Vielseitigkeit : Vierfachsieg für Westfalen beim Bundesnachwuchschampionat in Warendorf 2014

Greta Busacker und Johanna Schulze Thier gewinnen Einzelwertung der "uvex-Trophy"

Warendorf (fn-press). Einen vierfachen Heimsieg feierten die Westfalen beim Bundesnachwuchschampionat Vielseitigkeit "uvex-Trophy" in Warendorf, einer kombinierten Prüfung aus Dressur, Springen, Vielseitigkeit, Theorie, Vormustern und einem Fitness-Test für die Reiter. Sie gewannen nicht nur die Mannschaftswertung in beiden Abteilungen, sondern stellten mit Johanna Schulze Thier aus Ascheberg (Ponys) und Greta Busacker aus Münster (Pferde) auch die Sieger der Einzelwertung.

Von Beginn an hatten die westfälischen Junioren in der Abteilung „Pferde“ die Nase vorn. „Es ist fast schon beängstigend“, sagte Mannschaftsführerin Jutta Briel schmunzelnd, nachdem ihre Reiterinnen bereits nach vier von sechs Teilprüfungen einen Vorsprung 17 Punkten herausgeritten hatten. Ihr Abschneiden verdankte das Quintett aber nicht nur seiner prominentesten Mitstreiterin Greta Busacker, die mit dem ehemaligen Olympiapferd FRH Butts Abraxas ihrer Mutter Ingrid Klimke an den Start ging. Auch Alina-Sophie Ritzhaupt mit Argentina, Alina Waldmann mit Candela Waluka, Carolin Cordes mit Cherry On Top und Lefke Bennemann mit Christobal lieferten durchweg Noten im oberen Siebener- und Achter-Bereich. Mit einem Endstand von 409,5 Punkten verwiesen sie schließlich die Mannschaft aus dem Rheinland mit 391,5 Punkten und die Hannoveraner mit 390,2 Punkten auf die Plätze.

In der Einzelwertung führte allerdings kein Weg an Greta Busacker und ihrem vierbeinigen Lehrmeister vorbei. Mit 141,8 Punkten landete sie vor dem Hannoveraner Fritz Ludwig Lübbeke (Wingst) mit Caramella (139,0) und Jasmin Hille (Jüterbog) vom Landesverband Berlin-Brandenburg mit Fashion Queen (138,2), die mit 9,3 die Note für ihren Geländeritt erzielte. „Das ist mal eine ganz andere Perspektive“, sagte Ingrid Klimke, die ihre Tochter als Groom begleitete und alle Hände voll zu tun hatte, dass Pony, Pferd und Tochter überall rechtzeitig am Start waren.

Denn neben „Braxxi“ sattelte Greta Busacker in Warendorf auch ihr Pony Nemo vom Purnitzgrund und gewann gemeinsam mit Lisa Zunder mit Rising Storm, Jule Ueffing mit Newsunny, Therese Schulze Wartenhorst mit Vize-Bundeschampion Pascal S.W., Johanna Schulze Thier mit Mondeo mit 404,90 Punkten die Mannschaftswertung vor Schleswig-Holstein (399,0) und dem Rheinland (393,40). Beinahe hätte es für die nicht ganz zwölfjährige Reiterin sogar zum Vierfachsieg gereicht. Doch Johanna Schulze Thier (13), im vergangenen Jahr bei der Goldenen Schärpe noch hinter ihrer Freundin, drehte in Warendorf den Spieß um. Groß war der Abstand der beiden zwar nicht, aber sowohl im Springen als auch im Gelände erzielte die Tochter von Monika Schnepper die etwas bessere Note. „Obwohl sie noch so jung ist, hat sie schon eine unglaubliche Übersicht beim Reiten, kann die Distanzen erkennen“, lobte Mannschaftsführerin Anna Schulze Zurmussen. „Eine fast perfekte Runde“ bestätigten ihr auch die Richter und vergaben für den Geländeritt die Höchstnote von 9,2. In dem erst siebenjährigen Mondeo hatte Johanna Schulze Thier dabei einen idealen Partner. „Das Pony ist sehr selbstbewusst, schlau und kann gut auf sich aufpassen. Das ist für mich als Mutter natürlich auch beruhigend“, sagte Monika Schnepper.

Nach allen sechs Teilprüfungen hatte Johanna Schulze Thier 142,1 Punkte auf dem Konto, Greta Busacker folgt mit 137,9. Auf dem dritten Platz landete mit 137,6 wie schon im Vorjahr Leonie Rieth (Meyn) vom Landesverband Schleswig-Holstein. Sie saß wieder im Sattel der Schimmelstute Maddox, mit der ihre ältere Schwester 2013 auch Deutsche Meisterin wurde, und erzielte mit der 9,2 das beste Ergebnis im Springen. Keine Note unter 8 brachte auch die Rheinländerin Antonia Baumgart (Düsseldorf) mit Turn up Trums nach Hause, für ihren Auftritt im Parcours gab es sogar die glatte 9,0. Mit 136,3 landete sie auf Platz vier.

„Es ist toll zu sehen, wie sich diese Prüfungsform hier entwickelt hat. Um unser Turniersystem werden wir inzwischen in der ganzen Welt beneidet“, sagte Martin Plewa, vor 25 Jahren der „Erfinder“ des Bundesnachwuchschampionats und jetzt wieder als Richter in Warendorf. Die Idee war es damals, eine Prüfung unterhalb der deutschen Meisterschaften zu schaffen, die alles abfragt, was einen vielseitigen Reiter auszeichnet – vom stilistisch guten Reiten über theoretische Kenntnisse bis hin zur Fähigkeit ein Pferd korrekt vorzumustern. Neu dazu gekommen ist seitdem auch ein Fitnesstest für die Reiter in Form von Laufen oder Schwimmen. „Wichtig war es, diese Prüfung auf Bundesebene anzubieten, um einen besonderen Anreiz zu bieten. Inzwischen gibt es aber in fast jedem Landesverband eine ähnliche Prüfung“, sagte Plewa. Wie gut das System ist, beweist ein Blick in die alten Unterlagen. Diese zeigen, dass fast alle jüngeren Topreiter über das Bundesnachwuchschampionat in den Sport eingestiegen sind. Prominenteste Beispiele sind der Multi-Champion Michael Jung und Sandra Auffarth, die beide früher einmal in Warendorf am Start waren.