Voltigieren EM Aachen 2015: Erstes Gold für Deutschland - Herren mit allen Medaillen für Deutschland

Als Shaolin-Mönch rast, rennt und tobt Jannis Drewell fassungslos mit der Deutschland-Fahne durch das Aachener Deutsche Bank Stadion. Bei seinem ersten Championatsstart hat der 24-Jährige EM-Gold gewonnen. Auch Silber und Bronze gehen an deutsche Voltigier-Herren: die Brüder Thomas und Viktor Brüsewitz.

„Ich hatte auf drei Medaillen bei den Herren gehofft“, erklärt die Bundestrainerin Ulla Ramge. „Wir wussten, dass es möglich war. Aber dass es jetzt tatsächlich so gekommen ist, über die vier Runden hier in Aachen, das ist unglaublich.“

Es war eine Entscheidung der letzten Sekunde. Als letzter Starter ging Jannis Drewell in der letzten EM-Wertung der Herren, in der Kür, an den Start. Nach drei von vier Wertungsprüfungen hatte er noch knapp auf dem zweiten Platz gelegen, hinter Kollege Thomas Brüsewitz. Aber seine Kürvorstellung als Shaolin-Mönch gab den Ausschlag. Drewell siegte in der Kür mit 8,732, überholte damit Thomas Brüsewitz in der Gesamtwertung und sicherte sich die Goldmedaille. Tränen flossen nicht nur bei dem überwältigten Sieger, sondern auch bei vielen Fans und Mutter und Longenführerin Simone Drewell. „Die Schärpe ziehe ich jetzt erst mal nicht mehr aus“, brachte Drewell immer noch fassungslos über die Lippen. Dass auch noch Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen persönlich zum Gratulieren im Deutsche Bank Stadion auftaucht war, hatte den Europameister ebenfalls tief beeindruckt. „In den vergangenen Jahren bin ich als vierter Mann immer knapp am Championat vorbeigerutscht. Seit einem Jahr bin ich Sportsoldat und kann jetzt jeden Tag trainieren. Ich glaube, das hat den Ausschlag gegeben, dass ich noch etwas besser geworden bin.“

Die drei deutschen Voltigier-Herren hatten sich in den Tagen von Aachen einen Schlagabtausch geliefert. Drewell hatte mit dem drittbesten Ergebnis im Pflichtprogramm die Europameisterschaft begonnen, war Zweiter im Techniktest und hat beide Kür-Wettbewerbe gewonnen. Thomas Brüsewitz war dreimal Zweiter und siegte im Techniktest, sein Bruder Viktor hatte in der Pflicht dominiert, war Vierter im ersten Kürwettbewerb und zweimal Dritter in der Technik und der zweiten Kür.

„Der ganze Wettbewerb war völlig verrückt – fantastisch!“, betonte der Silbermedaillengewinner Thomas Brüsewitz. Nach zwei Medaillen bei den Junioren sei das nun die erste ‚richtige’ Medaille für ihn. „Für uns hier in Aachen bei der Europameisterschaft zu starten, das war der Wahnsinn.“ Und sein Bruder, der Bronzesieger Viktor Brüsewitz, erklärte: „Nach der Pflicht war ich sehr zufrieden. Die hat nahezu perfekt geklappt, da war ich selber fast überrascht.“ In der Kür habe es leider nicht so hingehauen. „Deshalb wollte ich heute noch einmal zeigen, was ich kann. Da habe ich getan, so gut ich konnte.“

Kai Vorberg, der Disziplintrainer der deutschen Voltigierer, freute sich über ‚seine’ Herren und fügte hinzu: „Dieses Jahr hatten wir tatsächlich fünf bis sechs Anwärter für die Europameisterschaften. Und je stärker die Konkurrenz ist, umso besser wird man bekanntlich.“

Seit den Weltreiterspielen 2006 ist der Voltigiersport auch in Aachen zu Hause. Für die Europameisterschaften wurde extra ein Dach über das Deutsche Bank Stadion gebaut. Turnierleiter Frank Kemperman lächelte zufrieden: „Die Überdachung war teuer, aber richtig. Für den Finaltag morgen sind wir komplett ausverkauft.“

Foto von Aachen 2015/Michael Strauch: Den Siegern und ihren Longenführerinnen gratulieren Wolfgang Mainz, Mitglied des ALRV-Aufsichtsrats und Ingmar de Vos, Präsident der FEI