Von der Springreiterin zum 100prozentigen Friesenfan: Friesenhengst Geert und Friederike Wagner

 

Nie hätte ich gedacht, dass ich einmal Besitzerin und Reiterin eines Friesenhengstes sein würde – aber genau das bin ich geworden. Und ich habe niemals meine Entscheidung, den Friesenhengst “Geert” zu kaufen, auch nur eine Sekunde bereut.

Aufgewachsen bin ich in einem reiterlichen Umfeld, das ausschließlich auf die Springreiterei und die dazu passenden Springpferde fixiert war. Friesen waren für mich in dieser Zeit nur Fotos von exotischen schwarzen Pferden in Zeitschriften oder Kalendern.

Für mein Studium musste ich öfters die Universität wechseln. Und an jedem neuen Studienort suchte ich mir eine neue Reitbeteiligung. Ich hatte mich sehr mit den riesigen Springpferden angefreundet und über viele Studienorte verschiedene großrahmige Warmblutpferde aus Springlinien als Reitbeteiligungen lieb gewonnen. Mein letzter Studienort wurde Berlin: In der Hauptstadt angekommen suchte und fand ich wieder eine Reitbeteiligung - nur diesmal auf einem Friesenhengst. Unglaublich. Aufregend. Anders.

Aber vom ersten Augenblick, vom ersten Kontakt und bereits nach dem ersten gemeinsamen Ritt wusste ich: Diese Entscheidung ist richtig! Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Der Friesenhengst Geert würde mein Leben verändern.

Und das tat er in einem rasanten Tempo: Nur wenige Monate hat es gedauert, bis ich Geert kaufte. Das war 2006.

In diesem Jahr lernte ich auch die Friesenformation der “Ostsee-Quadrille” kennen und ritt meinen ersten Auftritt mit Geert bei einer Gala in Schönermark (Brandenburg) mit.   Ich war aufgeregt und wollte alles richtig machen. Deshalb kann ich mich auch noch sehr gut an die Bestärkung aus den Reihen der Quadrille-Reiter erinnern. Und vor allem an das Kompliment nach meinem ersten Auftritt: “Ich sei gar nicht aufgefallen”. Das klang im ersten Augenblick komisch, aber tatsächlich ist es das größte Kompliment, was einem Reiter in einer Gruppe gemacht werden kann, in der es um ein harmonisches Gesamtbild geht.

Dann ging alles sehr schnell: Ich merkte, dass mir Turniere nicht liegen und dass ich viel lieber mit der “Ostsee-Quadrille” weiter arbeiten und auftreten wollte.

Seit 2006 haben Geert und ich an fast allen Auftritten der Formation in ganz Deutschland und im europäischen Ausland teilgenommen.

Nicht immer lief alles fehlerlos, weder Geert noch ich sind Maschinen, die immer gleich gut funktionieren. Weil ich aber ein Perfektionist bin, habe ich mir immer alles so zu Herzen genommen, dass ich sogar einige Male ans Aufhören gedacht habe. Nach unserem ersten Auftritt bei der Gala “Andaluz –Das Festival der Königspferde” im Berliner Tempodrom beschloss ich, mit Geert nur noch auf seine geliebten Geländeausritte zu gehen.

An dieser Stelle machte sich die Gemeinschaft und Zusammenhalt der Quadrille bemerkbar. Ich wurde so gut bestärkt, dass der Auftritt am nächsten Tag schon viel besser lief und ich den Gedanken ans Aufhören wieder beiseiteschob.

In den folgenden Jahren habe ich mit Geert konsequent trainiert und gearbeitet. Unser Ziel war immer, alle Lektionen nicht einfach nur zu beherrschen, sondern sie locker, mit feinen Hilfen und mit einem zufriedenen Pferd zu reiten. Dafür haben wir uns nicht nur Hilfe in der klassischen Reitlehre, sondern auch bei einer bekannten Western-Trainerin geholt. Ein Nebeneffekt der Westernausbildung war, dass Geert der einzige Friese der Ostsee-Quadrille ist, der genauso gut auf Kandarre/Unterlegtrense seine Lektionen geht, wie er auch ein Roll-Back oder ansatzweise einen Spin zeigt.

Innerhalb der Formation hatten wir auch Soloauftritte mit zirzensischen Lektionen und der Arbeit am Halsring.

Im letzten Jahr fing Geert an, während der Show klemmig zu laufen. Leider wurde es nicht besser, sondern blieb alle Auftritte über so. Nun weiß ich, dass Geert Magenprobleme hat, die sich verstärken, wenn es aufregend wird. Deshalb habe ich beschlossen, auf ihn zu hören und ihn aus der Quadrille zu nehmen. Unseren letzten Auftritt hatten wir in Potsdam Sanssoucis zur Schlössernacht 2012. Es war eine wunderbare Zeit und ich bin sehr glücklich, bei der “Ostsee-Quadrille” mitgeritten zu sein.

Geert und ich werden so hoffentlich noch viele Jahre Mondschein-Ausritte und glückliche Dressurarbeit zusammen erleben dürfen!

Eins muss ich an dieser Stelle erwähnen, weil es eine sehr bemerkenswerte Qualität dieser besonderen Showgruppe ist. Ich habe als passionierte Radlerin keinen Führerschein und weder Auto noch Pferdehänger. Dennoch bin ich stets an alle erdenklichen Orte mitgekommen - weil es in der Ostsee-Quadrille eine ganz besondere Gemeinschaft und Aufmerksamkeit füreinander gibt. Wir sind über 40 Frauen (ein paar männliche Zeitgenossen sind auch unter uns) und der Umgang miteinander zeichnet uns aus. Zum Glück gibt es auch ohne Pferd immer genug zu tun, sodass ich weiterhin dabei sein kann. Danke dafür!

Porträt: Friesenhengst Geert

Besitzerin/Reiterin: Friederike Wagner (Berlin)

Steckbrief

Name: Geert El.

Geburtsdatum:                02.02.1994

Rasse: Friese

Geschlecht: Hengst

Vater: Oltman

VV: Tamme

Mutter: Natasja

MV: Tsjalling

Züchter: R. Elsinga, 8475 EK Nijeholtpade Nederland, 2. Prämie 1994

Ausbildung: L-Lektionen, Halsring, Langer Zügel, Freiheitsdressur, Zirzensik

Mitglied der Ostsee-Quadrille seit 2006

Einsätze in den Shownummern der Ostsee-Quadrille: 16er-Friesen-Dressur-Quadrille, “PS-Power-Quadrille” Autos und Friesen in Formation, “Eleganz in Schwarz und Weiß” 12er-Schwarz-Weiß-Quadrille, “Mitternacht – die magische Lichtshow”, Soloauftritte mit Zirzensik am Halsring

Wer die Friesen der Ostseequadrille live, in Farbe und zum Anfassen nah erleben möchte, kann dies bei der Magic Horse Gala am 24. August 2013 in der Max-Schmeling-Halle in Berlin-Prenzlauer Berg tun.

Karten gibt es HIER

Fotos von Osteequadrille ©