche Sieger mit in Betracht ziehen. Das 3. Rennen ist überschaubarer, hier scheint die Entscheidung nur zwischen Lantino (Thorsten Tietz) und Florana G (Dennis Spangenberg) zu liegen. Ähnlich sieht es im 4. Rennen aus, hier ist ein Duell zwischen Good man (Heinz Wewering) und Enrico di Quattro (Manfred Zwiener) zu erwarten. Das 5. Rennen ist ein regelrechter Showdown: Richelliell (Thorsten Tietz) und Let’s win (Maik Esper) laufen in der Form ihres Lebens. Der klarste Favorit der gesamten Veranstaltung tritt aber erst im abschließenden 9. Rennen an: Es gibt keinen Grund, der gegen einen erneuten Erfolg der von Gerhard Mayr präsentierten Evita Viking spricht.   

Unsere Tipps:

1. Julietta – Tricolore – Igor Times 

2. Vincent Mo – Mon Cherie Ass – Dancer Rich    

3. Lantino  – Florana G – I Walk The Line

4. Good man – Enrico di Quattro  – Miss Dior – Rovere Holz

5. Richeliell  – Let’s win  – Västerbo My Life

6. Violet – Vrai Lord – Ukamaya Verderie

7. Harry’s Bar – Andrew Dragon – New Generation

8. Vengeur de Max – America Seven – Azur Delo 

9. Evita Viking – Direct Flight – Sarina

Foto von Marius Schwarz: Einer der großen Favoriten der Veranstaltung, bei der es für die Sieger und Platzierten um ein Preisgeld in Höhe von insgesamt 42.000 Euro geht - den Berliner Trabrennfahrer Thorsten Tietz im Sulky des Wallachs Harry's Bar