Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Pokerface Diamant blufft nicht

Der Hengst gewinnt seine Generalprobe für das Dreijährigen-Auktionsrennen in bestechender Manier

Diesmal ging es für seinen Besitzer Ulrich Mommert zwar nur um 1.000 Euro Siegprämie – doch  das nächste Preisgeld könnte für Pokerface Diamant stolze fünfundzwanzig Mal höher ausfallen. Denn der dreijährige italienische Hengst probte bei der Mariendorfer Sonntagveranstaltung erfolgreich für seine kommende Aufgabe: Der Dreijährige soll genauso wie Mommerts zweiter Crack Peter Pan Diamant am 4. August in dem mit 50.000 Euro dotierten Jubiläums-Auktionsrennen starten. Dort sind nur die auf der Derby-Auktion 2010 vorgestellten Pferde teilnahmeberechtigt.

Dass Pokerface Diamant trotz seiner relativ geringen Körpergröße tatsächlich das Zeug dazu hat, auf höchstem Niveau mitzumischen, bewies sein Fahrer Michael Nimczyk mit einer couragierten Offensive. Nach dem Start war Pokerface Diamant nämlich nur an siebenter Stelle zu sehen – doch schon auf der ersten Tribünengeraden beorderte der zweimalige Deutsche Meister seinen Schützling im Rush an die Spitze. Das sollte es dann auch schon gewesen sein. Pokerface Diamant musste seine Karten in geradezu lächerlichen 18,1/1.900m nicht einmal ansatzweise aufdecken, um in überlegenem Stil vier Längen vor dem Feld über die Ziellinie zu spazieren.

Im Anschluss wurde das Siegergespann im Winnercircle von einem prominenten Ehrengast erwartet: Der ARD-Chefredakteur Thomas Baumann gratulierte Michael Nimczyk zu dem imposanten Erfolg und zeigte sich zugleich ungemein von Pokerface Diamant beeindruckt. Der Vollblutjournalist und leidenschaftliche Trabrennfan wird die Mariendorfer Bahn übrigens schon bald wieder besuchen – Baumann ist auch beim Auftakt der Derby-Woche am 28. Juli mit dabei. Michael Nimczyk kam jedenfalls aus dem Strahlen nicht mehr heraus, denn der weitere Nachmittag verlief für den Sportler mit zwei zusätzlichen Treffern perfekt. Mit Commander Columbus (21:10) zwang Nimczyk seinen Gegnern das Tempo von der Spitze aus auf und mit Crown Store (14:10) fing der 26-Jährige die eigentlich schon deutlich enteilte Lavinia Love (Heiner Christiansen) noch ein.

Abgesehen von Nimczyks Triplette waren Favoritensiege am Sonntag eher Mangelware. Wobei einige Pferde allerdings auch sträflich unterschätzt waren. Das galt besonders für Byron, dem der dritte Sieg innerhalb von nur vier Wochen gelang. Der Hengst läuft derzeit in der Form seines Lebens. Der von Benjamin Hagen gesteuerte Neunjährige zahlte an den Wettkassen schier unfassbare 66:10 aus – eine unbegreiflich hohe Quote. Byron profitierte beim Kampf um den Sommer-Pokal des VDT zwar vom Idealverlauf als viertes Pferd außen – aber ob die zweit- und drittplazierten Seda Rapide (Michael Nimczyk) und Salut (Michael Schmid) unter anderen Gegebenheiten bessere Chancen gehabt hätten, ist zweifelhaft. Denn Byron stand auf den letzten fünfhundert Metern deutlich über dem Feld.

Ein spannendes Gefecht, bei dem die Tempomacherin Zaragoza (Roman Spengler) gnadenlos unterging, gab es in der Gewinnsummenklasse bis 15.000 Euro. Nach einem verdeckten Rennen spielte der von Thorsten Tietz gekonnt präsentierte Michigan Venus (64:10) seine Reserven in starken 15,9/1.900m optimal aus. Pferd und Fahrer scheinen ein perfektes Gespann zu bilden, denn für Tietz und den Wallach war es bereits der sechste gemeinsame Volltreffer. Auch das Zusammenspiel von Maik Esper und Herman Nasad (26:10) entwickelt sich immer mehr zu einer Erfolgsstory. Denn Herman Nasad, der diesmal schon vor den Tribünen das Kommando übernahm, wird mit jedem Start stärker und bringt zweifellos all das mit, was einen Siegertypen ausmacht. Man darf auf seinen weiteren Weg gespannt sein.

Die Tagesbestzeit von 15,5/1.609m trommelte Udit de l’Aulnay (63:10) mit Wladimir Gening im Sulky auf die Piste.  Der vierjährige Franzose gab im Endkampf alles und verhinderte ganz knapp eine Sensation – denn nach einem Traumrennen als zweites innen hätte beinahe der 724:10-Außenseiter Famous (Thomas Buley) seine Nüstern nach vorne gestreckt. Wesentlich undramatischer ging es bei den Siegen von Amazing Passion (Hans-Jürgen von Holdt) und  Szenario (Sarah Kube) zu, die ihre Konkurrenten zur Quote von 16:10 bzw. 34:10 sehr deutlich beherrschten. Cardea (103:10) war bei ihrem Start-Ziel-Sieg ebenfalls ungefährdet. Ihr Fahrer Klaus Daust bewies einmal mehr sein feines Händchen und steuerte die am Toto krass unterschätzte Love-You-Tochter mit fünf Längen Vorsprung durchs Ziel.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 106.462,08 Euro – Bahnumsatz: 34.662,00 Euro – Außenumsatz: 71.800,08 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 15. Juli ab 13.30 Uhr statt. Im Mittelpunkt steht dann die große Generalprobe für das trotto.de 117. Deutsche Traber-Derby: das Buddenbrock-Rennen! Außerdem wird der Trial II des Charlie-Mills-Rennens ausgetragen.