Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Louisdor ist ein echtes Goldstück

Thorsten Tietz siegt mit dem Wallach im Hauptlauf der ersten NRZ-Serie und gewinnt für den Besitzer Frank Zickmantel noch zwei weitere Rennen. Constantin Vergos führt Höwings Shiva Z zum Erfolg im Stutenlauf. Bei den „Beginners“ triumphiert Josef Franzl mit N Cor Star.    

Berlin-Mariendorf, 3. Mai 2015.

Der Louisdor war ein im 17. Jahrhundert eingeführtes Zahlungsmittel – eine aus 22-karätigem Gold geprägte Edelmünze. Wenn Thorsten Tietz morgens die Stalltür aufschließt, dann fällt sein Blick ebenfalls auf ein Goldstück: Nämlich den gleichnamigen Wallach Louisdor, der am Sonntag auf der Derby-Bahn den mit 15.000 Euro Preisgeld dotierten Hauptlauf der NRZ-Serie-1 gewann (Foto). Am Wettmarkt rangierte der vierjährige Traber des Münchner Unternehmers Frank Zickmantel nur an vierter Stelle. In dem siebenköpfigen Teilnehmerfeld betrug seine Siegquote 56:10. Denn während man den Love-You-Sohn, der von der 2.000-Meter-Grundmarke aus ins Rennen ging, eher als Platzkandidaten einstufte, galt die meiste Aufmerksamkeit den im zweiten Band aufgestellten Fridericus (Michael Nimczyk) und Faust Hanover (Josef Franzl). Die beiden Saison-Debütanten konnten sich allerdings zu keinem Zeitpunkt in Szene setzen und spielten nicht die geringste Rolle.

Von einer ganz anderer Seite als die beiden enttäuschenden Favoriten präsentierte sich Louisdor: Der Wallach stürmte sofort an die Spitze und brachte den Erfolg in 14,0/2.000m sicher nachhause. Auf den letzten Metern musste Thorsten Tietz lediglich Ganystar (Maik Esper) im Auge behalten. Der Crack des Berliner Rennstalls Living Dream, der seine Zulage nach einem glänzenden Start schnell wettgemacht hatte und im Anschluss einen geschonten Verlauf an der Innenkante vorfand, zeigte eine famose Leistung und knüpfte in feiner Manier an seine Heldentaten des letzten Jahres an. Wer weiß – vielleicht wäre für den Fuchshengst sogar der Sieg drin gewesen, aber die entscheidende Lücke tat sich erst kurz vor dem Ziel auf und Louisdor geriet mit einer halben Länge Vorsprung nicht mehr ernsthaft in Gefahr. Damit wiederholte sich exakt das Ergebnis der Breeders Crown, denn im vergangenen November hatte Louisdor in Mariendorf ebenfalls knapp die Oberhand gegen Ganystar behalten.

Genau die gleiche offensive Taktik wie im Hauptlauf verfolgte Thorsten Tietz im Rahmenprogramm bei seinem Start-Ziel-Erfolg mit dem ebenfalls für die Farben von Frank Zickmantel laufenden Cotton Rich. Und dass der Bronzehelm die Siegzeit von 13,0/1.900m, die zugleich natürlich auch die Tagesbestzeit bedeutete, im Vorab-Interview auf den Punkt genau angekündigt hatte, war nicht nur ein seltenes Kunststück, sondern das I-Tüpfelchen auf dem Ei. Zuvor hatte Tietz bereits mit dem dreijährigen Zickmantel-Traber Big Thunder gewonnen, der bei seinem Karrieredebüt wie ein Donnerschlag losgelegte und in 16,5/1.900m um die Bahn fegte. Der Berliner Champion: „Im täglichen Training gibt sich der Wallach eher phlegmatisch. Heute wurde er in der Startphase zwischen den Pferden jedoch sehr unruhig und legte eine kurze Galoppade ein. Ich konnte den Fehler aber schnell ausbügeln und im Anschluss lief alles völlig problemlos. Unser Ziel ist natürlich die Derby-Teilnahme. Der Wallach ist körperlich recht mächtig geraten und deswegen haben wir ihm viel Zeit für seine Entwicklung gelassen.“   

Dass ein Pferd nach vier Siegen hintereinander am Wettmarkt mit 94:10 notiert wird, ist sicherlich die absolute Ausnahme. Aber es war durchaus erklärbar, denn die Konkurrenz, auf die Höwings Shiva Z und ihr Trainer Constantin Vergos in dem mit 7.500 Euro dotierten Stutenlauf der NRZ-Serie trafen, war einfach gewaltig. Umso beeindruckender war es, wie leicht die Vierbeiner-Lady ihre sechs Gegner von der Spitze aus abfertigte. „Sie hat alles ganz von alleine gemacht und ich musste sie eigentlich nur laufen lassen“, strahlte Constantin Vergos gemeinsam mit seinem Bruder Andreas bei der anschließenden Ehrung im Winnercircle über beide Backen. Höwings Shiva Z hatte die Führung bereits im ersten Bogen übernommen und ließ danach in 14,4/1.900m nichts mehr anbrennen. Hinter der mit anderthalb Längen Vorsprung auftrumpfenden Siegerin ging es eng zu: Star Potential (Dennis Spangenberg) holte sich mit viel Speed das zweite Geld mit einer Halslänge vor Honeybee (Victor Gentz). 

