VDT-Renntag mit überzeugenden Siegern

 


VDT-Renntag mit überzeugenden Siegern

 

Die drei Favoriten Chelsea Norton, My Winner und Donald Douglas geben sich keine Blöße

Meringo Star düpiert den „unschlagbaren“ Neandertal

 

„Neben dem Heinz-Mohr-Memorial“ hat sich der VDT-Renntag im Herbst mittlerweile fest etabliert“, strahlte Prof. Dr. Hansdieter Krzywanek, der Vorsitzende des ältesten deutschen Besitzervereins, über einen in der Tat gelungenen Mariendorfer Nachmittag. Und auch das wettende Publikum durfte zufrieden sein, denn in den zehn Prüfungen, von denen drei durch das VDT-Engagement kräftig im Preisgeld angehoben waren, setzten sich fast ausschließlich die Favoriten durch.

Obwohl es der erste brandheiße Tipp mächtig spannend machte: Die Stute Chelsea Norton war beim Rennen um den Amateur-Pokal des VDT mit Hans-Jürgen von Holdt im Sulky auf 11:10 heruntergewettet worden. Unmittelbar nach dem Start sah es zunächst optimal aus für das Gespann, das hinter dem führenden Zidane Flevo (André Pögel) sofort an die Innenkante gefunden hatte. Doch im weiteren Verlauf brachte Chelsea Norton ihre Anhängerschar kräftig ins Schwitzen, denn als Zidane Flevo und der außen drückende Babilo Bes im Schlussbogen die Pace auf 15,8 verschärften, konnte die Favoritin das Tempo einen Moment lang nicht mitgehen. Hans-Jürgen von Holdt musste sich schon mächtig rühren – und tatsächlich: Mitte der Zielgeraden packte Chelsea Norton wieder immens an. In einem atemberaubenden Finish stellte die damit nun fünfmal hintereinander siegreiche Stute ihre Konkurrenten unter Rekordverbesserung auf 17,6/1.900m genau auf der Linie. Nur ein kurzer Kopf trennte die Vierjährige von Babilo Bes und Zidane Flevo, die in der genannten Reihenfolge die Plätze zwei und drei  belegten.

Natürlich hatte von Holdt nach diesem Finishkrimi Blut geleckt, also gab sich der Bahrenfelder Amateur-Champion auch für das Rennen um den Mitglieder-Pokal des VDT sehr optimistisch: „Das größte Problem ist Othello Jaycees Startnummer eins. Aber wenn der Wallach die Anfangsphase gut übersteht, werden sich die Gegner warm anziehen müssen.“ Doch manchmal läuft es anders als geplant – die ersten Meter entwickelten sich für von Holdts Schützling zwar prächtig, denn Othello Jaycee fand umgehend an die dritte Stelle innen und hatte im weiteren Verlauf jederzeit genügend Freiraum. Doch als von Holdt ausgangs des letzten Bogens zum Angriff auf den führenden Donald Douglas und seinen Fahrer Ulrich Mommert ansetzen wollte, unterlief Othello Jaycee ein schwerer Fehler und der Wallach war damit aus der Partie.

Ganz anders präsentierte sich der bei 19:10 notierte Donald Douglas, der schon eingangs des ersten Bogens an die Spitze gestürmt war und das Rennen zu einer wahren „One-Horse-Show“ gestaltete. Der Wallach verdiente sich bei seinem überlegenen Drei-Längen-Sieg in 17,9/2.000m das Prädikat extraklasse und machte zugleich seinem Namensgeber, dem amerikanischen Flugzeugkonstrukteur Donald Douglas (1892 – 1981) alle Ehre. Denn der lediglich bei seinem ersten Lebensstart bezwungene und danach achtmal hintereinander erfolgreiche Dunkelbraune rauschte über die Mariendorfer Piste wie ein Düsenjet. Man darf gespannt sein, wie sich der vom Können her noch nicht einmal ansatzweise erfasste Traber, der aufgrund einer Chipentfernung lange pausiert hatte, in den kommenden Monaten verkaufen wird.

