Vorschau Renntag Berlin – Mariendorf: Das Fritz-Brandt-Rennen 2016 und die Jagd auf den Titelverteidiger

Foto von Marius Schwarz: Der Vorjahressieger Jörg Hafer im Sulky der Stute Smokie Juvel

Jörg Hafer hat den Klassiker schon dreimal gewonnen und besitzt mit dem Hengst Ingmar Flevo erneut eine exzellente Chance. Viermal die Acht: Im sechsten Rennen geht es um eine Vierergarantie in Höhe von 8.888 Euro inklusive 2.416 Euro Jackpot. Insgesamt werden sogar rund 42.000 Euro an Prämien, Jackpots und Garantien ausgelobt.   

Berlin-Mariendorf, 25. März 2016 (Start des 1. Rennens um 14.00 Uhr / Probeläufe bereits ab 13.10 Uhr).

Es ist das erste ganz große Highlight der Berliner Trabersaison 2016: Am Karfreitag steht das renommierte Fritz-Brandt-Rennen auf dem Mariendorfer Programm. Der nach einem in den zwanziger Jahren recht bekannten und als Amateurfahrer aktiven Sportjournalisten benannte Klassiker wird bereits seit 1933 ausgetragen und gehört damit zu den traditionsreichsten Prüfungen in Deutschland. Diejenigen, die mit ihren Pferden bisher auf die Ehrenrunde gingen, werden zwar salopp als Hobbyfahrer bezeichnet. Doch für die meisten von ihnen ist der Begriff eine glatte Untertreibung, denn vom Können her stehen sie ihren im Profibereich tätigen Kollegen in nichts nach. Das beste Beispiel ist Jörg Hafer, der das Fritz-Brandt-Rennen schon dreimal – nämlich 2010, 2013 und 2015 – gewann. Der 55-jährige Sportler, der im Hauptberuf Inhaber einer in Herten ansässigen Versicherungsagentur ist, hat bereits weit über tausend Siege auf dem Konto. Ganz exakt sind es 1.321.

Jörg Hafer ist also einer, um den man kaum herumkommt. Wohl auch nicht bei der diesjährigen Austragung, denn mit dem Hengst Ingmar Flevo aus dem Lot von Marion Jauß besitzt der Titelverteidiger ein sehr chancenreiches Pferd. Der Saisondebütant tritt im Vorlauf der Gewinnsummenklasse bis 12.500 Euro an, der als 3. Rennen ausgetragen wird. Schon zuvor, nämlich im 2. Rennen, sind aber diejenigen Pferde gefordert, die bereits mehr Geld verdient haben. Wer die beiden Fritz-Brandt-Vorläufe nicht verpassen will, darf also nicht zu spät auf der Bahn erscheinen. Denn nach dem für punkt 14 Uhr geplanten Auftaktrennen, in dem besonders O Mia Bella (Daniel Wagner) Aufmerksamkeit gebührt, geht es Schlag auf Schlag weiter: Erst die beiden Fritz-Brandt-Vorläufe, dann der Auftakt zur V5 und wenig später eine Vierergarantie in Höhe von 8.888 Euro inklusive 2.416 Euro Jackpot. Weitere Dreier- und Sieggarantien sowie eine große Prämienausspielung bilden eine Gesamtsumme in Höhe von rund 42.000 Euro!

Nun aber zu den beiden Fritz-Brandt-Vorläufen – und zwar in chronologischer Reihenfolge. Wir beginnen also mit dem 2. Rennen und es ist schon erstaunlich, wie weit die Meinungen aller Fachexperten hier auseinandergehen. Während die Redaktion der Fachzeitschrift TrabAktuell mit Janus R.A. und Michael Schreiber geht, konzentriert sich der Rennvereins-Tipp auf Barolo SL und Peter Platzer. Beide Traber sind ganz unterschiedliche Typen. Während der Winterpokal-Sieger Janus R.A. ungemein zuverlässig ist, bereits 45 Starts bestritten hat und damit voll ausgereift ist, verfügt sein drei Jahre jüngerer Gegner noch nicht über so viel Routine und wurde bisher nur neunmal geprüft. Barolo SL betrat zwar schon 2014 die sportliche Bühne und belegte im Jugend-Preis mit Jos Verbeeck einen ehrenvollen zweiten Rang, doch danach musste der Hengst häufig pausieren. Die Leistungen bei seinen beiden Auftritten in der aktuellen Saison waren aber vielversprechend.

Sehr zuversichtlich darf auch Linda Matzky mit Holly go lightly sein. Die 17-jährige Amazone kam beim ersten gemeinsamen Auftritt mit der grundehrlichen Stute, die auf den letzten fünfhundert Metern noch höllisch schnell wurde, blendend zurecht. Sie und ihre Schwester Marlene, die ebenfalls Fahrten ausführt, werden an diesem Tag viele Fans auf ihrer Seite haben, denn es werden eine Menge Mitschüler der beiden auf der Bahn erwartet. Wie sich aber alles entwickelt, steht in den Sternen, denn auch von den übrigen Vorlaufsteilnehmern kann man kaum ein Pferd streichen. Pablo Kemp (Sarah Kube) siegte mit riesigem Offensivgeist. Cardea (Michael Hamann), Pokerface Diamant (Christoph Pellander) und General Eck (André Schiller) haben keine Mühe mit einem hohen Tempo. Das größte Fragezeichen beim Kampf um die fünf Finalkarten ist Lets win (Dr. Marie Lindinger), der nach Aussage seines Trainers Rudolf Haller links herum einfach eine Katastrophe ist, auf dem Derby-Kurs aber zumeist ein völlig verwandeltes Gesicht zeigt und brandgefährlich ist. Es sind also dicke Überraschungen drin und alles wird vom Verlauf abhängen. 

