Trabrennen in Berlin-Mariendorf November 2012: Klare Favoriten und ein krasser Außenseiter

Erster Sieg für Wolfgang May.

Feine Doppelerfolge für Maik Esper, Thorsten Tietz

und Heinz Wewering.

Mariendorf, 5. November 2012. Der Abend auf der Derby-Bahn erfüllte das, was die Analyse des Rennprogramms zuvor versprochen hatte: Die Favoriten hielten bis auf wenige Ausnahmen klar das Zepter in der Hand.

Ein Pferd galt sogar als nahezu unschlagbar und war auf 10:10 herunter gewettet – und dies, obwohl der Stute Amy Nasad zuvor in dieser Saison noch kein voller Erfolg gelungen war. Ein mächtiger Vertrauensvorschuss also – aber Amy Nasad hatte es in der Tat verlockend angetroffen und die wie immer von Maik Esper gesteuerte Dunkelbraune wurde der Einschätzung total gerecht Die Vierjährige bewältigte die 1.900-Meter-Rennstrecke größtenteils in der Außenspur und hatte mit diesem Verlauf nicht die geringsten Probleme. Für Maik Esper und den Berliner Rennstall Living Dream gab es rund zwei Stunden später einen weiteren Treffer: Tragedien (17:10) verlor seine Konkurrenten auf den letzten fünfhundert Metern und erzielte in 17,1/1.900m exakt den gleichen Kilometerschnitt wie Amy Nasad.

Ebenfalls stark angefasst – nämlich bei 13:10 – rangierte der von Sarah Kube gesteuerte Florus G am Toto. Die Deutsche Amateur-Championesse sah sich das unnötige Duell an der Spitze zwischen Rover Simoni (Michael Hamann) und Oscar Eck (André Schiller), die am Ende komplett untergingen, in aller Gelassenheit an und schickte ihren Schützling erst im Schlussbogen nach vorne. Florus G gewann unangefasst. Für einen weiteren Amateur, nämlich Wolfgang May, wurde der kühle Novemberabend ebenfalls zu einem Erfolgserlebnis. Sein Wallach Star of Glass (19:10) bescherte dem 46-jährigen Spandauer den ersten Sieg der noch jungen Sulkykarriere. Wolfgang May hatte zuvor erst sechs Fahrten bestritten und scheint zweifellos viel Talent für den Trabrennsport mitzubringen.

Zu den weiteren Pferden, die am Toto unter pari standen, gehörte auch Chou Chou Boshoeve (16:10), die gleich beim ersten Start in der Hand von Thorsten Tietz ihre Maidenschaft ablegte. Die Dreijährige ging vor den Tribünen mit viel Schwung nach vorne und gewann ungefährdet. Sein Meisterstück machte Tietz aber dann bei seiner ersten Fahrt mit Jazzman (34:10) perfekt. Der mittlerweile elf Jahre alte Wallach, der seit Mai 2011 keine Ehrenrunde mehr gedreht hatte, präsentierte sich wie neugeboren, übernahm frühzeitig das Kommando und stürmte im Einlauf in 15,9/2.000m auf und davon. Dass er trotz der zurückliegenden Durststrecke ohnehin ein Siegertyp ist, macht der Blick auf Jazzmans Statistik klar: Der Treffer mit dem designierten Berliner Champion war der 46. seiner langen Rennlaufbahn. Für Tietz bedeutete der Sieg zugleich die Führung beim Kampf um die Deutsche Meisterschaft – da sein Konkurrent Roland Hülskath zeitgleich in Dinslaken leer ausging, lautet der aktuelle Stand nun 131:130 für den Berliner.

Tietz war aber nicht der einzige Spitzenfahrer, der eindrucksvoll agierte. Was zum Beispiel ein Heinz Wewering an der Fahrleine bewirken kann, bewies der 29-malige deutsche Champion im Sulky von Artos W (34:10). Wewering war kurzfristig für seinen Kollegen Roman Matzky eingesprungen, der sich an der Hand verletzt hatte. Artos W sprintete sofort an die Spitze und zog das Pensum trotz wirklich anspruchsvoller Gegnerschaft ohne Wimperzucken bis zum Pfosten durch. Bei seinem zweiten Tagestreffer verfuhr Wewering nach ähnlichem Muster: Ganymonde (18:10) ging eingangs der Tribünengerade nach vorne. Als der Silberhelm im Schlussbogen das Tempo verschärfte, sah die großartig gezogene Dreijährige schon wie die überlegene Siegerin aus – doch Swedish Titan (Andreas Gläser) und Pokerface Diamant (Michael Nimczyk) rückten der Stute in einem spannenden Finish noch gefährlich auf den Pelz und verkürzten den Rückstand auf eine halbe Länge.

Wer also immer fleißig die Favoriten auf seinem Wettschein angekreuzt hatte, lag an diesem Abend mit seiner Entscheidung goldrichtig. Doch bekanntlich werden alle Regeln von Ausnahmen bestätigt. In der Gewinnsummenklasse bis 1.350 Euro setzte es einen gewaltigen Paukenschlag. Das Rennen hatte mit einem wahren Galoppfestival begonnen, an dem praktisch alle am Toto beachteten Pferde beteiligt waren. Nachdem ihre Hauptgegner ausgefallen waren, nutzte Nalinas Flashlight die einmalige Chance. Klaus Daust bewies mit der 415:10-Riesenaußenseiterin einmal mehr sein feines Händchen und gab schon auf der Gegenseite mächtig Gas. Mit den ebenfalls dreistellig notierten Jaguiello (Daniel Goehrke) und Antano (Peter Scheack) auf den weiteren Plätzen belief sich die Quote der Dreierwette auf satte 21.953:10.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 83.139,00 Euro – Bahnumsatz: 17.125,50 Euro – Außenumsatz: 66.013,50 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Montag, dem 12. November ab 18.30 Uhr statt.