Trabrennen in Berlin-Mariendorf: „Man muss auch mal Glück haben!“

 

Die erst 17-jährige Marlene Matzky gewinnt den Winterpokal der Amateure mit Dulco di Quattro. Das Duell um die Mariendorfer Berufsfahrer-Meisterschaft endet mit einem Toten Rennen: Nach einem packenden Kampf teilen sich Thorsten Tietz und Michael Nimczyk den Titel.  

Berlin-Mariendorf, 28. Dezember 2014.

Es war ein Saisonfinale vom Feinsten: Der letzte Mariendorfer Renntag des Jahres 2014 dokumentierte noch einmal die ganze Faszination, die der Sulkysport ausstrahlen kann. Der grandiose Triumph von Marlene Matzky und ihrem Wallach Dulco di Quattro bei dem mit insgesamt 13.000 Euro Preisgeld dotierten Winterpokal der Amateure sowie das geradezu dramatisch verlaufene Duell zwischen Thorsten Tietz und Michael Nimczyk beim Kampf um das Mariendorfer Berufsfahrer-Championat krönten die auch vom Umsatz her gesehen sehr erfolgreiche Veranstaltung auf der Derby-Bahn.

Prickelnde Spannung war vom ersten Moment an präsent, denn die beiden Vorläufe des Winterpokals wurden bereits als erste und zweite Tagesprüfung ausgetragen. Geht Floh G glatt vom Start oder nicht? Das war die große Frage vor dem ersten Lauf und die Antwort war eindeutig: Der von seinem Besitzer und Trainer Dirk Grusdas selber gezüchtete Wallach verkniff sich jeden Fehler und gewann in 18,0/1.900m absolut souverän. Sein Fahrer Werner Schnieder: „Auf den Anfangsmetern war der Fuchs zwar recht nervös. Ich habe ihn deswegen erst vor den Tribünen richtig treten lassen. Aber nachdem er im zweiten Bogen die Spitze übernommen hatte, gab es keinerlei Probleme mehr und wir hatten die Lage stets im Griff.“ Der Ehrenplatz ging an Viking’s Star (Thomas Maßen), der im Finish noch sehr schnell wurde und den ebenfalls famos durchziehenden Up to win (Hans-Jürgen von Holdt) auf Rang drei verwies.

Ganz anders entwickelte sich der zweite Winterpokal-Vorlauf, denn hier schritt die Siegerin Marlene Matzky mit Dulco di Quattro erst auf der Schlusshalben ernsthaft zur Tat. Das Gespann profitierte von einem geradezu idealen Rennverlauf. Die 17-jährige Amazone konnte sich mit ihrem Schützling vor den Tribünen an vierter Stelle außen einordnen. Als sie ihrem Wallach dann ausgangs der letzten Kurve das entscheidende Zeichen gab und den Piloten Rayman (Sarah Kube) zum Kampf stellte, waren die Würfel in fulminanten 14,5/1.900m sofort zugunsten von Dulco di Quattro gefallen. Während der Pechvogel Rayman, der zu diesem Zeitpunkt allerdings keine Siegchance mehr besaß, auf den letzten Metern im Eifer des Gefechts das Geläuf verlor und disqualifiziert wurde, belegten Amor Viking (Georg Kirchisner) und Let’s Win (Dr. Marie Lindinger) die Ränge zwei und drei.

Aufgrund ihrer tollen Leistungen traten die beiden Vorlaufssieger das Finale natürlich als Favoriten an. Floh G wurde bei 25:10 und Dulco di Quattro bei 30:10 gehandelt. Dem im ersten Band aufgestellten Viking’s Star wurden mit einer Quote von 45:10 ebenfalls sehr gute Chancen eingeräumt und der ebenso wie Dulco di Quattro und die anderen Teilnehmer des zweiten Vorlaufs mit zwanzig Meter Zulage bedachte Let’s win rangierte bei 50:10. Allerdings zerplatzten so manche Träume der wettenden Zuschauer bereits am Start, denn Floh G fand von der 2.000-Meter-Grundmarke aus überhaupt nicht ins Rennen und als ihm bei der anschließenden Aufholjagd ein erneuter Fehler unterlief, war es endgültig um den Fuchs geschehen.

