Zwischenstand Springen EM Aachen 2015: Frankreich, Niederlande, Deutschland

…so das Ranking im Mercedes-Benz-Preis bei den Springreitern

„Es ist noch nicht die Zeit für Euphorie!“, Philippe Guerdat, der Equipechef der französischen Springreiter, bleibt ganz ruhig. Nach dem ersten Umlauf im Mercedes-Benz-Preis, der Mannschaftswertung bei der FEI Europameisterschaft der Springreiter in Aachen 2015, liegt sein Team vorne. Drei seiner vier Teamreiter blieben ohne Fehler, der vierte lieferte das Streichergebnis. „Ich habe von vorne herein gesagt, dass vier oder fünf Teams um den Titel kämpfen werden und dass wir dazu gehören, war klar.“ 2011 gewann die französische Equipe den Vize-Titel bei den Europameisterschaften in Madrid. Den Meistertitel gewonnen haben sie noch nie.

Insgesamt stehen auf dem Konto der Franzosen 5,7 Strafpunkte nach der ersten Wertungsprüfung, dem Zeitspringen, und dem ersten Umlauf des Nationenpreises. Die Titelgewinner von 2007, die Niederländer, folgen auf dem zweiten Platz mit 7,82 Strafpunkten. „Dass wir heute im Ranking einen Sprung nach vorne machen, hatten wir gehofft“, gesteht der Olympiasieger von 2000 Jeroen Dubbeldam. „Aber dass der Sprung so groß sein würde, von Platz fünf auf zwei, das hätte ich nicht gedacht.“ Auch bei den Oranje-Reiter lieferten drei von vier Reitern fehlerfreie Runden ab. Das Team aus Deutschland ist von der Spitzenposition nach dem Zeitspringen abgerutscht auf Platz drei nach der ersten Nationenpreisrunde. „Alle waren gut unterwegs“, erklärte der deutsche Bundestrainer Otto Becker. Während Ludger Beerbaum mit Chiara und Daniel Deußer mit Cornet d’Amour die erhofften Nullrunden brachten, mussten Christian Ahlmann mit Taloubet und Meredith Michaels-Beerbaum mit Fibonacci je einen Hindernisfehler verbuchen. „Fibonacci sprang überragend und hatte einen ärgerlichen Fehler am Wasser“, erläuterte Becker. „Und Christian hatte einen Flüchtigkeitsfehler. Das war schade.“

Fast verblüfft schien der britische Altmeister Michael Whitaker. Sein Team liegt zurzeit auf dem vierten Platz. „Eigentlich sind wir hierher gekommen, um uns für die Olympischen Spiele in Rio zu qualifizieren“, erklärt der 55-Jährige. „Aber jetzt sind wir auf Medaillenkurs.“ Ausgerechnet Whitaker, für den sein Start in Aachen der 14. bei einer Europameisterschaft bedeutet, betont den Druck, der auf den Reitern lastet: „Ich war nicht nervös, aber ich habe vor meinem Start viel Druck gespürt. Und das geht hier allen Reitern so.“

Sehr enttäuscht war der Bundestrainer der belgischen Springreiter Dirk Demeersman: „Unser Ziel war hier in Aachen die Olympiaqualifikation für Rio. Das haben wir nicht geschafft.“ Beim zweiten Umlauf im Nationenpreis morgen sind nur noch die besten zehn der 22 Teams startberechtigt, die Belgier werden mit Platz elf nach Runde eins nicht mehr dabei sein. Damit haben sie keine Chance mehr, einen der drei noch zu vergebenden Olympiastartplätze zu ergattern.

Die beste Reiterin des führenden französischen Teams, Penelope Leprevost, führt außerdem auch das Einzelranking der Europameisterschaftswertung an. Im Sattel von Flora de Mariposa siegte die 35-Jährige in der ersten Wertung, dem Zeitspringen, und blieb fehlerfrei im ersten Umlauf des Nationenpreises. Leprevost gehörte schon zum französischen Team bei den Weltreiterspielen 2010 und 2014 und kam jedes Mal mit Mannschaftssilber nach Hause. Zweiter im Einzelranking ist momentan Ludger Beerbaum auf Chiara, gefolgt von dem Briten Joe Clee auf Utamaro d’Ecaussines.

In einem Punkt sind sich alle einig. Der Parcours wird morgen im zweiten Umlauf des Mercedes-Benz Preises schwerer werden. „Ich bin früher selbst mit der Mannschaft oft hier im Nationenpreis an den Start gegangen“, betont Guerdat. „Ich habe schon viele Nationenpreis-Parcours gesehen, die schwerer waren als der heute. Aber morgen wird es sicher schwerer und die zeit wird eine Rolle spielen.“

Foto von FEI/Dirk Caremans: Kevin Staut