Westfalen mit Doppelgold im Bundesvierkampf 2015 in Warendorf-Freckenhorst

Westfälische Vierkämpfer gewinnen Doppel-Gold vor heimischem Publikum

Warendorf-Freckenhorst (fn-press). „Das sind so Tage, an die man sich gerne erinnert, wenn es mal nicht so läuft“, sagte westfälische Mannschaftsführer Klemens Nachtigall mit einem Schmunzeln. Beim Bundesvierkampf auf Hof Schulze Niehues in Warendorf-Freckenhorst sicherten sich seine Teams nicht nur die Plätze eins und zwei im „Deutschlandpreis der Vierkämpfer“, sondern auch den Sieg bei den Nachwuchsvierkämpfern.

Schwimmen, Mannschaftsdressur, Geländelauf und Stilspringen – das sind die vier Stationen, die es beim Bundesvierkampf zu bewältigen gibt. Am ersten Abend im Schwimmbad in Oelde hatten noch die baden-württembergischen Vierkämpfer die Nase vorn. Doch schon in der zweiten Teilprüfung, einer Mannschaftsdressur der Klasse A, übernahmen die Westfalen das Ruder. Als Gastgeber durften sie gleich zwei Teams im U18-Bundesvierkampf stellen und diese lieferten sich ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen ein Sieg. Am Ende macht die Mannschaft Westfalen II mit insgesamt 17.838 Punkten das Rennen, deren Frontfrau Johanna Schulze Thier (13, Ascheberg) nicht nur den Sonderpreis für das beste Dressurergebnis von 9,0, sondern auch für das beste Gesamtergebnis von 6.328 Punkten mit nach Hause nehmen durfte. Mit im Team ritten, schwammen und liefen Greta Busacker (12, Münster), Franziska Hölper (15, Lüdinghausen) und Nina Sparwel (15. Südlohn).

Ganze 160 Punkte trennte das Damen-Quartett von seinen Landesverbandskollegen Hendrik Reuling (15, Rhede), Nadine Fox (15, Reken), Jandrik Markus Tech (14. Espelkamp) und Nils Ohmen, obwohl diese sie beim 3.000 Geländelauf noch überrundet hatten und am Sonntag mit Nils Ohmen den Sieger im Stilspringen der Klasse A stellen konnten. Der 17-jährige Münsteraner bekam für seinen Ritt mit Lassandro die Note 9,5. Diese umso höher zu bewerten ist, als dessen eigene Reiterin bei der Vorstellung der Pferde am Morgen noch einige Schwierigkeiten gehabt hatte und in der Prüfung nicht über eine 6,9 hinauskam. "Das ist das eben Besondere am U18-Bundesvierkampf. Alle Teams bringen zwei Pferde pro Disziplin mit, zwei werden von anderen Teams dazu gelost. Und gerade auf den Fremdpferden merkt man schon, wer über etwas mehr Erfahrung verfügt“, erklärte Knut Danzberg von der Bundesjugendleitung der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) den Modus.

Dieser Modus war es auch, der dem 16-jährigen Tim Luca Bauer aus Lübeck in Schleswig-Holstein zu einem wohl unvergesslichen Erlebnis verhalt. Er durfte in der Mannschaftsdressur Klasse A im Sattel eines Olympiasiegers Platz nehmen. Greta Busacker hatte zum Vierkampf FRH Butts Abraxxas mitgebracht, mit dem ihre Mutter Ingrid Klimke zwei Mal Mannschaftsolympiasieger wurde. Der mittlerweile 18-jährige Rappe präsentierte sich in Freckenhorst taufrisch und schien seinen Auftritt als Lehrmeister des Reiternachwuchses zu genießen. „Wir sagen ja immer, ein junger Reiter auf ein erfahrenes Pferd gehört – und welches Pferd hätte wohl mehr Erfahrung als Abraxxas“, sagte Knut Danzberg. "Allein schon die Tatsache, dass Braxxi auf der Liste stand, war für alle eine Sensation. Es ist einfach toll, wenn jemand ein solches Pferd zur Verfügung stellt und eine super Motivation für die Reiter“, sagte auch die schleswig-holsteinische Trainerin Dörte Kühl. Das beste Dressurergebnis für ihr Team (8,4) erzielte allerdings Janne Ritters (15, Krumstedt), die bei ihrem dritten Bundesvierkampf darüber hinaus Platz zwei in der inoffiziellen Einzelwertung hinter Johanna Schulze Thier belegte. Insgesamt landete dDas Team Schleswig-Holstein, das als Titelverteidiger angereist war und dem neben Tim Luca Bauer auch Felix Carstensen (14, Großenwiehe) und Jane Sophie Dethlefsen (13, Risum-Lindholm) angehörten, mit 17.228 Punkten auf dem Bronzerang.

„Titelverteidigung gelungen“, hieß es dagegen bei den westfälischen U14-Nachwuchsvierkämpfern. Seit Einführung des Bundesnachwuchsvierkampfes vor einigen Jahren sind die Westfalen ungeschlagen und bleiben es nach dem Sieg von Anna-Lena Potthoff (11, Werl), Leonie Schulze-Henne (14, Ahlen), Lea-Sophie Kaulbars (13, Bad Oeynhausen) und Pauline Weitkamp (13, Billerbeck) mit 16.968 Punkten noch für ein weiteres Jahr. Anders als bei den „Großen“ wird in dieser Altersklasse mit eigenen Pferden oder auch Ponys gestartet. Am dichtesten an die Sieger heran kam die Mannschaft aus Rheinland-Pfalz mit Laura Krechel (12, Mertloch), Marlay Demmerle (13, Börrstadt), Louisa Dauenhauer (14, Höheinöd) sowie Yann-Etienne Schürch (13, Mehlingen), der sich als bester Nachwuchsschwimmer herausstellte. Mit einem Endstand von 16.451 Punkten konnten die Rheinland-Pfälzer die Gastgeber aber nicht vom Thron stoßen. Auf dem dritten Platz landete mit 16.027 Punkten das Team aus Hessen mit Janna Schautes (13, Lahntal), Sarah Gruber (11, Brombachtal), Lea-Marie Mäser (13, Laubach) und Joelle Bölter (14, Fränkisch-Grumbach).

Den Sonderehrenpreis für die beste kombinierte Leistung teilten sich mit jeweils 5.813 Punkten Antonia Schweinesbein (13, Weißenburg) vom Team Bayern und die Bremen startende Josephine Seemann (12, Schwanewede), die mit der Note 8,8 auch das beste Ergebnis in der Dressur erzählte. Auch ihre Note im Parcours, eine 8,3, konnte sich - nicht zuletzt dank des Coachings durch ihren Onkel, Bundestrainer Eberhard Seemann, - sehen lassen. Den Vogel schoss im Springen allerdings Anna-Lena Potthoff mit ihrem Schimmelpony Ams Magic D mit der Note 9,2 ab.

Bestnoten gab es auch für den Veranstalter des Bundesvierkampfs. Routiniert als Ausrichter des westfälischen Vierkampfs präsentierte sich die Reitschule Hof Schulze Niehues mit ihren drei Hallen, der großzügigen Außenanlage und den vielen haupt- und ehrenamtlichen Helfern als perfekter Austragungsort und Gastgeber. „Wenn wir dürfen, kommen wir gerne wieder“, sagte Bundesjugendwartin Heidi van Thiel in ihrer Dankesrede und sprach damit den meisten Aktiven, Eltern, Betreuern und Zuschauern aus der Seele.