Wiesbadener Pfingstturnier 2014: Pferdenacht mit den Harlem Globetrotters zu Pferde

(Wiesbaden) Ein Pferd mit langer wehender Mähne, eine schier endlose Wiese, grenzenloses Galoppieren während der Wind mit den Blüten tanzt – das ist das Bild, was Freiheit symbolisiert. „Freiheit und Pferde – das ist ein zentrales Thema der Wiesbadener Pferdenacht 2014“, erklärt Ulrich Schneider, der seit 19 Jahren die Pferdenacht im Biebricher Schlosspark organisiert.

Die Dülmener Wildpferde, diese zähen liebenswerten Ponys mit dem Aalstrich, sind heute die einzigen verbliebenen Wildpferde auf dem europäischen Kontinent. Na gut, der Begriff Wildpferde stimmt nur noch zum Teil, aber zu einem großen Teil. Die etwa 360 Ponys leben in einem Reservat auf dem Grundbesitz des Herzogs von Croy. Sie sind sich selbst überlassen, folgen ihren Instinkten, ernähren sich von dem natürlichen Angebot ihres Biotops und haben sich in Familienverbänden mit strenger Rangordnung organisiert. Lediglich im Winter, wenn Schnee liegt, wird ihnen Heu als Zusatzfutter ausgebracht. Die Wiesbadener Pferdenacht zeigt diese genügsamen, knuddeligen Ponys in ihrer ganzen Vielfalt.

Zum Thema Freiheit und Pferde gehört auch die Freiheitsdressur. Der Franzose Pierre Fleury reist mit seinen vier Highland-Ponys aus der Normandie an. Pierre braucht weder Trense noch Sattel, weder Zügel noch Sporen. Es sind Blicke, Zeichen, Gesten, durch die er sich mit seinen Ponys verständigt. Er springt mit ihnen, er spielt mit ihnen, er steht auf ihnen – in fremder Umgebung mit tausenden von Zuschauern, aber seine Ponys konzentrieren sich nur auf ihn. Das ist totale Teamarbeit, das ist das ultimative Miteinander, das ist der Rausch der Freiheitsdressur.

Dem Gefühl von Freiheit kann sich auch niemand der Schlosspark-Besucher verwehren, wenn das traditionelle Jagdbild ansteht. Wenn 100 Pferde samt Meute über den großen Platz galoppieren und man auf den Tribünen das Beben spürt. Ganz ohne Beben bringen die Horseballer den Atem der Zuschauer zum Stocken. „Horseball ist praktisch das Basketball zu Pferde“, erklärt Ulrich Schneider. Jeder, der schon mal ein Basketballspiel gesehen hat, weiß: Dieser Sport ist schnell, sehr schnell. Die Sportler müssen wendig sein und im eingespielten Team arbeiten. Und das alles mit Pferd… In Deutschland gehört Horseball noch immer zu den Randsportarten der Pferdedisziplinen, in Frankreich ist Horseball eine Königsdisziplin. Im Rahmen der Weltreiterspiele, die in diesem Jahr in der Normandie stattfinden, werden sogar Horseball-Demonstrations-Wettbewerbe vorgeführt. Die besten Horseballer Frankreichs versammeln sich kurz vor Pfingsten in Paris und reisen dann gemeinsam nach Wiesbaden. „Diese Truppe

ist wie die Harlem Globetrotters zu Pferde“, freut sich Schneider auf ihre Show bei der Pferdenacht.

Apropos Weltreiterspiele – zwei tschechische Fahrsportler haben sich mit ihren Vierspännern bereits für die Normandie qualifiziert. Und sie werden mit ihren Altkladruber Hengsten auch bei der Wiesbadener Pferdenacht dabei sein. Die Brüder Jiří und Radek Nesvačil sind für das Nationalgestüt Kladruby nad Labem am Start und vertreten damit 450 Jahre Pferdezuchtgeschichte. Die als ‚sanfte Riesen’ bekannten Altkladruber können vor der Kutsche auch verdammt schnell und wendig sein – der Schlosspark wird es zeigen.

Wenn die Mini-Shettys der Wackernheimer Springmäuse auf die Kaltblüter der Oberländer Reitertruppe treffen, heißt die Überschrift: Kontrastprogramm. Anders gesehen passen die beiden Gruppen wieder gut zueinander: Die Springmäuse verkörpern in diesem Jahr die ‚Heidi von der Alm’, die Oberländer untermalen ihre Show mit bayerischer Blasmusik. Und auch da wird der Schlosspark beben.

Die Wiesbadener Pferdenacht 2014 ist eine Mischung aus Freiheit und Action, aus regional und international, aus Show und Sport. Und am Ende verabschiedet sich die Pferdenacht gewohnt stimmungsvoll mit einem bengalischen Lichter-Feuerwerk, das den Schlosspark in alle Farben des Regenbogens hüllen wird.