Voltigieren in Ermelo: Dreimal Silber für Deutschland - VV Ingelsberg, Franziska Peitzmeier und Tim Andrich

Ermelo (fn-press). Dreimal Silber für Deutschland: Das Team des Voltigiervereins Ingelsberg landete bei den ersten Junioren-Weltmeisterschaften in der Geschichte des Voltigiersports im niederländischen Ermelo auf dem zweiten Platz. In den Einzel-Prüfungen holten Franziska Peitzmeier (Langenberg) und Tim Andrich (Kleinmachnow) zwei weitere Silbermedaillen für die Mannschaft von Bundestrainerin Ulla Ramge und Disziplintrainer Kai Vorberg.

Nach der ersten Runde im niederländischen Pferdesportzentrum hatte sie noch in Führung gelegen. Im zweiten Durchgang blieb Franziska Peitzmeier zwar ohne Fehler, musste in der Endabrechnung jedoch Nicole Kirbisch den Vortritt lassen. Die Österreicherin gewann die Schlusskür und den zweiten Umlauf und sicherte sich mit 7,763 Punkten in der Totalen den Gesamtsieg. Peitzmeier, die mit ihrem Pferd Dorian Gray und Longenführerin Anna Brinkmann antrat, blieb mit 7,699 Zählern nur knapp dahinter. Ebenfalls hauchdünn war der Abstand auf Rang drei: Die Französin Manon Moutinho holte mit einer starken Kür auf, blieb aber insgesamt mit 7,638 Punkten hinter der Deutschen. Peitzmeier verpasste in Ermelo zwar den prestigeträchtigen Titel der ersten Junioren-Weltmeisterin. Für die 16-Jährige war ihre erste Championatsteilnahme dennoch ein großer Erfolg. Als DM-Achte hatte sie sich vor allem mit ihrer Pflichtstärke für eine WM-Teilnahme empfohlen. Doch der Fokus und die Medaillenhoffnungen lagen primär eigentlich bei den anderen deutschen Voltigiererinnen. Nachdem die Offenbacherin Chiara Congia im ersten Pflichtdurchgang patzte, ruhten die Hoffnungen auf Peitzmeier. Die junge Frau vom SC Blau-Weiß Ostenland hielt im Finale schließlich dem großen Druck stand – und turnte ihr Programm solide nach Hause. „Ich bin ganz ehrlich, mit diesem Ergebnis haben wir absolut nicht gerechnet. Es ist sehr beeindruckend, wie sich Franziska hier präsentiert hat“, sagte Disziplintrainer Kai Vorberg. Der Ex-Weltmeister lobte aber auch die beiden anderen deutschen Damen. Congia voltigierte auf dem Rücken von Celebration mit ihrer Longenführerin Alexandra Dietrich auf Platz fünf (7,449). „Für Chiara gab es eigentlich nichts mehr zu holen. Trotzdem hat sie unbeeindruckt von ihrer Traurigkeit durchgezogen und Bestleistungen abgefeuert, das hat mir sehr imponiert und bestätigt auch ihre Perspektive im Seniorenbereich“, sagte Vorberg. Sophia Stangl vom VV Ingelsberg beendete das U18-Championat mit Adlon (Longe: Alexander Hartl) auf dem starken sechsten Rang (7,432). „Mit einer Medaille hatte ich im Vorfeld gerechnet. Dass es Franzi am Ende geschafft hat, ist eine tolle Überraschung. Sie hat ihre Ausdrucksstärke voll ausgespielt und in vier Umläufen durchgezogen“, gab Ramge zu Protokoll.

Eine hervorragende Bilanz konnten auch die deutschen Herren einfahren. Platz zwei und vier stand nach vier Durchgängen in der neu gebauten „Amaliahal“ zu Buche. Glücklich darüber konnte vor allem Tim Andrich sein. Der 17-Jährige aus Kleinmachnow (Landesverband Berlin-Brandenburg) zeigte auch im letzten Umlauf keine Nerven und überzeugte mit einer schwierigen und exakt geturnten Kür, in der er den Hauptcharakter eines Computerspiels verkörpert. Der Lohn war Rang zwei in der Abschlusskür und ebenso Platz zwei in der Gesamtwertung. 7,54 Punkte hatte sich der Deutsche mit seinem Pferd Polan und Longenführerin Claudia Westerheide erarbeitet. „Auf Silber hatten wir im Vorfeld gehofft. Tim hat voll abgeliefert und sogar den Favoriten geschlagen“, kommentierte Ulla Ramge. Denn Lambert Leclezio aus Mauritius – im Vorfeld bereits als potenzieller Weltmeister gehandelt – landete mit 7,267 Punkten lediglich auf Rang drei. „Tim hat sein Programm hochprofessionell durchgezogen und ist mit seinem bewährten Team so nah an seine Bestleistung gekommen, wie man für eine Medaille kommen muss“, sagte Vorberg. Für eine Überraschung sorgte der Kolumbianer Juan Martin Clavijo. Der 15-Jährige gewann auch die Abschlusskür deutlich und siegte souverän mit 7,812 Punkten in der Endabrechnung. Platz vier sicherte sich Gregor Klehe vom VV Ingelsberg mit 7,189 Punkten. Mit Adlon und Longenführer Alexander Hartl verwies er den Amerikaner Colton Palmer und den Italiener Giovanni Bertolaso auf die weiteren Plätze.

Mit einer nahezu perfekten Runde beendete die Mannschaft aus Ingelsberg das globale Championat in den Niederlanden. Lediglich in einer einzigen Situation fehlte den Nachwuchssportlern die letzte Konzentration. Zwischen zwei Übungen rutschten gleich beide zu diesem Zeitpunkt auf dem Pferd turnenden Athleten ab und mussten den Pferderücken verlassen. Vierbeiner Lazio war für einen kurzen Moment leer – was sich am Ende deutlich in den Wertnoten widerspiegeln sollte. „Wir hatten Gold in der Hand und waren auch die stärkere Mannschaft, aber diese Unachtsamkeit war zu teuer und die Konkurrenz dafür zu stark“, verdeutlichte Ramge. „Ich hätte nicht gedacht, dass an dieser Stelle etwas passieren kann.“ Die Nationaltrainerin ist sicher: „Ohne den Sturz hätte es gereicht.“ Gleiche Einschätzung gab Trainer und Longenführer Alexander Hartl ab: „Mit einem Sturz ist man weg.“ Den Tages- und den Gesamtsieg sicherten sich die Österreicher vom Club 43, die in der Endabrechnung auf 7,682 Punkte kamen. Ingelsberg erreichte 7,629 Zähler, gefolgt von den Woodside Vaulters aus den USA (7,356) und den Gastgebern aus den Niederlanden (6,972).

Der Sieg im Pas-de-Deux-Wettbewerb, der ohne deutsche Beteiligung über die Bühne ging, ging an die USA. Damit konnten erstmals bei einem Voltigierchampionat Teilnehmer von drei Kontinenten das oberste Podium erreichen. „Für die Sportart war diese erste WM ein ganz großes Ereignis“, stellte Ulla Ramge fest. Dieser Ansicht ist auch Disziplintrainer Vorberg: „Die Ergebnisse zeigen, was diese Disziplin für die Zukunft für viele Verbände und Nationen bedeuten kann. Denn im Voltigieren besteht im Gegensatz zu den anderen Disziplinen die realistische Chance, über ein hohes Engagement relativ schnell zur Weltspitze aufzuschließen.“