Im anderen Fritz-Brandt-Vorlauf, dem 3. Rennen, ist das Leistungsgefälle zwischen den dort antretenden zehn Teilnehmern zwar größer, aber ein glasklarer Favorit sticht ebenso wenig heraus. Den von Jörg Hafer präsentierten Ingmar Flevo hatten wir bereits erwähnt. Seine Mutter Olympia November gewann zweijährig die Breeders Crown und seine Großmutter Dizzy Crab knackte sogar die 500.000 Euro-Gewinnsummengrenze – die Blutlinie stimmt also. Im Derby-Vorlauf war Ingmar Flevo Dritter und im Finale des wichtigsten deutschen Rennens Sechster. Der Saisondebütant wird also viel Wertschätzung am Toto genießen. Ebenso wie sein vermeintlich härtester Widersacher Tyrolean Dream, für den bisher das Motto hopp oder top galt. Glattgehend war der nun erstmalig von Dr. Marie Lindinger gesteuerte Wallach zwar nur selten geschlagen – aber er zeigt seinen Fahrern liebend gerne die Zähne, wovon auch die verpatzte Daglfinger Generalprobe für das Fritz-Brandt-Rennen zeugt.

Enrico Hanseatic geriet bei seinem letzten Test ebenfalls von den Beinen, konnte mit seinem Besitzer Bernd Nebel aber schon dreimal gewinnen und ist daher ziemlich sicher im Endlauf zu erwarten, für den sich ebenfalls die ersten Fünf qualifizieren. Ein ganz heißer Finalkandidat ist außerdem Went Rover, der bei seinen letzten vier Starts drei Treffer landete. Der Sohn der 39-maligen Siegerin Gently Way (88.987 Euro Gewinnsumme) darf erstmalig auf die Hand von Hans-Jürgen von Holdt vertrauen und kommt aus einem Formstall – sein Trainer August Arkenau hat seine Pferde aktuell richtig in Schwung. Interessante Außenseiter sind Peaches Diamant (Marlene Matzky), die zuletzt aufgrund eines Infekts unter den Erwartungen blieb und das Laufen umgehend korrigieren sollte, sowie Dex Buitenzorg (Thomas Harloff) und Piccolina Diamant (Andreas Schwarz). Falls einige der genannten Traber unter den Erwartungen bleiben, könnten auch Oneandonly Diamant (Jennifer Schmidt) und Sarina (Alexander Dame) ins Finale schlüpfen. Für Louisa wird es wohl deutlich zu schwer – aber es ist schon aller Ehren wert, dass ihr achtzigjähriger Fahrer, Trainer und Besitzer Walter Pichotta die Herausforderung annimmt.

Nach dem dritten Rennen stehen also alle Teilnehmer des Endlaufs fest, der als zehnte Tagesprüfung gegen 17.40 Uhr ausgetragen wird. Aber wer denkt, dass er sich zwischendurch zurücklehnen und ausruhen kann, ist auf dem falschen Dampfer. Denn schon unmittelbar nach den Fritz-Brandt-Vorläufen ist erneut die volle Konzentration gefordert: Dann beginnt nämlich die V5 und es wird sich zeigen, ob sich Favoriten wie Floh G (Thorsten Tietz), Alannah Mo (Michael Nimczyk), Miss Apple JM (Thorsten Tietz), Replay Diamant (Michael Nimczyk), Berlusconi (Kay Werner), Skyfall (Michael Nimczyk) und Queen of Times (Dennis Spangenberg) in den Rennen vier bis acht durchsetzen können. Natürlich heißt es insbesondere im 6. Rennen mit der 8.888-Euro-Vierergarantie: volle Kraft voraus! Wer hier die richtige Reihenfolge erwischt, wird sich noch lange und gerne an den Mariendorfer Fritz-Brandt-Renntag 2016 erinnern. Und selbst nach dem großen Finale des Klassikers ist längst nicht Schluss mit der Spannung – denn im abschließenden 11. Rennen, einem Trabreiten, geht kein Geringerer als Garry an den Start. Der siegreichste deutsche Traber der Saison 2015 wird wie stets von Ronja Walter gesattelt.                                   

Unsere Tipps:

1. O Mia Bella – Gentle Yankee – Javea

2. Barolo SL – Holly go lightly – Pablo Kemp

3. Tyrolean Dream – Ingmar Flevo – Went Rover

4. Floh G – Biscuit Dragon – Robin Toft

5. Alannah Mo – Here she goes – Flash di Quattro

6. Miss Apple JM – Replay Diamant – Millions Boy – Nemo

7. Berlusconi – Skyfall – Fiobana

8. Queen of Times – Francesco – Diamond Kosmos

9. Fox Dragon – Dream Boy As – Moonchild

10. Finale zum Fritz-Brandt-Rennen

11.Garry – Inari – Zappadeo