Zauber edler Pferde: Die Show der Ostseequadrille am Landgestüt Sachsen-Anhalt

 

 

Wenn Zuschauer Tränen der Rührung in den Augen haben, wenn die Jüngeren spontan anfangen zu pfeifen, um damit die Reiter in der Halle anzufeuern, wenn es Zwischenapplaus in Hülle und Fülle gibt, wenn am Ende der Show alle traurig sind, weil es schon vorbei ist, dann, ja dann war wohl die Ostseequadrille dran schuld.

 

Was manchem hier etwas übertrieben erscheint, ist aber gelebte Realität. In Prussendorf war zwar nicht ganz jeder Platz besetzt, dafür hatte das anwesende Publikum alles richtig gemacht, in dem es sich einen Abend mit den holländischen Schwarzen und den spanischen Weißen plus einer Portion anmutiger Damen gönnte. Zugegeben waren auch einige Herren (zwei) im Sattel unterwegs. Diese werden übrigens nach Aussage der künstlerischen Leiterin Nicole Walper durchaus gepflegt, damit sie recht lange gleichberechtigt in der Ostseequadrille verweilen (über die vielen zweibeinigen Jungs hinter den Kulissen berichtete pferdefreunde.co bereits im Vorfeld der Show). Schließlich muss so eine Art Männerquote schon sein in dieser frauendominierten Welt der OSQ. Man sollte vielleicht auch nicht die vier Hengste auf zwei Beinen vergessen, welche von Viola Grätz auf Trab gebracht wurden (Namen sind der Redaktion bekannt).

 

Nun zum Programm: Wie angekündigt, war es eine Mischung aus den immer wieder gern gesehenen Standards aus schwarzen, weißen und schwarz-weißen Formationen sowie aus neuen Show-Elementen, die im Laufe der letzten Monate geplant, choreografiert und einstudiert wurden. Es war – ganz im Geiste der Ostseequadrille – anspruchsvoll, beschwingt und immer mit einer Prise Humor gewürzt.

 

Eigentlich waren die Blues Brothers ja nur zu zweit unterwegs. Im Landgestüt Sachsen-Anhalt wurden daraus schon sechs Exemplare (Ina Ritter/Watse, Nadine Geigenmüller/Jannes, Barbara Rennert-Pape/Sandokahn, Monique Linke/Tengo, Viola Grätz/Santos, Lisa Giese/Daen). Anstelle des Chevis dienten Sulkys als fahrbare Untersätze. Es ging anfangs ruhiger und später im Takt der Musik beschwingt zur Sache. Das Schaubild hatte viel Ausstrahlung, bekam viel Beifall. Und den sechs Amazonen mit stilecht mit schwarzen Sonnenbrillen, schwarzen Hüten, schwarzen Koteletten und natürlich schwarzen Maschinen machte es ebenfalls große Freude, die Zuschauer zu unterhalten. Für die Prussendorfer auf den Tribünen war es eine Premiere.

 

Neu waren ebenfalls die fliegenden Teppiche. Hinter zwei schwarzen Jets ging es mit orientalischem KFZ im nahezu Schwebezustand über den Hallenboden. Die Kostüme passten wie die Faust aufs Auge. Nun weiß auch der letzte Fahrradfahrer, wie man sich im Nahen Osten vorwärts bewegt. Die passenden Beats machten Laune – Klatschen im Takt war angesagt. Nadine Geigenmüller und Jannes sowie Ina Ritter und Watse ließen auf dem Hochflor die Fransen fliegen.

 

Dramaturgie und Tradition der Programme der Ostseequadrille verlangen es, dass es nach der Pause mit den Emotionen bergauf geht. Dafür sorgten nicht nur der Tanz der Wassernymphen mit einer akrobatischen Einführung von Dajana Pfeiffer (Excalibur Horse Shows) und in der Besetzung Gerlinde Bartelheimer/Eddi, Angela Klee/Bandolero, Carola Brucker/Thiery, Eveline Wessel/Vidigal, Gisela Sosna/José sowie Amrei Rieso/Capitan, sondern auch eine Hommage an das Friesenpferd schlechthin.

 

Im Glanze von zwanzig Fackeln wurde den schwarzen Perlen gehuldigt – stimmungsvoll und herzzerreißend war die Darstellung mit bombastischen Klängen in der verdunkelten Halle. Im spärlichen Flackerlicht konnte man die Vorführungen von Jana Thumann/Odin, Stephanie Bolle/Tjerragonn und Sandra Mertins/Sybrand einatmen und gerade eben so erkennen. Wie man Gänsehaut macht, wissen die Macher der OSQ.

 

Senkrecht stehendes Hauthaar macht auch immer wieder das Schaubild „Mitternacht“. Die Stunde der schwarzen Reiter schlägt leider immer zum Ende der Show. Und es wird einem schmerzlich bewusst, wie schnell zweieinhalb Stunden des eigenen Lebens vorbeigehen können. Aber die OSQ wäre nicht sie, wenn es nicht noch einen Schmankerl zum Schluss geben würde. Während nämlich die Pferde anderer Shows nach Vorstellungsende auf den Transporter verfrachtet und zur nächsten Stadt irgendwo in Europa gebracht werden, geht es hier ruhiger zu. Beim gemeinsamen Meet & Greet werden die Zuschauer wie üblich aufgefordert, vor die Bande zu kommen. Dann darf gestreichelt, geknuddelt, fotografiert und ausgefragt werden. Außerdem werden die Gewinner der Tombola bekanntgegeben. Aber irgendwann ist selbst das vorbei und das Licht in der Halle geht aus… Die Schwarzen und die Weißen, die Großen und Kleinen kommen in die Box und zur Ruhe. Das hatten sie sich nach insgesamt zwölf Programmpunkten verdient.

 

Vom Veranstalter war zu hören, dass die Teilnehmer und Helfer der Show zu später Stunde noch eine kleine Geburtstagsparty angezettelt hatten. Vorher gab es allerdings, wie es sich gehört, eine kurze Auswertung. Dann wurde ein wenig gefeiert. Lange konnte es nicht gehen, denn am nächsten Tag verteilten sich die Pferde und ihre Reiter wieder in alle vier Himmelsrichtungen, um später wieder voller Schwung zusammenzutreffen.

Kleiner Tipp an die Krankenkassen: Wenn mal wieder einer wegen Herbstdepressionen beim Arzt vorbeikommt - Einfach eine Eintrittskarte zu einer Show der Ostseequadrille verschreiben - kostet weniger und bringt auf Dauer mehr - bestimmt!

Die nächsten Auftritte der Ostseequadrille sind bei den Krumker Pferdetagen und auf der Messe Faszination Pferd in Nürnberg. Außerdem ist ein Auftritt beim AGRAVIS-Cup in Oldenburg geplant. Alle Termine stehen aktuell unter www.ostsee-quadrille.de/de/Tour-2014/Aktuelle-Shows/

Fotos: privat

Und hier noch einige Bilder von Laura Springer (C):