Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Starke Bayern heizen den Berlinern ein

Like that Diamant und Dschingis Khan dulden keine Opposition

Es war ein bisschen wie die Ruhe vor dem Sturm: Unmittelbar vor den absoluten Topereignissen wie dem Buddenbrock-Rennen (15. Juli) und dem Start der Derby-Woche (28. Juli) ging es in den zehn Mariendorfer Prüfungen in Bezug auf die Kilometerzeiten eher gemächlich zu. Die meisten Rennen wurden im siebzehner und achtzehner Schnitt gelaufen – nur der von seinem Trainer Daniel Wagner gesteuerte ZZ Top (38:10), der das Kommando im Schlussbogen übernommen hatte und endlich einmal fehlerlos blieb, fiel mit der Tagesbestzeit von 16,1/1.609m aus dem Rahmen.

Die Autorität, die vor allem die bayrischen Gäste ausstrahlten, war dennoch nicht zu übersehen. Insbesondere das den Amateuren vorbehaltene Rennen der Internationalen Klasse entwickelte sich zu einer klaren Angelegenheit. Denn nachdem der von Andreas Schwarz gesteuerte 13:10-Topfavorit Like that Diamant Mitte des ersten Bogens an die Spitze gestürmt war, tat sich rein gar nichts mehr. Trotz des unterwegs sehr mäßigen Bummeltempos schienen die sieben Gegner des bajuwarischen Gespanns vor Ehrfurcht zu erstarren. Like that Diamant hatte ohne Frage viel mehr auf der Uhr – er brauchte sich aber in 17,5/1.900m nicht einmal ansatzweise anzustrengen, um Pisepampel (Michael Hamann) und Byron (Henry Grohmann) mit drei Längen Vorsprung abzufertigen.

In genau dem gleichen Kilometerschnitt, allerdings auf der sechshundert Meter längeren 2.500m-Distanz, trumpfte Gerd Biendl mit Dschingis Khan (17:10) auf. Während sein erklärter Gegner Jaycee (Daniel Wagner) hinter dem Startauto kurz von den Beinen geriet und auch nach dem Fehler völlig unter den Erwartungen blieb, erwischte der Dunkelfuchs einen Bilderbuchstart. Der Fünfjährige machte vom Fleck weg die Musik und führte stets deutlich. Im Einlauf ging Dschingis Khan auf und davon und deklassierte Herana (Maik Esper), Next on Line Sib (Dennis Spangenberg) und Shaparell (Christoph Schwarz), welche die weitere Reihenfolge der Viererwette bildeten, mit acht Längen Vorsprung.

Neben Andreas Schwarz und Gerd Biendl sorgte der in Österreich aufgewachsene und seit langem in Bayern beheimate Christoph Schwarz für einen frischen Föhn aus dem Süden. Der 37-jährige Trabrennfahrer siegte mit zwei Schützlingen des Trainers Manfred Schub, für den der Ausflug nach Berlin also sehr lohnend verlief. Christoph Schwarz steuerte zunächst den bei 14:10 notierten Salvegiacomo zu einem Start-Ziel-Erfolg. Mit der Stute Première de Mai (32:10) überließ der Sportler seinen Konkurrenten eine halbe Runde lang die Führung. Auf Zielhöhe ging die Vierjährige dann endgültig nach vorne und trumpfte zum dritten Mal hintereinander souverän auf.

Gegen die Übermacht der Gäste hielt vor allem Manfred Zwiener mit dem überragenden Pershing Shadow (32:10) erfolgreich dagegen. Keine Frage: Mit dem fünfjährigen Hengst hat der mehrmalige Berliner Champion einen absoluten Crack im Stall. Der in Dänemark gezüchtete Traber wird mit jedem Tag stärker und seine Besitzerfamilie Kort darf gespannt darauf sein, wohin der Weg in den kommenden Monaten führen wird. Die Art und Weise, in der Pershing Shadow in der Gewinnsummenklasse bis 16.000 Euro aus dem hinteren Feld heraus an allen Konkurrenten vorbeiging, war schlichtweg atemberaubend.

Nach ihrem völlig verkorksten EM-Auftritt gab es für Sarah Kube umgehend die Rehabilitation: Mit der Derby-Kandidatin Georgina Corner (12:10) siegte die Amateur-Championesse im Schongang. Nach einem klug eingeteilten Rennverlauf als zweites Pferd innen reichte Georgina Corner ein trockener Endspurt und alles war entschieden. Kubes Lebensgefährte Thorsten Tietz ließ einen Doppeltreffer durch Tutanchamun (34:10) und Zora Island (15:10) folgen – wobei die Letztgenannte bei den Favoritenwettern für eine Schrecksekunde sorgte, als sie 400 Meter vor dem Ziel kurz von den Beinen geriet. Mit dem Wallach Platino war sogar ein dritter Tageserfolg für Tietz in Reichweite, doch Kay Werner jonglierte Scorpio du Vivier (22:10) gekonnt über den Kurs und fing den Kontrahenten genau auf der Linie ab.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 101.022,19 Euro – Bahnumsatz: 32.614,00 Euro – Außenumsatz: 68.408,19 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 8. Juli statt.