Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Leichter Aufgalopp für Mister PK

 

Trabrennen in Berlin-Mariendorf:

Leichter Aufgalopp für Mister PK

Der Hengst ist mit Heinz Wewering im Sulky eine Klasse für sich. Die Tagesbestzeit geht an den von Rolf Hafvenström präsentierten Gaius R.A.

Im Mariendorfer Hauptrennen waren die entscheidenden Würfel im Grunde schon vor dem Start gefallen. Denn nachdem der bayrische Seriensieger Graf Steding, dessen Fahrer Martin Altmann von einer Grippe überrascht wurde, die Reise nach Berlin nicht angetreten hatte, ragte Mister PK mit Heinz Wewering im Sulky aus der Teilnehmerliste der internationalen Prüfung sehr deutlich heraus. Der 29-malige Deutsche Meister ließ sich die Chance nicht nehmen und deklassierte seine Konkurrenten mit dem sechsjährigen Hengst in der Kilometerzeit von 16,3/1.900m.

Am Toto stand der von Frank Ostermann trainierte Mister PK – natürlich auch dank eines Überraschungsjackpots – dennoch bei erstaunlichen 18:10. Heinz Wewering zeigte seinen Gegnern schon auf den ersten Metern, wo der Hammer an der Stallwand hängt. Mister PK stürmte eingangs des ersten Bogens an die Spitze. Dahinter sah man den 984:10-Riesenaußenseiter Upcoming River (Matthieu Hegewald) an zweiter Position, während sich die neben Mister PK am meisten gewetteten Lucky Moor (Michael Nimczyk / 36:10) und Romantika (Rolf Hafvenström / 57:10) noch in hinteren Regionen bewegten.

Auch Ende der Gegenseite, als Wewering bei einer Zwischenzeit von 13,5 energisch auf das Gaspedal trat, war erstaunlicher Weise immer noch Upcoming River der hartnäckigste Verfolger. Als es um die letzte Ecke ging und sich Mister PKs Schlagzahl auf grandiose 12,0 erhöhte, trat Upcoming River zwar etwas kürzer – der Wallach zog aber bis zum Zielpfosten tapfer durch und musste außer dem mit fünf Längen Vorsprung drückend überlegenen Sieger nur noch Lucky Moor vor sich anerkennen. Im Gegensatz zu Romantika, die zu keinem Zeitpunkt entscheidende Akzente setzen konnte und in der Endabrechnung nur Vierte wurde, hatte sich der Nimczyk-Schützling auf der Schlusshalben immens gesteigert,

Das Hauptrennen verlief für Romantikas Trainer Rolf Hafvenström also nicht optimal – doch dafür trumpfte der Schwede wenig später ganz groß mit Stall Aleos Gaius R.A. (37:10) auf, der trotz seiner dreimonatiger Ruhepause auf Anhieb bewies, dass zukünftig alle Rechnungen wieder über ihn gehen werden. Seine Tagesbestzeit von 1:16,2/1.900m war eine ganz klare Ansage. Insbesondere, weil der Sieg Gaius R.A. wahrlich nicht leicht gemacht wurde. Der Fünfjährige bestritt das gesamte Rennen in der Außenspur und nachdem er zunächst die Pilotin Victory Love (Heinz Wewering) niedergekämpft hatte, musste der Hengst auch noch eine gewaltige Schlussattacke von Herana (Maik Esper) wegstecken. Gaius R.A. lieferte bei seinem Saisondebüt also eine glanzvolle Vorstellung ab, die Geschmack auf mehr macht.

„Diese Gegner muss er einfach schlagen! Die Frage ist nur, ob er mit Weile gewinnt oder nicht.“ Wohl selten einmal hat sich ein Sulkysportler vor dem Start eines Rennens so aus dem Fenster gelehnt wie Jens Rosenberg. Der im oberbayrischen Neufahrn beheimatete 45-jährige Amateurfahrer strotzte im Vorfeld der Mariendorfer Veranstaltung nur so vor Optimismus und lag mit dieser Einschätzung seines Stallcracks Like a Porsche goldrichtig. Denn die Leistung, die der fünfjährige Wallach im Anschluss ablieferte, glich einer Demonstration. Like a Porsche (15:10) stürmte ausgangs der Startgeraden an die Spitze und führte eine Runde vor dem Ziel bereits mit zehn Längen. Am Ende trennte den Dunkelbraunen in 17,2/1.900m sogar ein Weile-Vorsprung von den hoffnungslos überforderten Konkurrenten. Eines ist sicher: An diesem Pferd wird Rosenberg, der nicht nur als Amateurfahrer  (bisher 21 Siege), sondern vor allem als Besitzer viele schöne Erfolge gefeiert hat, noch mächtig Freude haben. Für das Fritz-Brandt-Rennen ist Like a Porsche zwar nicht genannt, dafür ist aber der Start bei der mit 30.000 Euro dotierten Internationalen Meisterschaft der Amateure in der Derby-Woche fest vorgesehen. Like a Porsche steht also vor großen Aufgaben – kein Wunder, dass man auch im Ausland auf das Pferd aufmerksam geworden ist. Ein lukratives Kaufangebot aus Schweden liegt bereits vor.

Alles in allem entwickelte sich die Mariendorfer Veranstaltung zu einer klaren Angelegenheit für die Favoriten. Das beste Beispiel dafür war Achilles (23:10), der es auf der Startgeraden zwar ruhig angehen ließ und zunächst im Mittelfeld zu sehen war, dann aber von seinem Siegfahrer Thorsten Tietz im ersten Bogen konsequent an die Spitze gesteuert wurde. Nur eingangs der Zielgerade bahnte sich für einen kurzen Moment Gefahr an, als der vom Feldende gekommene Tom for you (Maik Esper) konsequent eingesetzt wurde. Achilles machte sich aber auf den finalen Metern problemlos frei und erzielte in 17,7/1.900m zugleich einen passablen Kilometerschnitt.

