Vorschau 1.Tag der Derby-Woche Berlin - Mariendorf 2015: Bonjour Berlin!

…heißt es zum Auftakt der Derbywoche, oder „Alles neu macht der Juli!“ So ganz stimmt das nicht, denn Matinée-Veranstaltungen am späten Vormittag sind seit dieser Saison so selten nun wieder nicht im deutschen Pferderennsport.

Erstmals findet eine solche jedoch als Auftakt zur größten Rennwoche des deutschen Trabrennsports statt. Geschuldet ist dies der immer enger werdenden Zusammenarbeit mit dem staatlichen französischen Wettanbieter PMU, der die ersten vier Rennen live nach Frankreich überträgt. Der symbolische Startschuss zum Derby-Meeting 2015, das um diesen Freitag - und das ist das eigentliche Novum - auf sieben Renntage verlängert ist, erfolgt um 11.45 Uhr. Bereits unmittelbar davor – nämlich ab 11 Uhr – wird der BTV-Expertentalk ausgestrahlt.

Wo Frankreich dran steht, soll auch Frankreich drin sein - das ist eine der Vorgaben der PMU, und so kreuzen im 2. Rennen (12.15 Uhr) zehn Traber, die im Schlaraffenland des Trabrennsports geboren sind, die Klingen. Sie könnten unterschiedlicher nicht sein: Hier altgediente Haudegen mit Gewinnsummen von über 200.000 Euro wie Sumo Quick und Pélicano Quick. Dort interessante Newcomer wie Amiral de Retz, Vieux Manoir oder Unique Atout. Die nehmen über den 2500 Meter weiten Weg - eine Distanz, die den Franzosen-Trabern im Blut liegt - 20 oder gar 40 Meter Vorsprung gegenüber den erfahrenen Recken mit auf die Reise, was diese Art von Rennen so reizvoll und schwer berechenbar macht.

Der Appetitanreger auf die „Trotteurs Français“ und damit die Ehre, die erste Siegerparade des Derby-Meetings 2015 zu fahren, bleibt den Amateuren im 1. Rennen vorbehalten, in denen zwei hochinteressante Einheimische aufeinanderprallen. Dimitri W Eden, der auf bundesdeutschem Championatskurs segelnden Sarah Kube anvertraut, die 20 Meter von der Rennbahn entfernt aufgewachsen ist, ist Ende März mit vier Siegen am Stück in die schöpferische Pause gegangen und möchte die Serie natürlich gleich fortsetzen. Der Wallach trifft auf einen, der quasi über Nacht zum Gegner erwachsen ist: Nach fast einjähriger Abstinenz hat sich Mister Rene am Donnerstag in Karlshorst mit einer ausnehmend starken Leistung zurückgemeldet. In Tagesbestzeit knackte er als Anführer der äußeren Spur mit Don Kievitshof schon einen Trotter der Schmiede Thorsten Tietz / Heinz Wilhalm. Ein spektakuläreres Comeback kann man sich kaum wünschen. Oder wird, wenn diese Beiden sich zu sehr streiten, einer der übrigen Zehn zum lachenden Dritten?

Die echten vierbeinigen Champions sind im 4. Rennen gefordert. Ein stets gern gesehener Gast ist Dream Magic BE, der mal wieder eine Stippvisite an die Spree unternimmt. Hier hat der Hengst am ersten August-Sonntag 2012 mit dem Sieg im 117. deutschen Traber-Derby seinen größten Triumph gefeiert. Mit fast 300.000 Euro an „Einkomen“ ist der schwarzbraune Modellathlet inzwischen eher selten in Deutschland zu bewundern, sondern geht seinen sportlichen Aufgaben zumeist in Frankreich nach. Aufgrund seiner Gewinnsumme muss Josef Franzls Paradepferd - wie auch Heinz Wewering mit Abano Boy - auf die „Ärmeren“ 20 Meter Zulage wettmachen. Ein Unterfangen, an dem der fürwahr „magische Traum“ von einem Pferd bereits vor 14 Tagen in München gescheitert ist. Damals ließ Oncoming Diamant vorneweg nicht die kleinste Opposition zu, und auch Man in Black, Iron Steel und Lotus Star sind allesamt siegverwöhnte Burschen, die sich so leicht nicht die Butter vom Brot nehmen lassen. Eine echte Herausforderung für Dream Magic BE also, den jedoch jener erste Start nach der Winterruhe konditionell gefördert haben sollte.

Ein weiteres Leckerli ist das 3. Rennen, in dem der hier am 5. Juli beeindruckend davon stampfende Captain Rob beweisen muss, dass dies keine Eintagsfliege gewesen ist. Bonaparte, Star Potential, Emma di Quattro und Rapido OK sind hoch dekorierte Brocken, die nicht so ohne weiteres vor dem niederländischen „Käpt’n“ kuschen werden.

Im 10. und letzten Rennen könnte Impulsiv mit dem zweifachen Fahrer-Weltmeister Heinz Wewering den intensiven Schlusspunkt unter den „Appetitanreger“ zur Derby-Woche setzen. Geht alles reibungslos vonstatten, ist es dann 16.00 Uhr. Früh genug, der fast mit jedem Tag ihr Gesicht verändernden deutschen Hauptstadt einen Besuch abseits der Rennbahn abzustatten, zu fachsimpeln oder sich ganz einfach auf den Samstag vorzubereiten, wenn es auf der Derbybahn um 13.20 Uhr erneut heißt: „Start frei zum 1. Rennen!“ Ab 12:45 Uhr wird dann hoffentlich vor zahlreichem Publikum am Winner-Circle die Begrüßung stattfinden und schon obligatorisch das „Blaue Band“ durchschnitten.

Diese Pferde sehen wir vorn:

1. Dimitri W Eden – Mister Rene – Trible Laser

2. Amiral de Retz – Venise des Lucas – Sumo Quick

3. Captain Rob – Rapido Ok – Emma di Quattro

4. Lotus Star – Oncoming Diamant – Dream Magic BE (Foto)

5. Rainbow Diamant – My Little Letty – Inglaise – Lulu’s Girl

6. Easy to Please – Adrian Cliv BR – Stan Libuda 

7. Mighty Hanover – Wirbelwind –   Velten Top Secret

8. N Cor Star – Sono IO – Ozon

9. Neuland – Twiga Bi – Eminent Frisia – Doctor Newport

10. Impulsiv – Yumiro – Give me Love 

Foto von Marius Schwarz