Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Schneller als ein Intercity

 

Arnold Mollema gewinnt das Buddenbrock-Rennen mit dem Hengst Expo Express. Der Stutenlauf geht an Robin Bakker und Star Potential. Josef Franzl triumphiert in der Entlastung mit Harry Bo und holt sich im Sulky von Going As obendrein die German Tote Gold-Trophy. 

Mariendorf, 6. Juli 2014.

Pfeilschnelle Traber, großartiger Sport: Der Buddenbrock-Renntag gehört zu den schönsten und wichtigsten Veranstaltungen jeder Mariendorfer Saison und er hielt auch in diesem Jahr genau das, was er im Vorfeld versprochen hatte. In dem mit 25.000 Euro dotierten Hauptlauf, der Stutenabteilung um 12.500 Euro Preisgeld und in der Entlastung (7.000 Euro) siegten drei Pferde, die eine große Zukunft vor sich haben und eine glänzende Generalprobe für das 119. Deutsche Traber-Derby absolvierten. Abgerundet wurde der Dreijährigen-Klassiker durch die mit 10.000 Euro dotierte German Tote Gold-Trophy für die älteren Vierbeiner-Cracks.

Der Erfolg im Buddenbrock-Hauptlauf wurde zudem in der Tagesbestzeit erzielt: Der von seinem niederländischen Trainer Arnold Mollema präsentierte Hengst Expo Express trommelte stolze 1:14,3 min. auf die Piste und blieb damit sogar deutlich unter dem Schnitt des Vorjahressiegers Tiger Woods As, der die 1.900-Meter-Strecke damals in 1:14,9 min. bewältigt hatte. Auch in zweiter Hinsicht scheint der für die Farben von Jakob Elzinga, Arnold Mollema und Wilco van der Jagt laufende Expo Express dem Traber-Helden Tiger Woods As nachzueifern: Der von Mollema selber gezüchtete Hengst, der zuvor schon das Adbell-Toddington-Rennen beherrscht hatte, besitzt nun die Chance, die legendäre Dreifache Krone zu gewinnen.

„Es dürfte jetzt wohl jedenfalls allen Gegnern klar sein, dass Expo Express beim Derby ein deutliches Wort mitreden wird!“ So lautete Arnold Mollemas Kampfansage im Anschluss an den großartigen Sieg, der für den erfolgsverwöhnten Profi – man mag es eigentlich kaum glauben – tatsächlich der erste Buddenbrock-Volltreffer war. Das Ganze nach einem von allen Experten kaum vermuteten Rennverlauf. Denn Mollema entschied sich in der Startphase entgegen der Insider-Einschätzung dafür, nicht sofort aufs Gaspedal zu drücken und begnügte sich hinter dem blitzschnell in Front gestoßenen Eugene F Boko (Robin Bakker) und dem ebenfalls antrittsschnellen Ganystar (Maik Esper) zunächst mit der dritten Position.

Auch vor den Tribünen, als längst die Rochade zwischen den beiden führenden Gespannen erfolgt war und Ganystar die Spitze übernommen hatte, hielt sich Mollema noch bedeckt. Er nahm Expo Express erst mit dem Erreichen des Rosenhofbogens in die zweite Spur, als nämlich Stacelita (Josef Franzl) außen anmarschiert kam. Die Weichen waren gestellt: Expo Express verblieb fortan in der „Todesspur“ und rückte dem Piloten Ganystar immer näher, in seinem Windschatten blieben Stacelita und innen daneben Eugene F Boko am Geschehen dran. Beim Einbiegen auf die Zielgeraden steckte Expo Express endgültig die Nüstern nach vorne. Stacelita mühte sich redlich, kam aber nur noch auf eine halbe Länge an den Hengst heran. Damit wiederholte sich exakt das Adbell-Toddington-Resultat, obwohl sich der Rennverlauf diesmal genau gegensätzlich gestaltet hatte.

Für den dritten Platz war Ganystar nie in Gefahr – der Crack des Stalls Living Dream zog bis zum Pfosten überzeugend durch und steigerte sich auf einen 14,5-Kilometerrekord. Zwei Längen hinter dem Fuchs entbrannte der Kampf um das vierte Geld, den der zuvor eher unauffällige Indover (Roland Hülskath) mit einer Halslänge vor Eugene F Boko für sich entschied. Beide Pferde liefen brav, hatten aber zu keinem Zeitpunkt eine reelle Chance auf den Sieg. Auch Way Scott (Robbin Bot) und Latino Glass (Andrea Lombardo) konnten nichts Entscheidendes bewegen. Elton Attack (Heinz Wewering) und Blue Diamond As (Rob de Vlieger) kamen nicht glatt über den Kurs.