Für Josef Franzl war der Renntag zunächst nicht sonderlich erfolgreich verlaufen – doch der Bayerische Champion wurde durch einen großartigen N Cor Star in dem ebenfalls mit 7.500 Euro dotierten Beginners-Lauf der NRZ-Serie reichlich entschädigt. Der Fuchshengst begann das Rennen wie aus der Pistole geschossen und stürmte in einer 09-ner Durchgangszeit in die Pole Position. Auch im weiteren Verlauf flaute das Tempo kaum ab und obwohl sich der Verfolger Mighty Hanover (Thorsten Tietz) mächtig mühte, kam er nie entscheidend an den 15,2/1.900m trabenden Piloten heran. Josef Franzl: „N Cor Star war in der Startphase recht heftig und ich ließ ihm daher seinen Willen. Der Hengst besitzt eine hohe Veranlagung, wird aber trotzdem noch einige Rennroutine lernen müssen. Mit seiner Leistung bin ich jedenfalls überaus zufrieden. Denn man darf nicht vergessen, dass die Bayern beheimateten Pferde aufgrund des harten Winters doch einige Wochen Trainingsrückstand im Vergleich zu den Trabern aus den anderen Regionen haben.“           

Zwei Siege bei drei Saisonstarts: So lautet die Bilanz des dreijährigen Hengstes Boss Hoss, der mit dem derzeit immer häufiger das rote Dress von Marion Jauß tragenden Heinz Wewering prächtig harmoniert und ganz in der Tradition seiner Namenspaten – nämlich der legendären, in Tennessee produzierten US-Motorradmarke und der gleichlautenden Berliner Country-Band – eindeutig den Ton angab. Ein furioser Vorstoß auf der Gegenseite reichte dem bei 47:10 deutlich unterschätzten Hengst, um das Rennen in 16,5/1.900m souverän zu gewinnen. Heinz Wewering: „Das ist ja erst der Anfang seiner Vierbeiner-Laufbahn und wir wollen nichts überhasten. Ich glaube jedenfalls, dass sich Boss Hoss in den kommenden Wochen noch deutlich steigern wird und vor einer guten Zukunft steht!“ Mit Stall Preussens Theodor Fontane ging der 29-malige Deutsche Meister ebenfalls auf die Ehrenrunde. Der Wallach stürmte sofort an die Spitze und gewann in 14,0/1.900m leicht mit zwei Längen Vorsprung.

Der siebente Sieg beim neunten Lebensstart: Daniel Wagners Schützling Oh Happy Day war einmal mehr eine Klasse für sich. Vor den Tribünen war von dem Vierbeinerstolz der Berliner Besitzerin Miryana Braun noch überhaupt nichts zu sehen. Doch auf der Zielgeraden rang die Fünfjährige den von der Spitze aus nie aufgebenden Ontheway Diamant (Michael Nimczyk) in 15,1/1.900m nieder. Daniel Wagner: „Ich habe Oh Happy Day in dem stark besetzten Feld bewusst von hinten gebracht. Sie kann aber auch rasant eintreten – das könnte bei den kommenden Aufgaben durchaus eine wichtige Rolle spielen.“ Dream Boy As und Michael Nimczyk setzten dagegen von Anfang an voll auf die Offensive und gewannen Start bis Ziel. „Er besitzt viel Klasse!“, lobte der Goldhelm den Mommert-Traber, der seinen Rekord auf 15,8/1.900m steigerte, im Anschluss. „Sein größtes Problem sind derzeit nicht die Gegner, sondern seine Sensibilität. Denn Dream Boy As ist sehr empfindlich gegen Irritationen und vor allem umherfliegenden Dreck. Das mag er überhaupt nicht und das ist auch der Grund, warum ich ihn sofort in Front gesteuert habe. Wenn der Hengst diese Empfindlichkeiten ablegt, wird er ein tolles Pferd!“

Diese Zukunftsperspektive besitzt ebenso Fox Dragon. Nach dem erneuten Sieg in der Hand seines Trainers Maik Esper darf man den Hengst zur ersten Garde im Derby-Jahrgang zählen. Genaue Vergleiche zwischen den sich derzeit auf allen Bahnen präsentierenden Hoffnungsträgern können natürlich erst nach dem Adbell-Toddington-Rennen am 17. Mai gezogen werden. Aber die Manier, in der Fox Dragon eine Runde vor dem Ziel am Feld vorbeizog, war bärenstark. Der Hengst duldete in 15,2/1.900m lediglich die tapfer durchziehende und vollauf überzeugende Peaches Diamant (Jörgen Sjunnesson) in seiner Nähe und wurde zur Quote von 14:10 allen Erwartungen gerecht. Auch der erstmalig von Michael Hamann gesteuerte Uldimeo galt als heißer Tipp. Die Zuschauer hoben den für die Farben von Margarete Lewin laufenden und von Peter Kwiet trainierten Hengst auf den 22:10-Favoritenthron und der Vierjährige enttäuschte das Publikum mit einem feinen Endspurt nicht. Eine ziemliche Überraschung war dagegen der im Speed erzielte Sieg des 118:10-Außenseiters Cees Butcher. Sein Trainer und Fahrer Manfred Zwiener war über den grandiosen Auftritt des Wallachs jedoch nicht verwundert: „Cees Butcher besitzt viel Schnelligkeit – aber er ist im Rennen leider oft nervös und ängstlich. Ich wusste, dass er glattgehend eine ausgezeichnete Chance hat.“

Gesamtumsatz: 142.991,25 Euro - Bahnumsatz: 50.293,20 Euro - Außenumsatz:  92.698,05 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 17. Mai statt. Im Mittelpunkt steht dann das Adbell-Toddington-Rennen 2014 um 25.000 Euro Preisgeld sowie der mit 12.500 Euro dotierte Adbell-Toddington-Stutenlauf . Beginn ist um 13.30 Uhr. 

Foto von Marius Schwarz ©