Voltigieren: Vampire in Wiesbaden

Das Schloss, die Menschen, Picknick-Stimmung und jede Menge Fans: die Voltigierwettbewerbe haben sich zu einem Publikums-Liebling des Internationalen Wiesbadener PfingstTurniers entwickelt. 2015 sind sie zum zehnten Mal dabei! Bei keiner anderen Pferdesport-Disziplin im Schlosspark jubeln besonders die jungen Pferdefans mit solcher Euphorie.

Für viele Fans ist gerade das Pas de Deux die Königin unter den Voltigier-Disziplinen. Mit künstlerischer Kreativität präsentieren die Pferdesport-Akrobaten ihre Küren – noch nie waren sie so ausgefeilt wie in diesem Jahr. Die Schlosspark-Sieger vom vergangenen Jahr, Pia Engelberty und Torben Jacobs, waren mit ihrer Vampir-Nummer am Start. „Letztes Jahr als Jane und Tarzan und jetzt als klassische Vampire – irgendwie hat uns das Düstere in der Darstellung gefallen“, erklärte Jacobs, nachdem er seine weiß glänzenden Vampir-Kontaktlinsen entfernt hatte. Das war ‚großes Kino’! Die Vampire, die Vize-Weltmeister von 2014, traten gegen Leonardo da Vinci und Mona Lisa, die Weltcup-Sieger 2015, an. Im wahren Leben heißen Leonardo und Mona Gera Grün und Justin van Gerven. Aber mit zwei sehr sicheren Vorstellungen mit höchstem Schwierigkeitsgrad verteidigten Engelberty und Jacobs ihren Schlosspark-Sieg.

Bei den Gruppen dominierten in beiden Umläufen die Voltigierer aus Frankreich, das Team Noroc. Beide deutschen Gruppen, Mainz-Laubenheim und Butzbach-Riedmühle, hatten im ersten Umlauf mit der Herausforderung ‚Schlosspark im Flutlicht’ zu kämpfen. Alle drei Gruppen steigerten sich am zweiten Tag, aber an beiden Tagen waren die Gäste aus Frankreich die sichersten und siegten. „Die Gruppe aus Frankreich hat mir sehr gut gefallen“, erklärte die deutsche Bundestrainerin Ulla Ramge, die absoluter Stammgast in Wiesbaden ist. „Sie haben eine sehr dynamische Kür mit guten Ideen und anspruchsvollen Abgängen gezeigt.“

Nach dreijähriger Turnierpause ist Daniel Kaiser zurück im internationalen Turniersport. Mit der Gesamtnote 8,372 aus beiden Umläufen siegte der Leipziger vor Miro Rengel mit 8,091. 2010 war er das letzte Mal im Schlosspark und hat sich lange auf seinen Start in Wiesbaden vorbereitet: „Während der Winterarbeit hatte ich immer dieses Schloss vor Augen.“ Eine gute und siegreiche Taktik!

Bei den Damen lag das Siegen fest in Schweizer Hand. Die Dritte von den Weltreiterspielen im vergangenen Jahr, Simone Jäiser, dominierte beide Umläufe mit deutlichem Abstand. Mit der Gesamtnote 8,106 siegte die 28-Jährige vor der Belgierin Sandra Tronchet mit 6,822.

„Wir hatten wieder tolle Starter, tolle Wettbewerbe und eine Wahnsinns-Stimmung“, schwärmte die Leiterin der Voltigier-Wettbewerbe, Claudia Iljaz. Für das nächste Jahr stellten Ramge und Iljaz eine kleine Änderung der Einzelwettbewerbe an. „Wir wollen eventuell die Küren von einer Minute auf eine Minute und 20 Sekunden verlängern – wie beim Weltcup“, erklärte Ramge, die schon seit Jahren in die Entwicklung der Voltigier-Wettbewerbe im Schlosspark eingebunden ist. „Dann haben die Zuschauer einfach mehr davon.“ Dann können die Wiesbadener Voltigier-Fans noch mehr genießen.

Bild: Mit Vampir-Kür zur Titelverteidigung: Pia Engelberty und Torben Jacobs.(Foto: WRFC/Toffi)