Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Vorbericht für den Renntag am 07. Februar 2015

 

„SATURDAY LUNCH FEVER“ AUF DER DERBYBAHN

„Sonntags nie…“ galt einst für die lebenslustige Ilya alias Melina Mercouri, leicht abgewandelt „Samstags nie“ hieß es bislang für den Mariendorfer Trabrennverein. War doch dieser Tag, abgesehen von Ausnahmen zum Derby- und Breeders-Crown-Meeting, bislang frei von Rennveranstaltungen.

Alte Traditionen werden über Bord geworfen, zumindest was die Derbybahn betrifft, die somit flexibler als das „Mädchen aus Piräus“ ist. Früh muss sich allerdings üben, wer ein erfolgreicher Wetter werden will, denn das Acht-Rennen-Programm beginnt zur besten Lunchzeit bereits um 11.00 Uhr. Wer den Experten-Talk nicht versäumen möchte, tut gut daran, um 10.15 Uhr am Ball zu sein.

Grund für den ungewöhnlichen Termin ist die forcierte Zusammenarbeit mit der französischen Wettorganisation PMU, die vier Rennen nach Frankreich überträgt und die dortigen Rennsportfreunde animieren will, ihre Wetten auch auf deutsche Pferde zu platzieren. Bei der Kooperation, die bislang für beide Seiten Früchte getragen hat, erwartet die Turfgemeinde neben erhöhten Rennpreisen in den vier sogenannten PMU-Rennen und dem gewohnten Garantieauszahlungs- und Jackpot-Festival ein bunter Renn-Strauß voller gepfefferter Spannung.

Vielleicht nicht so sehr im 6. Rennen, nach dem sich Harry’s Bar bzw. sein zweibeiniges Umfeld zum 24. Mal in dessen famoser Karriere den Sieges-Champus schmecken lassen sollte. In seinem Wohnzimmer Mariendorf ist Harry eine Macht, den Bänderstart kann der Lokalmatador inzwischen aus dem Effeff, genügend Puste für den mit 2500 Metern etwas längeren Weg hat er gerade erst bewiesen, und Andrew Dragon, ein ausgesprochenes Marathon-Pferd, muss mit ihm vom gleichen Start loslegen. Das sollte für Harry machbar sein, der eher auf ein Duo Obacht geben muss, das 20 Meter vor ihm eindreht. Zwar hat sich Damalia gerade erst in Vincennes eine mächtige Brüsche geholt, doch hat die Stute des in Tschechien arbeitenden Niederländers Alle Loman bei ihren bisherigen Engagements auf der Derbybahn stets prächtige Visitenkarten abgegeben. Und dann ist da noch New Generation, der seit der Rückkehr zu Heinz Wewering nur gute Leistungen kennt und bis zur Ziellinie kämpft wie ein Löwe.

Vor diesem Schmankerl für die sportlich beste Klasse stehen als Appetithappen einige heiße Duelle ins Haus. Schon der Auftakt hat es in sich. Wer ist besser - Spicy A. oder Sandro HS? Normalerweise eine Frage, die klar zu Gunsten des feurigen Schweden-Wallachs beantwortet wird. Doch auch Sandro HS ist aktueller Sieger, und am 17. August hatte er Spicy A. trotz des anspruchsvolleren Verlaufs schon einmal mächtig am Wickel. Geht im 3. Rennen nichts über Good man, so riecht’s in der 4. Prüfung nach einem messerscharfen Duell zweier frischer Sieger, die für die untere Gewinnklasse nicht alltägliche Galas aufs hiesige Tapet gezaubert haben. Evita Viking war mit Österreichs Champion Gerhard Mayr bei ihrer allerersten Ausfahrt eine wahre Macht und zog vorneweg genauso einsam ihre Kreise wie Vincent Mo mit Deutschlands Goldhelm Michael Nimczyk.

Nicht minder Kerniges wird im 7. Rennen geboten. Rosenstolz hat oft genug bewiesen, dass ihre anfängliche Aversion gegen die Berliner Bahnen purer Freude gewichen ist. Auch sie verlor zuletzt ihre Gegner, doch steht ihr heute ein solcher von enormem Format gegenüber: Let’s win. Der braune Hengst, ein Kämpfer vor dem Herrn, macht seinem Namen alle Ehre. Hochtourig dürfte es auch beim „Absacker“ zugehen, in dem die derzeit in der deutschen Amateurrangliste führende Sarah Kube mit dem seit drei Rennen unbezwungenen Lantino auf einen kleinen Italiener namens Rayman trifft, mit dem Andre Pögel sicher nicht von vornherein die Flinte ins Korn wirft.

Foto von Marius Schwarz: Die 5jährige Stute Evita Viking mit Gerhard Mayr beim Mariendorfer Sieg am 14. Januar 2015