Trabrennen in der Hauptstadt: Mariendorf freut sich auf ein Rennsport-Fest

An dem erstklassig besetzten Zwölf-Rennen-Programm nimmt neben der kompletten deutschen Fahrer-Elite auch der französische Spitzenprofi Pierre Vercruysse teil

Volle Felder, pralle Gelder: Für die Teilnehmer der zwölf Prüfungen geht es inklusive Züchterprämie um 83.600 Euro Dotation. Das Top-Programm wird von zahlreichen Wett-Highlights begleitet: Jackpots und Garantieauszahlungen summieren sich auf 43.500 Euro. Die Derby-Bahn begrüßt einen illustren Gast: Der Weltklasse-Fahrer Pierre Vercruysse geht zum ersten Mal in Berlin an den Start.  

Berlin-Mariendorf, 1. November 2015 (Erstes Rennen um 15.05 Uhr).

Den Monat November verbindet man meist mit einem tristen und nassen Schmuddelwetter. Doch wenn die Sulky-Elite in der deutschen Hauptstadt an den Start geht, scheint das absolute Gegenteil einzutreten. Das war genau vor einem Jahr bei der Breeders Crown der Fall und das wird auch an diesem Sonntag so sein, denn die Regenwahrscheinlichkeit liegt bei null Prozent. Der Vergnügungsfaktor beträgt dagegen 100 Prozent. Nicht nur weil Pierre Vercruysse (Foto)  – einer der besten Fahrer des Kontinents – erstmalig seine Visitenkarte in Berlin abgeben wird, sondern weil sich hochklassiger Sport gepaart mit exklusiven Wettangeboten – als Beispiel sei hier die mit 10.000 Euro Garantieauszahlung ausgestattete V5 genannt – wie ein roter Faden durch die zwölf Rennen umfassende Veranstaltung zieht.

Die Teilnehmerfelder sind qualitativ und quantitativ so stark besetzt, dass es selbst Vercruysse, der in der Saison 2014 bei seinen Starts im Heimatland Frankreich gigantische 3,7 Millionen Euro Preisgeld erzielt hat, schwerfallen wird, einen seiner Schützlinge in den Winner-Circle zu führen. Denn über einen unschlagbaren  Topfavoriten verfügt der 52 Jahre alte Spitzenprofi bei seinen neun Fahrten nicht. Aber genau dies ist zugleich seine große Stärke: Denn während für die meisten seiner Kollegen auf der Nobelpiste in Vincennes immer nur der Sieg und sonst gar nichts zählt und so mancher chancenreicher Platzgeldkandidat mit einer viel zu offensiven Taktik „versenkt“ wird, weiß Vercruysse die Leistungsgrenzen der ihm anvertrauten Pferde sehr genau einzuschätzen. Und er hält sich als Catchfahrer zudem strikt an die taktische Order der Trainer und setzt sich nicht mit aller Gewalt über deren Erfahrungsschatz hinweg. Man darf also gespannt sein, welche Ausbeute ihm insbesondere mit Außenseitern gelingt.

Da der zweite Teil der Mariendorfer Veranstaltung live nach Frankreich übertragen wird, erfolgt der Start der Auftaktprüfung einen Tick später als sonst – nämlich um 15.05 Uhr. Die aus Igor Bo (Rudolf Haller) und Peron Viking (Josef Franzl) bestehende bayerische Streitmacht trifft hier auf Give me Love (Heinz Wewering), Hera (Thomas Panschow) und Dania Hornline (Benjamin Hagen). Im 2. Rennen, das ebenso wie die vierte, siebente und zehnte Tagesprüfung mit 6.500 Euro Garantie inklusive 1.500 Euro Jackpot ausgestattet ist, gibt es bereits den ersten waschechten Rennsport-Gipfel, denn Nileo (Josef Franzl), Dulco di Quattro (Tim Schwarma), Honeybee (Victor Gentz); It’s Amazing (Roman Matzky) und der wiedererstarkte VanHalen (Michael Nimczyk) sind allesamt formidable Traber. Pierre Vercruysse steuert – wie auch mehrfach im weiten Verlauf der Veranstaltung – ein Pferd aus dem Lot von Thorsten Tietz, der sich im Vorfeld gemeinsam mit dem Rennverein mächtig ins Zeug gelegt hat, um den Berlin-Besuch des Franzosen zu ermöglichen. Nämlich Not to Bi, für den es allerdings recht schwer wird.

Doch nicht nur der engagierte Einsatz des Berliner Champions ist zu würdigen, sondern der Rennverein freut sich sehr über eines seiner Mitglieder: Johann Eibl ließ sich nicht lumpen und griff für die Finanzierung der nach ihm benannten dritten Tagesprüfung – einem aus den Bändern gestarteten und über die Strecke von 2.000 Metern führenden Amateurfahren – tief in die eigene Tasche. Die stolze Summe von 5.000 Euro kam so zusammen und das lockt natürlich Cracks an den Start. Zwei Pferde stechen trotz ihrer Zulagen meilenweit heraus: Dimitri W Eden läuft in der Form seines Lebens und ist in der Hand von Sarah Kube bei drei gemeinsamen Einsätzen bisher ungeschlagen. Sein großer Gegenspieler ist der von Christoph Pellander gesteuerte Samir, dessen Können unbestritten ist.

