Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Kein gemächliches Tempo am Senioren-Renntag

Der Saisonrekordhalter Harry’s Bar (Sarah Kube) und sein Herausforderer Andrew Dragon (Jörg Hafer) werden im Heinz-Mohr-Memorial für rasante Kilometerzeiten sorgen.   

Berlin-Mariendorf, 31. Mai 2015 (Start des 1. Rennens um 14.00 Uhr / BTV-Expertentalk bereits ab 13.15 Uhr).

27.000 Euro an Jackpots und Auszahlungsgarantien sowie eine Prämienausspielung um Preise in Höhe von 2.600 Euro: Der Berliner Mai-Ausklang bietet nicht nur ein prall gefülltes Zwölf-Rennen-Programm mit dem Heinz-Mohr-Memorial als sportlichen Höhepunkt, sondern er schöpft auch in Bezug auf die Wett-Attraktionen aus dem Vollen. Eines ist sicher: Allzu bedächtig wird sich das Geschehen an Mariendorfs erstem Senioren-Renntag, der sich insbesondere an ältere Neubesucher wendet, garantiert nicht präsentieren. Dafür sorgen zum einen natürlich die vielen aktuellen Formpferde, die schon seit Monaten Topzeiten auf der Tempelhofer Highspeed-Piste abliefern. Und zum anderen gewährleistet das aus Christoph Pellander und Nicolai Laaser bestehende Moderatoren-Team mit seinen Tipps und dem Hintergrundwissen bunte und kurzweilige Unterhaltung. Bereits den um 13.15 Uhr beginnenden BTV-Expertentalk sollte man daher keinesfalls verpassen – zumal ein frühes Erscheinen bei der Veranstaltung aufgrund der durch den Berlin-Velothon verursachten Verkehrsbeeinträchtigungen (nähere Infos unter www.garmin-velothon-berlin.de) unbedingt zu empfehlen ist.

Gleich im 1. Rennen – einem Trabreiten – steckt richtig Pfeffer drin, denn die frischen Siegerinnen Amy Nasad (Maja Unterdörfer) und Querima (Jennifer Schmidt) werden den in dieser Disziplin bisher nahezu unschlagbaren Garry (Ronja Walter) jagen. Im 2. Rennen, das ebenso wie die achte und  zehnte Tagesprüfung mit 5.000 Euro Sieg-Garantie ausgestattet ist, konzentrieren sich die Blicke auf Amur (Thorsten Tietz), der aber stets ein Stück weit unberechenbar ist. Sollte der Hengst keinen guten Tag erwischen, werden vor allem Hephurn (Michael Nimczyk), Arwen Energy (Manfred Zwiener), Sivori Effe (Benjamin Hagen) und der als Geheimtipp geltende Jerry Lou GJ (Jorma Oikarinen) davon profitieren. Das 3. Rennen ist ebenfalls recht offen. Candyman Hornline (Michael Hamann) gilt zwar nach durchweg guten Platzierungen als Favorit. Aber Simone Wallat-Birke, die nach längerer Pause ihr fahrerisches Comeback gibt, darf sich mit einer glattgehenden Jilliane durchaus Hoffnungen machen. Elena Kievitshof (Jörg Hafer) und Titania Frei (Afsoon Amirfallah) sind ebenfalls interessant.

Mit dem 4. Rennen startet die V5-Wette. Beim Auftakt gehören vier Pferde auf den Schein – denn der von seinem Trainer Roland Hülskath gesteuerte Jaromir ist nach drei Ehrenplätzen hintereinander zwar für einen vollen Erfolg längst überfällig, aber Merana (Hannu Voutilainen), Raquel Welch (Michael Nimczyk) und Florus G (Thorsten Tietz) verfügen über gleichwertige Chancen. Im 5. Rennen stellt sich die Frage: Was ist bloß mit Grace (Hannu Voutilainen) los? Nach zwei Ausfällen sollte die Stute, die gegen Poison Spin (Daniel Wagner), Baraija BR (Michael Nimczyk) und Justus Southwind (Jorma Oikarinen) antritt, endlich wieder ihr wahres Gesicht zeigen. Mit der Startnummer sieben ist die Ausgangslage auf der Sprintmeile zwar suboptimal – aber ein verdeckter Rennverlauf könnte der Vierjährigen durchaus entgegenkommen. Die nötige Klasse besitzt Grace allemal.

