Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Und immer wieder Jörg Hafer

Der Deutsche Amateur-Champion gewinnt zum dritten Mal das Fritz-Brandt-Rennen: diesmal mit der Stute Smokie Juvel.

Berlin-Mariendorf, 3. April 2015.

Jörg Hafer vor Dr. Marie Lindinger: So lautete die Rangfolge in der bundesdeutschen Amateurfahrer-Championatswertung der Saison 2014 und diese Hierarchie war offenbar für das Fritz-Brandt-Rennen 2015 so etwas wie ein Omen. Denn es waren am Ende tatsächlich diese beiden Spitzenamateure, die im Finale des großen Berliner Klassikers, der bereits 1933 das erste Mal ausgetragen wurde, die entscheidenden Rollen spielten.

Wobei es lange Zeit eigentlich gar nicht danach ausgesehen hatte. Denn während Jörg Hafer der Seriensiegerin Smokie Juvel von der 2.000-Meter Grundmarke aus einen blendenden Start serviert hatte und die Siebenjährige sofort an zweiter Position auszumachen war, fand der ohnehin schon durch zwanzig Meter Zulage gehandicapte Lindinger-Schützling Let’s Win beim Bänderstart alles andere als optimal auf die Beine und folgte den anderen elf Teilnehmer zunächst als Schlusslicht. Vorne machte aber erst einmal Grace (Sarah Kube) die Musik. Die Stute legte mit 13,5 und 14,1 stramme Zwischenzeiten vor. Nur zu Beginn der Gegenseite, als sich It’s Amazing (Linda Matzky) in der Außenspur an die dritte Stelle voran gearbeitet hatte, wurde die Pace ein wenig ruhiger. Doch dann schritt Jörg Hafer zur Tat: Der Deutsche Amateur-Champion machte schon kurz vor dem Schlussbogen ein mächtiges Fass aus und es war sofort erkennbar, dass Grace nicht Paroli bieten konnte. Erst in dieser Phase setzten sich nun auch Dr. Marie Lindinger und Let’s Win, die sich fast unbemerkt herangepirscht hatten, besser in Szene.

Die Zielgerade erreichte Smokie Juvel mit einem deutlichen Vorteil, doch als Let’s Win seinen gefürchteten Speed mobilisierte, schien es für einen Moment durchaus spannend zu werden. Der sich im Sulky mächtig rührende Jörg Hafer hatte die Lunte aber rechtzeitig gerochen und Smokie Juvel ließ sich in der Kilometerzeit von 1:14,7 min. die Butter nicht mehr vom Brot nehmen. Let’s Win blieb mit einer Länge Rückstand klarer Zweiter. It’s Amazing folgte zwar schon deutlich zurück, bescherte mit seinem dritten Rang aber der erst 16-jährigen Linda Matzky – der aktuell jüngsten Trabrennfahrerin Deutschlands – einen großartigen Achtungserfolg. Weitere zwei Längen dahinter kämpfte sich Windtalker (Fred Handelaar) für das vierte Geld hauchdünn an Grace vorbei, die für ihre anfängliche Führungsarbeit zwar nicht belohnt wurde, aber immerhin die restlichen Teilnehmer auf Distanz hielt.

Jörg Hafer (Foto) feierte mit diesem Erfolg nach 2010 (Bronco Be) und 2013 (Pretty Ripped) bereits den dritten Triumph beim Fritz-Brandt-Rennen. Der 55-Jährige wurde den wie stets hohen Erwartungen an seine Person obendrein auch in den Vorläufen gerecht. Seine Siege mit Smokie Juvel und mit Windtalker sprachen hier ein deutliches Wort und sogar seinen dritten Schützling, nämlich Hallo again, der hinter Honeybee (Heinrich Gentz) und Spicy A. (André Pögel) Rang drei im Vorlauf belegte, brachte der Topfahrer ins Finale. Der vierte und letzte Vorlauf ging an Linda Matzky und It’s Amazing, die sich bei der anschließenden Siegerehrung über eine gewaltige Zuschauerkulisse freuen durften. Es war unübersehbar, dass das Mariendorfer Publikum der jungen Fahrerin und ihrer zwei Jahren älteren Schwester Marlene, die übrigens beide am Ostersonntag in zwei Beiträgen des Fernsehsenders rbb – nämlich der „Abendschau“ und im „Sportplatz“ – im Mittelpunkt stehen werden, viele Sympathien entgegenbringt. Das ist kein Wunder – denn die jugendliche Begeisterung, mit der die beiden Schwestern an den Trabrennsport herangehen, muss einen einfach mitreißen!

Begeisterung – das ist zugleich das Stichwort zu dem vorzüglichen Rahmenprogramm des Fritz-Brandt-Renntages. Denn am Karfreitag fanden sich viele erstklassige Traber und Fahrer im Mariendorfer Winnercircle ein. Thorsten Tietz punktete mit dem imponierenden Cash Hanover, der in bärenstarken 14,5/1.900m vom letzten Platz aus am gesamten Feld vorbeirannte. Mit Joint Eden ging Berlins Champion dagegen sehr offensiv zur Sache und übernahm schon vor den Tribünen die Spitze. Im Sulky von Louisdor wäre Tietz dann beinahe sogar ein lupenreiner Hattrick gelungen, doch der bei seinem Saisondebüt auf Anhieb großartige Montecore Mo und sein Trainer Michael Larsen sprinteten in der Tagesbestzeit von 13,9/1.900m erfolgreich vorbei. Nicht weniger beeindruckend fiel der 400. Fahrersieg von André Pögel aus: New Generation ist in der Hand des Amateurs weiterhin ungeschlagen. Und auch Garry bleibt mit Ronja Walter strikt auf dem Siegkurs und war beim Trabreiten eine Macht.

Gesamtumsatz: 155.353,49 Euro - Bahnumsatz: 52.066,50 Euro - Außenumsatz: 103.286,99  Euro.

Foto von Marius Schwarz