Trabrennen in Mariendorf: Gelungener Ausstand-Geglückter Einstand-Der Bronzehelm ein „Hunderter“

 

Es war so einiges drin an Emotionen an diesem Renntag, mit dem die Derbybahn das letzte Trimester der Saison einläutete. Zum Beispiel die Abschiedsparty des Adios Amor, der, obwohl noch blendend in Schuss und hoch motiviert, mit dem 87. Start den Ausstand einer Karriere gab, durch die sich von frühester Jugend der rote Siegesfaden zog. Auch als der nunmehr Zwölfjährige, der satzungsgemäß durchaus noch zwei Jahre hätte laufen können, in Schweden beim dortigen Champion Björn Goop auf Arbeit war, konnte er stets von sich behaupten: „Ich bin ein Berliner!“ - nämlich im Besitz der Familie Salomon, die ihn als jungen Hüpfer erwarb. Es war ein Rückzug ins Rentnerleben, bei dem er überhaupt nicht leise „Servus“ sagte, sondern es noch einmal richtig krachen ließ. Das, was ihn zu seinen Glanzzeiten stets ausgezeichnet hat - Trabsicherheit mit unerhörter Kampfkraft, die er von seinem Vater Pik König geerbt zu haben scheint -, war das Pfund, mit dem der Wallach unter Anleitung von Dennis Spangenberg noch einmal kräftig wucherte und sich in einem tollen Finish Top-Favoritin Herana kurz vor der Linie griff. Es war sein 27. Volltreffer, der ihm 1.200 Euro für die Rentenkasse bescherte, die mit 41.721 Euro recht gut gefüllt ist. Der Totalisator honorierte das so nicht erwartete „Adieu“ mit einer Siegquote von 193:10 - kurioserweise der höchsten, zu der er je im Winner Circle aufgekreuzt ist.

Der Eine ging, eine Andere betrat die sportliche Bühne mit Pauken und Trompeten: Altesse Royale. Wie es ihrem Namen „Königliche Hoheit“ geziemt, degradierte die Dreijährige, vor zwei Jahren auf der Derby-Jährlingsauktion für 6.000 Euro unter den Hammer gekommen, bei ihrem Debüt die acht Gegner zum geduldeten Fußvolk und bescherte ihrem Steuermann den ersten Sieg in Deutschland. Steve Krüger, 45jähriger Sohn von Altmeister und Weltenbummler Gerhard Krüger, chauffierte die Dreijährige für seine Eltern als „Ersatzmann“ des in München weilenden Maik Esper zum Erfolg. Weniger Glück hatte der Italiener bei seinen übrigen beiden Auftritten unter anderem mit Chatain, einem weiteren „Familienpferd“, das als Dritter dennoch alles andere als eine schlechte Figur abgab.

Ziemlich „Neese“ bei seinem Comeback war dagegen Altmeister Peter Kwiet, der weder mit Salvegiacomo noch King of Swing Akzente zu setzen vermochte und bei enormen 4.358 Siegen festgeschrieben bleibt - vorerst jedenfalls. Er musste das Feld Jüngeren überlassen: Michael Nimczyk machte auf dem Weg zum deutschen Fahrerchampionat mit dem zweiten seiner beiden Volltreffer dank des praktischen Abaton die runde „100“ an Saisonsiegen voll, nachdem er im 1. Rennen mit der debütierenden Lady Florence nicht minder souverän gepunktet hatte.

Auch Thorsten Tietz, der Mann mit dem silbernen Kopfschutz, stellte sich zweimal bei den Honoratioren vor: Während Harry’s Bar wieder einmal in einer anderen Liga spielte und als Tipp des Tages für ganze 10 Prozent Rendite zuschlug, bedurfte es wenig später schon mehr taktischen Geschicks des 35jährigen, um Not to Bi gegen San Siro BR und besagten Chatain als Ersten an die magische Linie zu bugsieren.

Dass es sich durchaus lohnen kann, auch mal auf Außenseiter zu setzen, wurde zum Ende des Programms deutlich, denn neben Adios Amor schafften auch Antonius mit dem talentierten Nachwuchsmann Marcel Gaedicke und als „Rausschmeißer“ die Dänin Smokie Juvel mit Pierre Bubbers Siege, bei denen die Quoten mit 191 bzw. 325:10 im dreistelligen Bereich lagen. Mehr oder weniger in Favoritenhand blieben dagegen die drei Amateurfahren: Imperia (21:10) und Franz-Josef Stamer mussten hart kämpfen, um Dynamite Goal Ass in Schach zu halten, Elia Ventury (55:10) zog mit Routinier Werner Schnieder den Kontrahenten weit voraus des Fell über die Ohren, und Thomas Maassen nahm mit Blumenmann (25:10) trotz eines Startrumplers die Blumen für den Sieger in den Westen mit.

Umsatz: 92.588,30 Euro (inkl. 68.224,30 Euro Außenumsatz)

Nächster Renntag in Mariendorf: Sonntag, 15. September, Beginn 13.30 Uhr