Aachen: Weltfest des Pferdesports mit Kutschen aus fünf Ländern

Beim „Concours d’Elegance präsentiert von Familie Tesch“ rollen historische Kutschen durch die Kaiserstadt - Ausstellung auf dem Turniergelände

Sie sind richtig alt, der Lack ist aber noch lange nicht ab. Im Gegenteil: Beim „Concours d‘Elegance präsentiert von Familie Tesch“ im Rahmen des Weltfests des Pferdesports versammeln sich 23 prächtige Traditionsgespanne aus Deutschland, Belgien, den Niederlanden, der Schweiz und Luxemburg auf dem Turniergelände und in der Stadt Aachen. Eines machen sie unverkennbar klar: Schönheit ist keine Frage des Alters. Davon kann sich an den drei Turniertagen jeder Besucher selbst überzeugen. Sowohl am Samstag, 30. Mai 2015, als auch am darauffolgenden Sonntag, 31. Mai, gibt es einen Kutschenkorso – am Samstag auch inklusive einer Präsentation der eleganten und aufwändig restaurierten Wagen im Herzen der Stadt auf dem Aachener Markt. Die Traditionsfahrer werden einen tollen Anblick bieten, legen sie doch allergrößten Wert auf Detailtreue – nicht nur bei den Gespannen und deren Ausstattung, sondern auch bei der Kleidung von Fahrern und Beifahrern.

Möglich gemacht hat diese Zeitreise auf Rädern Siegward Tesch (Foto). Er ist nicht nur langjähriger Partner des CHIO Aachen, sondern auch selbst als Fahrer unterwegs – früher auf Turnieren, mittlerweile ausschließlich als Traditionsfahrer. Ein Kutschenliebhaber durch und durch also. Er sammelt die historischen Wagen und hat sie in einem Kutschenmuseum, der „Kutschenremise“ in Wiehl im Oberbergischen Land, auch der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. 21 Kutschen aus seiner Privatsammlung wird er im Rahmen des Weltfests des Pferdesports am letzten Mai-Wochenende auf das Turniergelände entführen. Im Interview verrät er uns, worauf die rund 100 000 Besucher sich freuen können.

Was gibt es beim „Concours d’Elegance“ eigentlich zu sehen?

Siegward Tesch: 23 internationale Equipagen werden extra zum Weltfest des Pferdesports anreisen. Höhepunkt wird die 16 Kilometer lange Streckenfahrt durch Aachen am Samstag sein. Daran nehmen ausschließlich historische Kutschen teil, die in der Regel älter als 100 Jahre sind. So ein herrliches Bild sieht man nicht alle Tage. Zumal die Fahrer der Gespanne und ihre entsprechenden Gesellschaften auch noch im Stile der damaligen Zeit gekleidet sind. Bei einem Zwischenstopp auf dem Marktplatz können alle Interessierten die prächtigen Kutschen auch aus der Nähe bewundern und mit den eleganten „Oldtimern“ auf Tuchfühlung gehen.

Sie organisieren den „Concours d’Elegance“ mit. Sieht man Sie denn auch auf dem Kutschbock?

Tesch: Natürlich. Für diese außergewöhnliche Veranstaltung bringe ich eine Coupe Mail aus dem Jahre 1880 mit nach Aachen. Diese Kutsche wurde in Paris von dem Hersteller Henry Binder produziert und befindet sich im Originalzustand. Meines Wissens ist sie das einzige heute noch existierende Fahrzeug von Binder dieser Bauart. 2012 konnte ich diesen Wagen erwerben und überarbeiten. Solch eine Kutsche kann man ohne zu übertreiben als Mercedes unter den historischen Kutschen bezeichnen.

Wie ist die Idee zum „Concours d’Elegance“ entstanden?

Tesch: Die Idee stand unter dem Motto „Zurück zur Tradition“, denn Kutschenturniere haben eine lange Tradition, auch in Aachen.  Auch wenn das Fahren mittlerweile nicht mehr ganz so im Vordergrund steht, gab es Zeiten, in denen bei Reitsportturnieren der Anteil von Kutschen weit über 50 Prozent lag. Speziell beim Weltfest des Pferdesports war doch der Kutschenmarathon von Köln nach Aachen in den 1930er-Jahren legendär! Daran möchten wir zumindest ein Stück weit anknüpfen.