Ganz anders trumpfte dagegen Dulco di Quattro auf. Marlene Matzky dirigierte den Love-You-Sohn umgehend in die zweite Spur und auf Zielhöhe hatte der Vierjährige bereits den Piloten Viking’s Star erreicht. Aus dem trotto.de-Bogen heraus erhöhte die Amazone den Druck auf den Führenden und Dulco di Quattro steigerte die Schlagzahl Mitte der Gegenseite sogar bis in den 11-er Bereich hinein. Noch vor der letzten Kurve hatte der Angreifer endgültig die Spitze erobert. Doch der Matzky-Crack war noch nicht zuhause, ganz im Gegenteil. Denn beim Einbiegen auf die Zielgerade stürmte nun Amor Viking heran. Der zuvor stets an dritter Stelle positionierte Verfolger wurde mit jedem Schritt stärker und hatte Dulco di Quattro Mitte des Einlaufs tatsächlich erreicht.

Doch genau in diesem Moment unterlief Georg Kirchisners Wallach der entscheidende Fehler. Der Fünfjährige verfiel in Galopp und machte Dulco di Quattro, der auf der 2.020-Meter Strecke die Kilometerzeit von 1:16,5 min. trabte, endgültig den Weg zum Sieg frei. Die Plätze zwei und drei gingen an Let’s Win und die Riesenaußenseiterin Höwings Platina (Ferdinand Veit). „Amor Viking war eigentlich schon halb vorbei“, lautete Marlene Matzkys Fazit bei der anschließenden Ehrung im Winnnercircle, zu der sie von ihrer gesamten freudestrahlenden Familie begleitet wurde. „Aber man muss eben auch mal Glück haben.“ Hinter dem großartigen Triumph der jungen Amazone steckte jedoch mehr weit mehr als nur eine gehörige Portion Fortune. „Sie kümmert sich von morgens bis abends um ihr Pferd und hat Dulco di Quattro erst zu dem gemacht, was er jetzt darstellt“, sagte Marlenes sichtlich gerührter Vater Roman voller Stolz.

Neben dem Winterpokal stand vor allem der Kampf um das Mariendorfer Berufsfahrer-Championat im sportlichen Mittelpunkt. 36 Siege für den Titelverteidiger Thorsten Tietz und 34 Erfolge für seinen Herausforderer Michael Nimczyk – das war die Ausgangslage und beim Blick ins Rennprogramm war zu vermuten, dass es zwischen beiden Konkurrenten noch einmal spannend werden könnte. In der Tat: Michael Nimczyk gelang durch einen Sieg mit Amundsen Mo sehr zügig der Anschlusstreffer. „Der Wallach wurde von Michael Larsen exzellent vorbereitet“, strahlte der Goldhelm nach dem überlegenen Drei-Längen-Triumph. Amundsen Mo, der seinem Züchter Ulrich Mommert mit dieser Leistung zugleich das diesjährige Mariendorfer Besitzer-Championat sicherte, war eine Klasse für sich und stieß, nachdem er vor den Tribünen das Kommando übernommen hatte und das Tempo über weite Strecken drosseln konnte, auf keinerlei gegnerischen Widerstand.