Verglichen mit dem Hauptlauf lässt sich das Geschehen des Buddenbrock-Stutenlaufs deutlich kürzer beschreiben – denn das Rennen entwickelte sich zu einer One-Horse-Show der überragenden Star Potential. Ihr Fahrer Robin Bakker machte nach einer halben Runde mit einem fulminanten Vorstoß alles klar. Die Entschlossenheit, mit welcher der europäische Top-Driver vorging, dokumentiert das riesige Vertrauen, das Bakker offensichtlich in die von Paul Hagoort trainierte und für die Farben des Münchner Unternehmers Frank Zickmantel startende Dreijährige hat. „Sie ist ein wirklich tolles Pferd und vor allem völlig unkompliziert“, lobte der 31-Jährige Star Potential nach ihrem 15,6/1.900m-Tempolauf.

Die beeindruckende Siegerin ließ auf den letzten Metern lediglich die ebenfalls vollauf überzeugende Celestial Light TK (Gerhard Biendl) bis auf eine Länge an sich heran – da war das Rennen aber schon längst entschieden. Als Dritte überraschte die 420:10-Außenseiterin Wariana (Andrea Lombardo) mit einer feinen Schlussleistung. Bei der anschließenden Siegerehrung erläuterte Frank Zickmantel unmissverständlich, wie es nun mit Star Potential weitergehen wird: „Unser Ziel bleibt klipp und klar das Stuten-Derby! Über einen Start gegen die Hengste und Wallache denken wir nicht eine einzige Sekunde lang nach. Ansonsten kann ich nur sagen: Es ist einfach wunderbar, als Besitzer mit dem Team Hagoort/Bakker zusammen zu arbeiten.“

Wären die Auftritte von Expo Express und Star Potential nicht so herausragend gewesen, wäre die Veranstaltung ganz sicher als der große Tag des Josef Franzl in die Berliner Renngeschichte eingegangen. Denn es war einfach unglaublich, was der Bayrische Champion – ergänzt durch den ihm eng verbundenen und teilweise für die gleichen Besitzer tätigen Rudolf Haller – mit seinen Schützlingen ablieferte. Die beiden Trainer stellten an diesem denkwürdigen Nachmittag für die Rennställe von Alois Wegscheider, Roger Wittmann, Hans-Ulrich Bornmann und Natalia Stroy sowie für die Germania-Farben des Ehepaars Hermann und Martha Lehner nicht weniger als sieben Sieger!                                  

Während Rudolf Haller mit den imponierenden Rubino degli Dei und Sorriso Degli Dei in normal dotierten Rennen von der Spitze aus erfolgreich war, angelte sich Josef Franzl die größten finanziellen Fische und räumte neben der Buddenbrock-Entlastung mit dem speedigen Harry Bo auch noch die German Tote Gold-Trophy mit dem schnell nach vorne gestürmten Going As ab. Der Profi: „Ich war schon im Vorfeld sehr optimistisch. Harry Bo wird nun definitiv im Derby-Vorlauf starten und für Going As ist längerfristig ein Engagement im Ausland geplant.“ Mit Samir und den für das Criterium der Vierjährigen vorgesehenen Faust Hanover machte der Bayern-Champ munter weiter. Beide Pferde gewannen ihre Rennen von der Spitze aus.

Abgerundet wurde das Franzl-Festival durch den Sieg von Thomas Royer und Gri Harry beim zweiten Lauf des Amateurvergleichs Berlin-Bayern. Der österreichische Top-Fahrer war als Nicht-Bayer natürlich etwas glücklich in das Teilnehmerfeld gerutscht und hatte zudem am Grünen Tisch Fortüne. Denn Gri Harry trabte knapp hinter Becky Dragon (Katharina Kramer) eigentlich nur als Zweiter über die Linie. Die Gegnerin hatte ihn bei seinem Vorstoß Ende der Gegenseite aber allzu abrupt in Empfang genommen und wurde zu Recht disqualifiziert. Der erste Lauf des Amateurvergleichs ging an den von Tag zu Tag besser werdenden Doktor Schulze (Marlene Matzky), der seine Trümpfe ebenso wie Aflame Dragon (Joana Klein) erst auf der Zielgeraden ausspielte. Gerhard Biendl und Let’s gos Champ schritten dagegen schon früh zur Tat und spulten das Pensum auf der Meilenstrecke aus der Frontlage heraus souverän herunter.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 158.605,25 Euro – Bahnumsatz: 59.622,90 Euro – Außenumsatz:  98.982,35 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 13. Juli statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.