Mit der identischen fahrerischen Taktik kam Pershing Shadow zum Erfolg, den man nach drei Treffern hintereinander als waschechten Seriensieger bezeichnen darf. Der Fünfjährige genoss am Wettmarkt mit einer Quote von 12:10 fast uneingeschränktes Vertrauen und seine Pilotin Nicole Fink ließ sich zu keinem Zeitpunkt die Butter vom Brot nehmen. Nach einem 16-er Auftakt nahm die Amazone clever das Tempo aus der Partie und nagelte ihre einzige ernsthafte Konkurrentin, die Stute Valerie Andrup mit Josephine Schiller im Sulky, bei 22-er Durchgangszeiten an der Innenkante fest. Als Pershing Shadow dann auf den letzten Metern den Turbo aufdrehte und eine 15,8-Finishzeit auf die Piste trommelte, gab es für das gegnerische Gespann nichts mehr zu holen.

Auch der zweite „Hot Shot“ des Abends gab sich keine Blöße: Bo Bo Design und Michael Nimczyk waren vom Publikum mit einer Quote von 13:10 als nahezu unverlierbar eingestuft worden. Diese Wertschätzung erwies sich als richtig, denn der erst am Anfang seiner Rennkarriere stehende Wallach wirkte stets souverän und sein Fahrer ließ in keiner Phase etwas anbrennen. Nimczyk dirigierte seinen Schützling eine Runde vor dem Ziel an Oscar Eck (Thorsten Tietz) vorbei an die Spitze und diese Konstellation blieb bis zur Linie so erhalten. Oscar Eck versuchte sich zwar noch mit einem Schlussangriff, kam aber nie entscheidend an Bo Bo Design heran.

Die bundesdeutsche Amateurchampionesse Sarah Kube fuhr natürlich nicht ohne ihren fast schon obligatorischen Tagessieg von der Piste. Diesmal war es Have no Times, die der Berlinerin einen weiteren Punkt auf dem Weg zur möglichen Titelverteidigung bescherte. Sarah Kube führt die Wertung jedenfalls ähnlich wie im Vorjahr deutlich an und ebenso klar fiel ihr Mariendorfer Erfolg aus. Have no Times (16:10) übernahm ausgangs der Startgeraden die Führung und musste in mäßigen 18,8/1.900m nur das Nötigste tun, um im Einlauf mit sechs Längen Vorsprung auf und davon zu ziehen. Der zweite Platz ging überraschend an den 327:10-Außenseiter High Speed As, der von Nicole Heinrich vorbildlich vorgetragen wurde und vom geschonten Verlauf an der Innenkante profitierte.

Ein hartes Stück Arbeit musste dagegen Floriane mit ihrem Trainer Daniel Wagner ableisten. Denn das bei 32:10 notierte Gespann kam zwar problemlos an It’s my birthday (Thorsten Tietz) vorbei in Front, der Verfolger ließ sich aber zu keinem Zeitpunkt  abschütteln und stellte die Stute auf den letzten zweihundert Metern zum Kampf. Floriane musste auf der regennassen Piste in 17,6/1.900m bis an ihre Grenze gehen. Für diejenigen Zuschauer, die auf dem Daily-Double-Wettschein die richtigen Kreuze gesetzt hatten, sorgte Floriane in der Kombination mit dem zuvor erfolgreichen Gaius R.A. außerdem für eine kräftige Rendite: Einzeln gespielt hätten die beiden Pferde nämlich nur den zwölffachen Einsatz ausbezahlt. In der Daily-Double-Kombination gab es stattdessen zweiunddreißigfaches Geld zurück – ein  erneutes Plädoyer für diese Wettart!

Nur drei Teilnehmer kamen in der Gewinnsummenklasse bis 700 Euro in sauberer Gangart ins Ziel. Trotz dieser eher traurigen Bilanz gab es an der blitzsauberen Vorstellung des Siegers Bruno überhaupt nichts zu rütteln. Sein Trainer und Fahrer Andreas Gläser scheute mit dem Wallach während des gesamten Rennens die Außenspur nicht und Bruno hatte mit diesem Pensum keinerlei Probleme. Ganz im Gegenteil: Der Dunkelbraune zermürbte den lange führenden Lou Trec (Heinz Wewering) schon vor dem Schlussbogen gründlich und setzte sich im Einlauf überaus leicht mit dreieinhalb Längen Vorsprung von Janus R.A. (Rolf Hafvenström) ab.

Die größte Überraschung der Veranstaltung ergab sich in der Abschlussprüfung, einem über die lange 2.500-Meter-Strecke führenden Handicap. Den mit Zulage bedachten Wallach Pirelli und seinen Steuermann Dennis Spangenberg hatten zur Quote von 258:10 nur wenige Wetter auf dem Schirm. Schien der Neunjährige, dessen letzter voller Erfolg fast zwei Jahre zurücklag, hinter Dancer Joy (Thorsten Tietz) doch nur die zweite Farbe des Rennstalls Matzky zu sein. Doch Pirelli setzte sich Ende der Gegenseite mit einem wuchtigen Vorstoß gewaltig in Szene und hatte auch auf der Zielgeraden die entscheidenden Reserven zur Hand, um sich klar gegen den Boxennachbarn zu behaupten.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 79.033,43 Euro – Bahnumsatz: 21.153,50 Euro – Außenumsatz: 57.879,93 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 4. März statt.  Der Beginn ist um 13.30 Uhr!