Vorläufe Deutsches Traber Derby Berlin-Mariendorf 2014: Bahn frei Richtung Derby!

 

…heißt es, seit 2010 die Vorläufe zum Traber-Derby eine Woche vor dem Blauen Band ausgetragen werden, stets am letzten Sonntag im Juli, an dem die Kandidaten den manchmal recht dornenreichen Weg Richtung Endlauf einschlagen müssen. 30 Kandidaten und eine Lady wollen an Lorbeerkranz, Siegerdecke, Blaues Band, den größten Teil des mit 235.530 Euro gefüllten Derby-Pokals und - für manch einen Besitzer vielleicht noch wichtiger - den Eintrag ins Buch der Derby-Geschichte. Vor diesen Preis haben die Ausschreibungsgötter den Schweiß gesetzt: Erstmals, seit das Derby in Vorläufen und Finale ausgetragen wird, nehmen am ersten August-Sonntag zwölf Gespanne das höchstdotierte deutsche Trabrennen in Angriff. Aus den vier Vorläufen, die sich wie ein roter Faden durchs Programm ziehen, kommen folglich die jeweils ersten Drei dorthin.

Weil die Traber sich gentlemanlike zu benehmen wissen, lassen sie der einzigen Stute, die es gegen die Jünglinge der Generation 2011 wagt, den Vortritt - allerdings nur, was den zeitlichen Ablauf betrifft: Stacelita, die Wunderstute aus Bayern, darf oder muss als Erste ran. Wer wie sie in den beiden wichtigsten Vorprüfungen, dem Adbell-Toddington-Rennen am 18. Mai und dem Buddenbrock-Rennen am 6. Juli, jeweils den Ehrenplatz nur knapp hinter dem Sieger herausgeholt hat, trägt natürlich im ersten der vier Ausscheidungsläufe, der als 2. Rennen um 13.24 Uhr angesetzt ist, die Favoritenbürde. Die Stute aus dem Erfolgsquartier von Josef Franzl, der den Derby-Triumph schon 2012 mit Dream Magic BE auskosten durfte, trifft auf einen Gegner, der hierzulande ein völlig unbeschriebenes Blatt ist. Aus seiner Wahlheimat Schweden bringt Ewald F Boko beste Referenzen mit. Auch wenn dessen letzter Auftritt abrupt mit einer Galoppade 200 Meter vorm Ziel endete, so schien der Hengst dort klar auf Siegkurs zu sein. Ewalds Trainer Conrad Lugauer, vor einem Jahrzehnt von Bayern nach Südschweden ausgewandert, strahlt gewaltigen Optimismus aus, Stacelita gehörig piesacken zu können.

In Vorlauf 2 (4. Rennen) werden die Herzen der Gastgeber auf Hochtouren laufen. Zwei Berliner Füchse wollen auf die richtige Derby-Fährte, wobei das Pendel klar zu Ganystar schwingt. Der Hengst des ambitionierten Großstalles Living Dream kennt nur gute bis exzellente Leistungen, war im Buddenbrock-Rennen die klare Nummer drei und ging dort wie diesmal mit der „1“ ins Rennen. Einer Nummer, die für Viele nicht ideal, für den unkomplizierten Blitzstarter aber sehr wohl die halbe Miete ist. Aus der geliebten Lage an der Spitze ist er eine Macht. Nicht ganz so stark kommt Nico Way daher, doch sollte Heinz Wewering, mit aktuell 16.733 Siegen weltweit die Nummer eins in seinem Gewerbe, in der Lage sein, ihn in den Endlauf zu bugsieren.

Auch in Vorlauf 3 (8. Rennen) hätte der 64jährige eine starke Waffe in der Hand, bläst der aus Schweden anreisende Elton Attack mal zur Attacke, wenn’s drauf ankommt. Bei den letzten drei Vorstellungen hat er da jedoch das Handtuch im Galopp geworfen. Viel solider sind Indover, mit dem sich das Berliner Kindl Marion Jauß den sehnlichen Wunsch nach einem Derbysieg erfüllen möchte, und Eugene F Boko.

Zum Auftakt die Königin, zum Kehraus „The King“: Nachdem er beide Vorprüfungen zwar knapp, aber letztlich sicher gegen Stacelita gewonnen hat, ist Expo Express der logische Favorit aufs 119. Blaue Band und somit auch die Nummer 1 des 10. Rennens. Marion Jauß hat mit SJs Sunday den nächsten Trumpf im Ärmel, den man im großen Finale der Zwölf noch einmal sehen sollte, und vielleicht langt es ja auch für einen der beiden Berliner Adrian Cliv BR und Latino Glass.

In memoriam Charlie Mills

Nach den „Jungspunden“ ist echter Männersport angesagt: In Erinnerung an den 1972 verstorbenen Charlie Mills, einen der ersten Weltbürger des Sports, dessen Ruf quer durch Europa bis in die USA gedrungen ist und der nicht nur, aber auch ein Berliner war, treten sieben gestandene Herren im Charlie-Mills-Memorial an, die an Rasse und Klasse nichts zu wünschen übrig lassen. Ein Wiedersehen gibt’s mit Derby-Sieger Dream Magic BE, der ansonsten in Frankreich seinem Hafererwerb nachgeht und von dort mit einem tollen Ehrenplatz anreist. Als der schwarzbraune Hengst 2012 zum Derby-Sieger gekürt wurde, stolperte King of the World noch mehr schlecht als recht durchs Traberleben. Inzwischen ist aus der grauen Maus von damals ein prächtiger Fuchs geworden, der mit Kampfgeist und Härte besticht, zwei Rennen in Vincennes, der ersten Adresse des Trabrennsports in Europa schlechthin, gewonnen und mit diesem doppelten Ritterschlag bewiesen hat, dass mit Geduld und Spucke auch ein später Einstieg ins Arbeitsleben zu Glanz und Gloria führen kann. Altgediente Kämpen wie Odessa Santana und Top of the Rocks werden einen äußerst schweren Stand gegen das 2009 zur Welt gekommene Duo haben, das im 12. Rennen zu bewundern ist.

Unsere Tipps:

  1. Dynamite Goal Ass – Lifetime Diamant – Torpedo As

  2. Stacelita – Ewald F Boko – Paymybills Diamant

  3. Rock About – Becky Dragon – Immosand – Compleet Well

  4. Ganystar – Hoogerland – Nico Way

  5. Spicy A – Magic Life Diamant – Bolero R.A.

  6. Vicky Corner  – Circleofmoments – Claudia

  7. Cash Heikant – Just like Heaven – Speedy Rapide

  8. Indover – Eugene F Boko – Ginger Heldia

  9. Shoemaker – Like that Diamant – Herana

10. Expo Express – Harry Bo – SJs Sunday

11. Roma de Vandel – Doktor Schulze – Trible Laser – Romanelli

12. Dream Magic BE – King of the World – Zorba Oldeson

13. Seedorf OM – Cardea – Lord of Troikas

14. Graf Bismarck – Floh G – Milow

Foto von Marius Schwarz: Arnold Mollema und der Hengst Expo Express