Die Tagesbestzeit von 15,2/2.020m lieferte allerdings ein anderer Topfavorit ab, der sich beim Rennen um den „117 Jahre VDT“-Pokal als 12:10-Tipp nicht die geringste Blöße gab: der Wallach My Winner, der erstmalig von Daniel Wagner gesteuert wurde. Dass die Prüfung aber nicht zu einem Schlaflied, sondern zum spannenden Top-Act wurde, war vor allem Marcello X und seinem Trainer Hannu Voutilainen zu verdanken. Denn nach einer längeren Durststrecke zog sich der 107:10-Außenseiter, der aus dem ersten Band heraus sofort in Front gestoßen war, diesmal großartig aus der Affäre. Obwohl der unterwegs an vierter Stelle außen optimal aufgehobene My Winner aus dem Schlussbogen heraus mit einer Zwölfer-Zwischenzeit ungeheuren Druck machte, wehrte sich Marcello X verbissen gegen die Niederlage. Erst hundertfünfzig Meter vor dem Ziel musste Voutilainen erkennen, dass der von Wagner nur aus der Hand heraus gefahrene My Winner nicht zu stoppen war.

Ein wahrer Leckerbissen war das Duell zwischen Meringo Star und Neandertal (Thorsten Tietz), das Daniel Goehrkes Schützling am Ende in 15,7/1.609m klar für sich entschied. Eine Runde vor dem Ziel hatte Meringo Star (42:10) das Kommando übernommen und sein auf 11:10 herunter gewetteter und für unschlagbar gehaltener Kontrahent begab sich prompt an seine Flanke. Unter Neandertals Dauerdruck kletterte die Pace Ende gegenüber auf 12,0 und der klare Totofavorit hatte sich schon eine Nüsternbreite Vorteil erarbeitet. Doch mit seinem riesigen Kämpferherz drehte Meringo Star den Spieß schon im Schlussbogen wieder um und war auf den letzten dreihundert Metern sogar sehr deutlich voraus. Mit der Stute Dynamic (27:10) gelang Daniel Goehrke nach ähnlich offensiven Verlauf ein weiterer Treffer. Die Fünfjährige wird ihrem in Schenkenberg beheimateten Stallteam noch viel Freude machen.

Dass ein Rennen erst auf der Zielgeraden entschieden wird, zeigte der Verlauf der von Whos smiling now und Thorsten Tietz gewonnenen fünften Tagesprüfung. Denn im Schlussbogen schien sich der führende Montero (Ferdinand Veit) vom Feld zu verabschieden – doch als es ernst wurde, war von dem Wallach nichts mehr zu sehen. Stattdessen löste sich die bei 13:10 klar favorisierte Whos smiling now mit jedem Schritt mehr von den Gegnern. Für Thorsten Tietz blieb dies nicht der einzige Sieg, denn der Sportler führte wenig später auch den endlich einmal wieder ohne Galoppaden über den Kurs gekommenen Zappadeo (55:10) auf die Ehrenrunde. Der Vierjährige hatte seinen Zweieinhalb-Längen-Sieg mit einem wuchtigen Vorstoß auf der Gegenseite eingeleitet.

Eine erneute Glanz-Gala sah man von den russischen Gästen, denn in ihren aktuellen Gewinnsummenklassen sind Ens Caviars Sun (Yuri Repin) und Sven (Alexandr Nesyaev) überhaupt nicht erfasst. Beide normalerweise in Moskau beheimateten Pferde agieren weiterhin, wie sie wollen. Ens Caviars Sun (11:10) übernahm sofort die Führung und hielt den gewiss nicht schlechten King of Swing (Thomas Heinzig) in 16,5/1.900m mit zwei Längen Vorsprung in Schach. Sein Stallgefährte Sven (14:10) machte es damit verglichen schon deutlich spannender. Denn im Einlauf ließ der Hengst die außen attackierende Herana (Benjamin Hagen) sogar für einen kurzen Moment vorbei, um dann am Ende dann doch sehr sicher mit einer halben Länge Vorsprung in 16,1/1.900m aufzutrumpfen.

Zu einer wirklich feinen Form hat der von Christian Zimmermann trainierte und gefahrene  Stalker gefunden, der in einem auf den Leib geschneiderten Handicaprennen obendrein als zweites Pferd an der Innenkante einen Traumverlauf vorfand. Im Schlussbogen leitete Christian Zimmermann den Angriff ein und sein achtjähriger Traber streckte sich willig. Doch auch die führende Mydoon (Sönke Gedaschko) gab sich nicht so leicht geschlagen und beide Pferde lieferten sich die gesamte Zielgerade herunter ein spannendes Gefecht. Erst mit den allerletzten Schritten erwies sich der bei 30:10 eingestufte Stalker dann doch als der Stärkere.

 

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

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Gesamtumsatz: 111.511,69 Euro – Bahnumsatz: 39.954,50 Euro – Außenumsatz: 71.557,19 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Montag, dem 17. Oktober ab 18.30 Uhr statt.