Trabrennen in Berlin-Mariendorf November 2012: Vier Pferde auf einer Linie

Beim spannendsten Finish des Tages hat der Riesenaußenseiter Next on Line Sib

mit Dennis Spangenberg die Nüstern vorne

Mariendorf, 26. November 2012.  Ein Rennsportabend mit Krimi-Atmosphäre: Zu einem echten Thriller entwickelte sich die über 2.500 Meter ausgetragene Prüfung der Gewinnsummenklasse bis 20.500 Euro. Obwohl es zunächst überhaupt nicht danach aussah. Denn die Qualität der neun Teilnehmer versprach zwar einiges und angefangen von Pershing Shadow (Manfred Zwiener) bis hin zu San Siro BR (Michael Nimczyk) waren viele Siegertypen dabei – doch die bei müdem Tempo gelaufene erste Runde verlockte zum Gähnen. Auf der letzten Gegenseite ging dann aber gewaltig die Post ab und über die Ziellinie stürmten vier Pferde fast im Gleichschritt. Ausgerechnet der längste Außenseiter in diesem Quartett, nämlich der bei 298:10 gehandelte und von Dennis Spangenberg gesteuerte Next on Line Sib, hatte in dem packenden Endkampf die stärksten Nerven. Eine bärenstarke Leistung, die Geschmack auf mehr macht. Denn der in Italien gezüchtete Wallach hatte sich erst Anfang November mit einem Probelauf aus einer dreimonatigen Pause zurückgemeldet.

Tatort Mariendorf: Der Abend hatte schon mit einem Detektivspiel begonnen, denn die Frage nach dem Sieger des ersten Rennens war von den Papierformen her gar nicht leicht zu beantworten. Doch das Resultat war überraschend klar – die Stute Emma Peel (59:10) bewies, dass ihr zuvor in Karlshorst erzielter Treffer alles andere als nur eine Eintagsfliege war. Mit Ines Kubatzki, Schnelligkeit und Können: Die Dreijährige aus dem Lot des Besitzers Frank Britz, die nach der von Diana Rigg dargestellten Krimi-Heldin aus der legendären britischen TV-Serie „Mit Schirm, Charme und Melone“ benannt wurde, lieferte eine glänzende Vorstellung ab. Ines Kubatzki hatte ihren Schützling auf der Gegenseite an die Flanke des führenden Official Company (Thorsten Tietz) gesteuert und Emma Peel zog dem Gegner bereits im Schlussbogen gründlich den Zahn.

Während für Emma Peel mit dem zweiten Sieg hintereinander eine kleine Serie begann, ist ein anderes Pferd schon auf dem Höhepunkt einer Erfolgssträhne: Photo du Monde gewann mit ihrem Trainer Heinz Wewering bereits das vierte Rennen hintereinander. Ein lockerer Spaziergang war es für die 11:10-Topfavoritin der Besitzerfamilie Bruns aber nicht. Denn Wewering hatte mit der Dreijährigen zwar bereits eingangs der Tribünengeraden das Kommando übernommen und das Gespann blieb lange unbedrängt – als dann aber Admiral Boom (Josef Franzl) freikam, entwickelte sich ein dramatisches Duell und der Angreifer rückte bis auf eine Halslänge an Photo du Monde heran. Deutlich klarer verlief die Angelegenheit für Wewerings zweiten Tagessieger: Trotz halbjähriger Ruhepause war Indigo Guardian (27:10) für die Rennfarben von Uwe und Franz-Josef Stamer von der Spitze aus sofort wieder on top.

Das internationale Bänderstartrennen gestaltete sich für Wewering dagegen enttäuschend, denn sein 15:10-Favorit Mister PK hatte nie einen Moment und landete nur auf dem sechsten Platz. Stattdessen machten die zwanzig Meter vor ihm gestarteten Teilnehmer des ersten Bandes die Musik. Der von Daniel Wagner gesteuerte Zuccero (71:10) hielt die bis zum Schluss tapfer kämpfende Hella Hanover (Josef Franzl) in der Tagesbestzeit von 17,1/2.000m in Schach. Auch bei dem gleich im Anschluss ausgetragenen Rennen der Gewinnsummenklasse bis 13.000 Euro gab es eine Überraschung, denn Herman Nasad (72:10) wurde auf dem Wettmarkt unterschätzt. Der Hengst tauchte mit Maik Esper im Finish aus dem Nichts auf und kompensierte sogar eine kurze Galoppade, die er sich auf der Schlussrunde geleistet hatte. Kurze Zeit später legte Maik Esper, der aktuell in blendender Form agiert, noch einen drauf und führte Zidane Flevo (25:10) mit offensiver Taktik zum Erfolg.

Christian Zimmermanns Pferde sind ebenfalls in bestechender Verfassung: Diving (39:10) stürmte überaus lässig zum Sieg. Der Sportler, dessen Vater Carlo ebenso wie anderen unvergessenen Aktiven ein Rennen gewidmet war, schaute sich das Geschehen in aller Seelenruhe an und beorderte seinen Traber erst auf der Zielgeraden zum Angriff. Eine klare Angelegenheit waren auch die beiden Amateurprüfungen des Abends: Yoran Frisia rangierte am Toto bei 14:10 und seine Fahrerin Sarah Kube ließ zu keinem Zeitpunkt etwas anbrennen. Der von Max Eisenreich vorbereitete Wallach zog mit einem langgezogenen Spurt am gesamten Feld vorbei und stand schon mit Erreichen des Einlaufs als Sieger fest. Mit dem Außenseiter King Meadow (Günter Polednicek) auf dem Ehrenrang katapultierte sich die Zweierwette trotz des Erfolges des heißen Favoriten auf stolze 1.554:10. Beim zweiten Amateurfahren fiel die Quote auf die ersten Beiden dagegen deutlich geringer aus – denn nicht nur der Sieger Russel Sambuca (17:10) stand in der Hand von Werner Schnieder meilenweit über dem Feld, sondern auch der dahinter plazierte Mister Big (Michaela Jahn) war leicht zu treffen.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 78.509,00 Euro – Bahnumsatz: 18.408,50 Euro – Außenumsatz: 60.100,50 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 2. Dezember ab 13.30 Uhr statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht der Trial I des Weihnachts-Pokals.