Vielseitigkeit in Luhmühlen 2015: Ingrid Klimke gewinnt erstmals CCI4* in Deutschland

Erster Vier-Sterne-Sieg für Ingrid Klimke vor heimischem Publikum

Luhmühlen (fn-press). Ingrid Klimke aus Münster hat die internationale Vier-Sterne-Vielseitigkeit in Luhmühlen gewonnen. Es war ihr erster CCI4*-Sieg vor heimischem Publikum und gleichzeitig ein Jubiläumssieg, denn genau seit zehn Jahren wird in der Westgellerser Heide auf höchstem internationalen Niveau geritten.

Das Springen als dritte und letzte Teilprüfung hätte kaum spannender sei können, denn nach Dressur und Geländeritt trennte kein Abwurf die fünf führenden Paare. Und einer nach dem anderen kam fehlerfrei ins Ziel: zunächst die neuseeländische Vielseitigkeitslegende Sir Mark Todd mit NZB Campino (36,5/Platz fünf), der zweimalige Aachen-Gewinner Christopher Burton aus Australien mit Graf Liberty (36,4/Platz vier), Multi-Champion Michael Jung mit La Biosthetique Sam (34,2/Platz drei), die Neuseeländerin Jonelle Price mit Faerie Dianimo (32,8/Platz zwei) sowie als Letzte Ingrid Klimke mit ihrem Championatspferd FRH Escada JS. Auch sie machte keinen Fehler und beendete die Prüfung mit ihrem Dressurergebnis von 32,7 Minuspunkten auf Platz eins. Gecoacht und beruhigt wurde sie vom extra angereisten Ex-Bundestrainer der Springreiter, Kurt Gravemeier. „'Einatmen, ausatmen', hat Kurt zu mir gesagt“, berichtete Klimke schmunzelnd und ergänzte: „Gut, dass ich die Nerven von meinem Vater geerbt habe.“ Der Name Dr. Reiner Klimke ist im Übrigen – vor genau 56 Jahren - auch in der Liste ehemaliger Luhmühlen-Sieger zu finden.

Für die Reitmeisterin war es nicht nur der erste Vier-Sterne-Sieg in Luhmühlen, dank ihrer Spitzenplatzierung konnte sie auch ihre Führung in der FEI Classics Serie ausbauen. Gewertet werden dafür alle sechs Vier-Sterne-Prüfungen weltweit. Ingrid Klimke Erfolgsbilanz kann sich sehen lassen. Auf den Sieg im CCI4* Pau in Frankreich im vergangenen Jahr folgte im Mai 2015 ein zweiter Platz beim Vielseitigkeits-Klassiker in Badminton in Großbritannien – jeweils mit Horseware Hale Bob. Und nun der Triumph mit FRH Escada JS, für die Luhmühlen ein Heimspiel war. Die Hannoveraner Tochter des Embassy I ist ganz in der Nähe im Züchterstall von Jürgen Stuthmann geboren.

Grund zur Freude hatte auch der WM- und Olympia-Teamkollege von Klimke und Jung, Dirk Schrade (Sprockhövel). Als drittbester Deutscher rückte er dank einer Nullrunde mit Hop and Skip von Platz 13 in die Top Ten vor. Mit 44,4 Minuspunkten belegte er Platz acht vor Newcomer Niklas Bschorer (Dinkelsbühl) mit Tom Tom Go (44,7). Der 20-Jährige, der seit rund fünf Jahren in England lebt, drei Jahre lang bei Bundestrainer Chris Bartle trainierte und mittlerweile in Marlborough einen eigenen Vielseitigkeitsstall unterhält, belegte Platz neun. Im dritten Anlauf konnte er seine reiterlichen Fähigkeiten auf Vier-Sterne-Niveau gebührend unter Beweis stellen. Die beiden ersten Versuche - 2013 in Pau und Anfang des Jahres in Badminton - waren vorzeitig geendet. In Pau war sein Pferd erkrankt, in Badminton war die Airbagweste bei einem Rumpler im Wasser aufgegangen und hatte ein Weiterreiten verhindert. Jetzt bei seinem ersten Start in Deutschland – sieht man einmal von diversen Ponyprüfungen vor seiner England-Zeit ab – lief nun alles nach Plan. Zusammen mit dem 22-jährigen Claas Hermann Romeike (Nübbel), der seine Vier-Sterne-Premiere mit Cato auf Platz 19 beendete, gehört Bschorer zur kommenden Generation deutscher Vielseitigkeitsreiter. „Beide haben hier einen sehr guten Job gemacht. Natürlich fehlt ihnen noch Erfahrung, aber sie haben gezeigt, dass sie das Zeug dazu haben, einmal in die Fußstapfen unserer Topreiter zu treten“, sagte Bundestrainer Hans Melzer.

Bild: Ingrid Klimke (GER) auf FRH Escada JS (Eventing Photo/FEI)