Doch kaum hatte Nimczyk gepunktet, schlug das „Imperium“ Tietz zurück, denn der Bronzehelm stellte den ursprünglichen Zwei-Punkte-Vorsprung durch einen Erfolg mit Cassiopeia Blue umgehend wieder her. Zu Beginn der Schlussrunde war die Stute noch in zweiter Spur zu sehen, doch auf der Gegenseite kam die Dreijährige nach der Galoppade des Piloten Vigo Bes (Bernd Schrödl) kampflos in Front und wehrte auch den feinen Schlussangriff von Enrico di Quattro (Daniel Goehrke) erfolgreich ab. Doch wer nun gedacht hatte, dass damit die Entscheidung um das Mariendorfer Berufsfahrer-Championat endgültig gefallen war, sah sich schnell eines Besseren belehrt. Denn das nächste Rennen ging wieder an Michael Nimczyk, der sich im Sulky von Forrest Gump prompt ins Geschehen zurückkämpfte. Trotz des schlechten Startplatzes in der zweiten Reihe explodierte der Wallach auf den letzten fünfhundert Metern geradezu vor Leistungsbereitschaft und flog auf der Zielgeraden am gesamten Feld vorbei.

Damit betrug der Rückstand des Goldhelms auf den Titelverteidiger Tietz unmittelbar vor dem letzten Rennen der Berliner Trabrennsaison 2014 nur noch einen einzigen winzigen Zähler. Der endgültige Showdown stand bevor – kein Drehbuchautor hätte eine spannendere Geschichte schreiben können. Und tatsächlich: Michael Nimczyk schaffte in der Abschlussprüfung durch einen Sieg mit Needyou Diamant, die vor den Tribünen nach vorne gegangen war und in 15,0/1.900m völlig ungefährdet nachhause kam, den Ausgleich. 37:37 Zähler – so lautete der Endstand zwischen ihm und Thorsten Tietz in der Mariendorfer Berufsfahrer-Meisterschaft 2014. Das Duell zweier herausragender Spitzensportler endete mit einem Toten Rennen. Die Derby-Bahn hat nun also zwei Champions, die beide bei der PMU-Veranstaltung am 14. Januar geehrt werden.

An diesem Tag wird der Rennverein dann neben Thorsten Tietz und Michael Nimczyk sowie dem Besitzer-Champion Ulrich Mommert auch den Mariendorfer „Traber des Jahres“ Vulkan und Dirk Grusdas (siegreichster Trainer), Thomas Royer (erfolgreichster Amateurfahrer), das Ehepaar Hans-Joachim und Nicole Kleemann (gewinnreichste Züchter), Joana Klein (beste Trabreiterin) sowie Phillip Caternberg (siegreichster Lehrlingsfahrer) im Winnercircle begrüßen. Dem Letztgenannten gelang zum Jahresausklang ein Treffer mit Uvea.. Ein blitzschneller Start und ein starkes Finish – das war Caternbergs Strategie beim Triumph der Stute, die zunächst an die zweiter Stelle innen lag und dann im letzten Bogen mit einem feinem Angriff alles klarmachte.            

Er ist derzeit kaum zu stoppen: Andrew Dragon präsentierte sich mit seinem Trainer Maik Esper erneut in Bestform und stürmte in bärenstarken 13,8/1.900m zur Tagesbestzeit. Der Wallach wechselte vor den Tribünen aus der sechsten Position heraus in die zweite Spur und übernahm mit einem fulminanten Sprint im trotto.de-Bogen die Führung, die er bis zur Linie souverän verteidigte. Einen wahren Paukenschlag gab es am Wettmarkt durch den 311:10-Sensationssieg von Jilliane und Thomas Buley. Die von Joachim Birke trainierte Stute hatte zuvor mit guten Platzierungen bereits eindeutige Hinweise gegeben, profitierte allerdings auch vom Ausfall der Pilotin My Little Letty (André Pögel), die mit dem Sieg vor Augen Mitte der Zielgeraden von den Beinen kam.

Gesamtumsatz: 153.745,44 Euro - Bahnumsatz: 54.746,50 Euro - Außenumsatz: 98.998,94 Euro

Foto von Marius Schwarz: Marlene Matzky, die mit ihrem Wallach Dulco di Quattro den mit insgesamt 13.000 Euro dotierten Winterpokal der Amateure gewann