Welche historischen Kutschen rollen denn 2015 durch Aachen?

Tesch: Vom Ein- bis zum Vierspänner ist alles dabei. In erster Linie handelt es sich natürlich um Gesellschaftswagen in englischer Stadtanspannung. Die teilnehmenden Kutschen wurden größtenteils von sehr bekannten Herstellern produziert. Ob Grande Coupe Rothschild, ein Omnibus Brewster, ein Damen Phaeton oder eine Break de Chasse – allein die Namen klingen wie Musik in den Ohren. Der Anblick wird noch viel schöner werden. Vorbeischauen sollte man also unbedingt. Denn bei der Ausstellung steht ein Schätzchen neben dem nächsten – jedes mit einer eigenen Geschichte.

Kann man die Kutschen denn auch besichtigen?

Tesch: Ein 2-Spänner, der sogenannte „Mylord“ der Schweizer Wagenbaufirma Chiattone aus dem Jahr 1890, ist  im Rahmen der Ausstellung für die Besucher zugänglich. Dort kann man dann natürlich auch einen schönen Schnappschuss für das Familienalbum machen. Alle anderen Kutschen sind beschildert, sodass sich die Besucher über den Namen, das Baujahr, den Bauort und den Hersteller informieren können.

Was macht die Faszination „Kutsche“ eigentlich aus?

Tesch: Ich denke, die Equipage als Gesamtbild macht die Faszination aus: Der Fahrer des Gespanns mit der Gesellschaft, die Kutsche selbst, die Anspannung, die Pferde. Wenn Fahren als Freizeitaktivität betrieben wird, putzen sich die Gesellschaften ja oftmals besonders heraus.

Wie finden Sie es, dass Kutschen im Rahmen des Weltfests des Pferdesports eine so große Bühne geboten bekommen?

Tesch: Das freut mich natürlich sehr, denn die Idee war schon lange da. Die meisten CHIO-Besucher kennen ja ausschließlich die Vierspänner, die an den Prüfungen teilnehmen. Die moderne Entwicklung im Fahrsport ist natürlich begrüßenswert und interessant. Mit dem Concours d’Elegance und der dazugehörigen Ausstellung zeigen wir jedoch ein Stück Kultur, das wir auch Menschen näherbringen möchten, die sich nicht mit Kutschen auskennen. Beim Weltfest des Pferdesports bietet sich somit die einmalige Gelegenheit, modernen Fahrsport unmittelbar neben historischen Kutschen zu erleben. Aachen ist der perfekte Ort für diese Aktion, denn hier besitzt der Fahrsport eine lange Tradition, die nach wie vor hochgehalten wird.

Woher rührt Ihre Liebe zum Fahrsport und zu Kutschen?

Tesch: Ich bin selbst seit mehreren Jahrzehnten als Fahrer unterwegs. Früher als FN-Fahrer, mittlerweile nur noch in meiner Freizeit. Da bekommt man natürlich noch mal einen ganz anderen Blick auf alles rund um die Kutschen. Daraus ist dann meine Sammlerleidenschaft für historische Kutschen entstanden. Und ich bin froh, dass ich diese Meisterwerke nun auch den Besuchern des Weltfests des Pferdesports zeigen kann.

Als langjähriger Partner und Reitsport-Fan besuchen Sie regelmäßig das Weltfest des Pferdesports. Was war Ihr schönstes Erlebnis?

Tesch: Natürlich trifft man mich entweder bei den Dressurprüfungen im Deutsche Bank Stadion oder am Fahrstadion. Ich finde es aber immer wieder beeindruckend, wenn die Gespanne durch das Hauptstadion fahren, zum Beispiel beim Abschied der Nationen. Das war ja nicht immer so. Die rasante Prüfung „Jump and Drive“ gefällt mir besonders gut. Dann herrscht immer eine super Stimmung auf den Zuschauerrängen. Meine Vorfreude auf die Präsentation der historischen Kutschen im Hauptstadion beim diesjährigen Weltfest des Pferdesports muss ich Ihnen wohl nicht beschreiben. Das wird ein wunderschönes Bild, das es so in der Soers noch nie gegeben hat.

 Fotos von ALRV