Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Stuten-Power am Eröffnungstag

Georgina Corner soll Berliner Fahne hochhalten / Auktionsrennen der Zweijährigen mit 17 Pferden

Der vor zwei Jahren erstmals praktizierte Modus, das Derby nicht mehr an einem Tag zu entscheiden, hatte die Gemüter erhitzt. Fest steht, die Rennwoche beginnt damit ohne Vorgeplänkel als Derby-Auftakt. Doch bevor es in den vier Vorläufen hinter das Startauto geht, wird um 13:00 Uhr traditionell in einer feierlichen Zeremonie das „Blaue Band“ zerschnitten und die Derbywoche 2012 eröffnet. Für das Arthur Knauer-Rennen sind 34 Stuten, fünf mehr als im Vorjahr genannt und mit Enigma, Iniesta, Georgina Corner und Yuamour wurden die bisher erfolgreichsten gesetzt. Auch wenn sich diese vier Pferde-Damen dieses Privileg verdient haben, ein Freifahrtschein in Richtung Finale ist es nicht. Der muss in den mit 10.000 Euro dotierten Vorläufen noch erkämpft werden.

Im 1. Vorlauf  (2. Rennen) kann die gesetzte Enigma (Michael Schmid) nicht nur mit dem höchsten Kontostand als Empfehlung verweisen, sie war auch schon zweijährig auf Zug, als sie sich den Sieg in der Breeders Crown sicherte. Selbst wenn es bei der Buddenbrock-Generalprobe aus der Frontlage „nur“ zum Ehrenplatz reichte, hier geht der Sieg nur über die Dame aus dem Neritzer Gestüt. Ihre Trainingsgefährtin Like me (Michael Nimczyk) lieferte bisher ordentliche Formen ab, hat den größten Teil ihrer Gewinnsumme jedoch als Younster aufgenommen, wobei Rang drei in den Breeders Crown ihr sportlicher Höhepunkt war. Für die anderen dürfte es wohl nur um den zeitschnellsten dritten Rang gehen. Bo Derek (Victor Gentz) darf auf Rang drei im Diamond Way-Rennen verweisen, kam dort allerdings mit Weile hinter der siegreichen Enigma ein. Titanias Girl (Robbin Bot) und No Limit Diamant (Gerhard Biendl) erscheinen erstmals in dieser Saison auf gehobenen Parkett.

Wenn Namen wie Stig H. Johansson als Trainer und Erik Adielsson im Rennwagen wie bei Iniesta auftauchen, dann wird jeder Traberfan hellhörig. Die Stall Express-Stute bringt aus ihrer schwedischen Wahlheimat als Empfehlung zwei Siege mit und besitzt mit 1:15,1 nicht nur die beste Kilometerzeit der Teilnehmerinnen des 2. Vorlaufs (4. Rennen), sondern aller 34 Derby-Bewerberinnen mit. Photo du Monde (Thomas Panschow) kann zwei dritte Ränge in dieser illustern Gesellschaft vorweisen, die gepaart mit der guten Kilometerleistung hier auf ein Finalticket hoffen lassen. Ihre Generalprobe auf der Derbybahn ging allerdings schief. Halona (Gerrit  Gommans) und Fiona Bo (Heinz Wewering) bringen zwar Erfahrungen auf Zuchtrennebene mit, kamen aber bisher sehr weit hinter der Spitze an.

Zur Favoritin des 3. Vorlaufs (10. Rennen) hat sich die Lokalmatadorin Georgina Corner (Thorsten Tietz) aufgeschwungen, die in beeindruckender Manier das Buddenbrock der Stuten für sich entschieden hat. Behutsam aufgebaut, bei fünf Starts viermal siegreich, hat die Love You-Tochter längst nicht alle Karten aufgedeckt. Die schnellste Zeit im Achterfeld kann Ganymonde (Thomas Panschow) aufweisen, die sie als Zweitplatzierte im Gelsenkirchener Buddenbrock Trial markierte. Nur eine Zehntel langsamer war Gri Linea (Herbert Tuscher), das allerdings noch in schwedischen Gefilden und mit Conrad Lugauer an der Fahrleine. Beim Hamburger Buddenbrock Trial verlor sie wegen einer Behinderung ihren vierten Rang am grünen Tisch. Einen blendenden Eindruck hinterließ dagegen Freccica rossa (Geherd Biendl) im Buddenbrock-Rennen, als sie im Spurt aus letzter Position toll aufrückte und nur knapp Rang drei verpasste.

Im 4. Vorlauf (12. Rennen) dürften drei Pferde zum engen Kreis derer gehören, die für einen Finalplatz in Frage kommen. Der gesetzten Yuamour (Josef Franzl) fehlt auf diesem Niveau zwar immer noch ein Sieg, doch ist sie die Beständigste im Jahrgang. Zweijährig musste sie bei den Breeders Crown nur Enigma vor sich anerkennen und bei den bisherigen Jahrgangsrennen kam sie dreimal auf Rang zwei ins Ziel. Die Leistung im Buddenbrock, fast immer in zweiter Spur marschierend, rechtfertigt finale Hoffnungen. Die könnten zwei Pferde verhindern. Vicomtesse (Roland Hülskath) hat zwar erst zwei Lebensstart im Bordbuch zu stehen, ist ungeschlagen und zeigte beim Sieg im Gelsenkirchener Buddenbrock Trial, dass sie zu den Titelanwärterinnen zu zählen ist. Gespannt darf man auf Helena von Haithabu (Heinz Wewering) sein, die stark in die Dreijährigen-Saison gestartet ist, das Privileg der Gesetzten aber durch zwei Galoppaden kurzfristig verlor. Glatt gehend bleibt sie eminent gefährlich. Simply The Best (Michael Nimczyk) kam dreijährig noch nicht fehlerfrei um den Kur, das Vertrauen im Stall ist nach wie vor vorhanden und vielleicht platzt der Knoten im richtigen Moment.

Gewissenmaßen als Sahnehäubchen des Eröffnungstages treten 17 zweijährige Traber erstmals auf die Bühne, die künftig ihr Leben bestimmen wird. Für die Jüngsten ist das Auktionsrennen eine Standortbestimmung an der Stelle, an der sie vor einem Jahr unter den Hammer kamen. Für ihre Besitzer die erste Gelegenheit, mittels eines opulenten Preispools von 50.000 Euro, die Investition in den schwarzen Bereich zu rücken. Wer hier gewinnt, ist völlig offen. Für den 38.000 Euro teuren Diego Kievitshof (Roland Hülskath / 23,9 Quali)) wäre es ein erster Schritt, der 3.000 Euro „billige“ und bisher mit 18,1 Schnellsten der Debütanten Let's dance (Jörgen Sjunnesson) würde zum Schnäppchen werden.

Tipps:

1. Wild Viking – Majestic Empire BC – Annabel J

2. Enigma – Like me – Titanias Girl

3. Avinka Dragon – Abegail Dragon – Crazy for you – Cosmic Love

4. Iniesta – Photo du Monde – Honoree

5. Crown Store – Michigan Venus – Veneziano

6. Bestseller – Zora Island – Zicero FR

7. Ysvogel – Starello – Lavinia Love

8. Banker Transs R – Be Stuck Paasloo – Mitalia SAS

9. Tarport Venus – Victory Love – Byron

10. Georgina Corner – Cunera Beuckenswyk – Ganymonde

11. Zenyatta – Golfino Bo – Let’s dance

12. Vicomtesse – Yuamour – Helena von Haithabu

13. Swedish Titan – Good Luck Heldia – Holly Golightly

14. Canavaro As – Midnight Oil – Coco Newport