Im 4. Rennen tritt Pininfarina an, der in der Hand von Thorsten Tietz glatt als Tipp des Tages durchgeht. Ganz anders sieht die Situation eine halbe Stunde später aus. Denn der mit 15.000 Euro dotierte Hauptlauf der Marathon-Serie 1 ist nicht nur unglaublich stark besetzt, sondern total offen. Da hier die V5 mit der bereits erwähnten 10.000-Euro-Garantie beginnt, ist es natürlich ungemein wichtig, das richtige Pferd auf dem Wettschein zu erwischen. Doch wer ist es? Sicherlich – Ginger Heldia (Michael Nimczyk) ist eine Macht, sein Breeders-Crown-Triumph war imposant. Doch der an der 2.500-Meter-Grundmarke aufgestellte Fuchshengst hat zuvor noch nie einen Bänderstart bestritten und seine Bandgenossen Louisdor (Thorsten Tietz), Star Potential (Dennis Spangenberg), Ciao Amore (Pierre Vercruysse), Jamil Cortina (Robbin Bot) und Medusa (Thomas Panschow) sind allesamt nicht von Pappe. Ganz zu schweigen von den beiden Kalibern, die zwanzig Meter hinter diesen Pferden aufgestellt sind: nämlich Greenspan (Victor Gentz) und Stacelita (Josef Franzl).

Mit dem 6. Rennen beginnen die in das Liveprogramm der PMU übernommenen Prüfungen. Das französische Publikum wird hier ganz besonders auf Pierre Vercruysse und Twiga Bi schauen. Die Stute muss ihre letzte Leistung aber erst einmal bestätigen, was gegen den frischen Doppelsieger Rossini Diamant (Josef Franzl) und Femke Schermer (Jan van Dooyeweerd) nicht einfach wird. Im 7. Rennen folgt ein festes Bankpferd für die V5, denn trotz seiner Startposition 13 in der zweiten Reihe ist eine Niederlage von Big Thunder (Thorsten Tietz) kaum vorstellbar. Ganz anders gestaltet sich das 8. Rennen mit der Vierer-Garantie in Höhe von 5.000 Euro. Dort gibt es eine breite Phalanx von Siegkandidaten: Onmyknees Diamant (Detlef Fleischer), Beautiful Girl (Victor Gentz), Merana (Josef Franzl), Halliwell (Michael Nimczyk), Janus R.A. (Thomas Panschow) und Vico (Katherina Kramer) sind nahezu chancengleich. Das 9. Rennen – Abschluss der V5 und zugleich Auftakt der Daily Double  – ist für das wettende Publikum ebenfalls eine harte Nuss, denn der tschechische Gast Jos (Zdenek Skobis) ist gegen die aus einer langen Pause zurückkehrende Tricolore (Dennis Spangenberg) und eine ganze Reihe weiterer gefährlicher Gegner längst nicht zuhause.

Die zehnte Tagesprüfung – das über 3.100 Meter führende Champions-Rennen um 10.000 Euro Preisgeld – weist ein erlesenes Teilnehmerfeld auf. Indio Corner (Josef Franzl) ist derzeit nahezu unbezwingbar. Oncoming Diamant (Detlef Fleischer) kehrte von seinem Gastspiel in der Krieau als heldenhafter Sieger des mit 30.000 Euro dotierten 116. Graf Kalman Hunyady-Gedenkrennens zurück. Andrew Dragon (Dennis Spanberg) fegte zuletzt in 13-er Zeit um die Bahn und Charming Oreau (Alle Loman) trommelte sogar sensationelle 1:12,4 min. auf die Derby-Piste. Die Stute verfehlte den Mariendorfer Saisonrekord nur knapp. Man darf sich also auf einen packenden Finish-Krimi freuen. Und auch in den beiden Abschlussprüfungen wird es spannend, denn die Favoriten Venise des Lucas (11. Rennen / Heinz Wewering) und Harry Bo (12. Rennen / Josef Franzl) stehen nicht so glasklar über ihren Konkurrenten, dass saftige Überraschungen auszuschließen sind.    

Unsere Tipps:

1. Igor Bo – Peron Viking – Give me Love

2. Nileo – Dulco di Quattro – Honeybee

3. Dimitri W Eden – Samir – Omero Bi – I Walk The Line     

4. Pininfarina – Jilliane – No Name

5. Ginger Heldia – Louisdor – Star Potential

6. Rossini Diamant – Twiga Bi  – Femke Schermer

7. Big Thunder – Esly Hall  – Sultana Jet   

8. Onmyknees Diamant – Beautiful Girl – Merana – Halliwell 

9. Jos – Tricolore – Bella Rubina

10. Oncoming Diamant – Indio Corner – Andrew Dragon

11. Venise des Lucas – Ukamaya Verderie – Pelicano Quick

12. Harry Bo – Mister Rene – Super Evelyn

Foto von Marius Schwarz