Trabrennen in Berlin - Mariendorf: Thorsten Tietz musste zittern, Dion Tesselaar lehnte sich zurück

Foto von Marius Schwarz: Der Niederänder Dion Tesselaar gemeinsam mit dem Bahneigentümer Ulrich Mommert und dem Mariendorfer Geschäftsführer Andreas Haase (von links) bei der Ehrung von Gilda Newport, der Siegerin des Buddenbrock-Stutenlaufs

Berlins Sulky-Champion gewinnt den Buddenbrock-Lauf der Hengste und Wallache mit Geronimo T nach einem Finish-Thriller. Für seinen niederländischen Berufskollegen fällt der Sieg mit Gilda Newport im Stuten-Pendant dagegen völlig überlegen aus. Einige weitere bärenstarke Dreijährige beherrschen das Rahmenprogramm.

Es war die große Generalprobe für das 121. Deutsche Traber-Derby! Am Sonntag fanden in Mariendorf die beiden mit jeweils 20.000 Euro Preisgeld dotierten und nach den Geschlechtern der Pferde getrennten Läufe des Buddenbrock-Rennens statt. Am Ende der Veranstaltung gab es ein klares Resümee zu ziehen: Dieser Tag hatte es wahrlich in sich – nicht nur, was die zum Teil sensationellen Leistungen der Derby-Anwärter, sondern auch was das geradezu dramatische Renngeschehen betraf. Vor allem der Lauf der Hengste und Wallache hatte es in sich: Zwischen dem sofort in Front geschossenen Dreambreaker (Michael Nimczyk) und dem vom Fleck weg stets in seinem Windschatten lauernden Geronimo T (Thorsten Tietz) entwickelte sich ein packendes Finish, dass der von Hans Joachim Tipke trainierte Geronimo T in 14,5/1.900m mit dem allerletzten Schritt für sich entschied. Doch damit war das Menü für den Berliner Champion längst nicht gegessen. Denn Tietz musste nach der Zieldurchfahrt eine über zehnminütige Überprüfung durch die Rennleitungabwarten, bis das Resultat offiziell war.

Der Hintergrund: Ausgangs des letzten Bogens war es zu einer haarigen Situation gekommen, an der Geronimo T und der Torbjörn Jansson anvertraute Comanche Moon beteiligt waren. Der in Schweden trainierte Hengst brach unvermittelt nach außen weg und machte dadurch die zweite Spur frei. Tietz stieß mit Geronimo T in die entstandene Lücke, doch Comanche Moon zog nur Sekundenbruchteile später wieder nach innen. Die Wagenräder touchierten und der mächtig erschrockene Comanche Moon kam von den Beinen. Dessen Fahrer Torbjörn Jansson blieb aber ganz der faire Sportsmann, als den man ihn kennt, und räumte der Rennleitung gegenüber das eigene Verschulden („Es sind halt noch junge und unerfahrene Pferde.“) ein. Geronimo T behielt also den Sieg. Der Rest war weit geschlagen, denn zwischen dem nur mit einem Kopf bezwungenen Dreambreaker und dem drittplatzierten Gigant Greenwood (Stefan Schoonhoven) klaffte eine Lücke von acht Längen. Guccio Fortuna (Maik Esper), Hofnarr (Thomas Kornau) und Oscar Nasad (Thomas Panschow) liefen brav mit, ohne Akzente setzen zu können. Laskari (Dennis Spangenberg) ist momentan nur noch ein Schatten seiner selbst. Zuvor war Thorsten Tietz mit dem Start bis Ziel auftrumpfenden Athos bereits der 750. Fahrersieg seiner Karriere gelungen. Und der Silberhelm packte noch einen drauf. Denn er führte auch Fiobano zu einem überlegenen Treffer. Der bisher ungeschlagene Hengst ließ zu keinem Zeitpunkt einen Gegner in seine Nähe und raste in der Tagesbestzeit von 13,5/1.900m zu einem Sechs-Längen-Triumph. Der Hengst untermauerte mit dieser Glanzleistung seine Stellung als Derby-Geheimfavorit.  

Das Renngeschehen vom Buddenbrock-Stutenlauf ist schnell erzählt: Während Ready to Race (Michael Hönemann) gar nicht erst auf die Beine fand, die enormes Anfangstempo einschlagende Jane Bo (Heinz Wewering) ausgangs der Startgeraden patzte und es Mon Etoile (Thorsten Tietz) im weiteren Verlauf erwischte, riss Gilda Newport sofort das Kommando an sich. Dion Tesselaar konnte die Pace im weiteren Verlauf geradezu provozierend in den 19-er Bereich drosseln, ohne dass irgendeine gegnerische Attacke erfolgte. Als der Niederländer dann die Fahrt kurz vor der letzten Kurve beschleunigte, wurde die Zwei-Klassen-Gesellschaft endgültig Realität. Marion Jauß‘ Stute zog in 15,3/1.900m einsam ihre Kreise und gewann mit fünf Längen Vorsprung. Dahinter verlor Gaia F Boko (Michael Nimczyk) das sicher geglaubte zweite Geld und wurde von den Stewards aufgrund einer Behinderung von Laurea LB (Maik Esper), die sonst den Idealverlauf als zweites Pferd innen serviert bekommen hätte, aus der Wertung genommen – eine harte Entscheidung. Laurea LB bekam also nachträglich den Ehrenrang zugesprochen. Volita Go (Conrad Lugauer) und Gaia Draviet (Hugo Langeweg jun) landeten auf den Rängen drei und vier, ohne sich zu irgendeinem Zeitpunkt bemerkbar gemacht zu haben.    

Einer der weltbesten Trainer, nämlich Paul Hagoort, als Siegfahrer im Mariendorfer Winner-Circle – dieser Moment hatte wirklich absoluten Seltenheitswert! Der Niederländer hatte die Leinen von Muscle Scott höchstpersönlich in die Hand genommen und setzte den groß gewachsenen Hengst, der noch mitten in seiner körperlichen Entwicklung zu stecken scheint, im letzten Bogen in dritter Spur ein. Der kleine Bruder von Way Scott (32.805 Euro Gewinnsumme) marschierte in 15,4/1.900m schnurstracks zum Erfolg und hat ab sofort viel Aufmerksamkeit verdient. Er scheint zwar noch etwas grün und wenig ausgereift zu sein und der Bewegungsablauf muss in den verbleibenden Wochen bis zum Derby noch verbessert werden. Aber eines war überdeutlich: Vom Laufvermögen her besitzt der Traber-Hüne gehöriges Potential!   

Dies gilt ebenso für Noble Dolly, die mit Jorma Oikarinen auch ihren zweiten Lebensstart unter Rekordverbesserung auf 15,1/1.900m aus der Frontlage heraus gewann und über Nacht zu einem Vierbeiner-Star geworden ist. Berlins Finne, der momentan in toller Form agiert und sein kleines Lot fein in Schwung hält, führte außerdem noch Willow Bay Evert zum Erfolg, der die Pilotin Skytten Lisl (Conrad Lugauer) mit einem exzellenten Schlussangriff in die Knie zwang. Die weiteren Sieger der Veranstaltung: William Scott (Michael Nimczyk) trumpfte im Meilenrennen Start bis Ziel auf. Mit der gleichen Taktik kam auch Stan Libuda (Dennis Spangenberg) zum Zuge. Tony Bökers Wallach trommelte aus dem Band 14,3/2.000m auf das Geläuf. Candyman Hornline (André Pögel) lag unterwegs an zweiter Stelle und ging ausgangs des Schlussbogens entschlossen nach vorne. Glamour (Thomas Panschow) bekam einen geschonten Rennverlauf als zweites Pferd an der Innenkante serviert und war auf der Ziellinie punktgenau zur Stelle.

Gesamtumsatz: 172.818,32 Euro – Bahnumsatz: 59.225,40 Euro - Außenumsatz: 113.592,92 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Sonntag, dem 17. Juli statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht der mit 10.000 Euro Preisgeld dotierte vierte Lauf des Berlin-Jägersro Super Trot Cups! Veranstaltungsbeginn ist um 13.30 Uhr!