Das 6. Rennen ist mit einer Vierer-Garantie in Höhe von 5.000 Euro ausgestattet. Der in Berlin noch ungeschlagene Oberst (Thorsten Tietz) ist das Bankpferd par excellence. Eine Niederlage gegen Jobi (Kornelius Kluth), Arando (Daniel Wagner), Pandora Diamant (Michael Nimczyk) oder My Sweet Lord (Thomas Heinzig) wäre eine faustdicke Überraschung. Das 7. Rennen (mit 1.000 Euro Daily Double - Jackpot) sieht zwei heiße Sieganwärter am Start: Die Entscheidung wird nur zwischen Vulkan (Daniel Wagner) und Florana G (Thorsten Tietz) liegen. Im 8. Rennen ist dagegen alles möglich – mehr als die Hälfte der elf Teilnehmer kommen für einen Besuch im Winnercircle in Frage. Whisper (Daniel Wagner) qualifizierte sich in einer siebzehner Zeit und hat mit Wild Viking, Wings of Crown und Wonderboy prominente Brüder. Der aus einer 21-maligen Siegerin stammende New General (Manfred Zwiener) ging bereits ebenso wie die Trainingsgefährtin Ivy Corner (Thorsten Tietz) und die für die Farben von Ulrich Mommert laufende Runaway Diamant (Michael Nimczyk) auf eine Ehrenrunde. Chopin (Maik Esper), Flying Capitana (Matthieu Hegewald) und Millions Boy (Roman Matzky) gehören mit in die Rechnung.

Alle lieben Harry! Wohl kaum einem Traber wird im eigenen Stallteam und selbst bei den Gegnern so viel Wertschätzung entgegengebracht wie Harry’s Bar (Foto), dem Star des als 9. Rennen ausgetragenen Heinz-Mohr-Memorials. Sein Stellenwert am Wettmarkt drückt die Hochachtung des Publikums am besten aus: Bei sämtlichen seiner sieben Jahresstarts, von denen er sechs gewann, stand der auf einem Auge blinde Wallach, dessen unbändiger Leistungswille sein körperliches Handicap regelrecht ausmerzt, unter pari. Fünfmal davon sogar 13:10 und weniger – obwohl Harry’s Bar stets auf herausragende Konkurrenten traf. Das sagt eigentlich alles. Es gibt wohl kaum ein Pferd, das die Zuschauer so in ihr Herz geschlossen haben. Seine Fahrerin Sarah Kube agiert in phänomenaler Form und hat mit ihm – auch wenn es auf den September 2013 zurückdatiert – den bisher einzigen gemeinsamen Start souverän gewonnen. Es gibt nichts, was gegen ihn spricht. Mit dem Bänderstart kam Harry’s Bar bisher bestens klar und auch vierzig Meter Zulage werden ihn nicht stoppen. Allenfalls die taktische Cleverness und Abgebrühtheit von Jörg Hafer, der im Sulky des ebenfalls im dritten Band aufgestellten Widersachers Andrew Dragon sitzt, könnte eine Rolle spielen. Alle anderen sechs Teilnehmer werden mit der Siegentscheidung im Memorial, dessen Dotation von der Familie Mohr und dem VDT großzügig aufgestockt wurde, nichts zu tun haben.

Die dem unvergessenen Heinz Mohr gewidmete Prüfung ist also – wie jedes Jahr – ein tolles Highlight. Im 10. Rennen geht es dann mit den noch unerfahrenen Pferden weiter. Königin Luise (Roman Matzky) besitzt einen majestätischen Namen und ist zugleich die Schwester von Preussenstolz und Theodor Fontane. Sie trifft es bei ihrem Debüt allerdings schwer an. Raffaelo Diamant (Michael Nimczyk) siegte in Bahrenfeld überaus leicht und ist für das Derby genannt. Annekin G (Manfred Zwiener) unterlag zuletzt nur einem sehr guten Gegner und scheint genauso wie Kokette (Kornelius Kluth) über viel Schnelligkeit zu verfügen. Das darf man in der Tat auch von dem im 11. Rennen startenden Dream Boy As (Michael Nimczyk) behaupten. Der vierjährige Hengst, dessen leider viel zu früh eingegangene Mutter Doreen As über 70.000 Euro Preisgeld gewann, steht vor einer tollen Zukunft. Er besitzt zwar einen recht eigenwilligen Charakter, wird das Rennen aber bei glattem Verlauf zu einer One-Horse-Show gestalten. Nicht ein, sondern zwei Pferde stehen in der abschließenden zwölften Tagesprüfung im Rampenlicht. Und was für welche! Big Thunder (Thorsten Tietz) und Prince of Persia (Daniel Goehrke) sind offenbar zu Höherem geboren. Im Derby werden sich beide Traber zwar nicht wieder begegnen, da nur Big Thunder eine Nennung für Deutschlands wichtigstes Rennen besitzt. Umso mehr darf man sich auf das aktuelle Duell freuen, das den spannenden Schlusspunkt unter die Mariendorfer Veranstaltung setzt.      

Unsere Tipps:

1. Garry – Amy Nasad – Querima

2. Amur – Hepburn – Arwen Energy

3. Candyman Hornline – Elena Kievitshof – Titania Frei

4. Jaromir – Merana – Raquel Welsh

5. Poison Spin – Baraija BR – Grace

6. Oberst – Jobi – Arando – Pandora Diamant

7. Vulkan – Florana G – Rock of Gibraltar

8. Whisper – New General – Ivy Corner

9. Andrew Dragon – Harry’s Bar – Let’s win

10. Raffaelo Diamant – Annekin G – Fiobana

11. Dreamboy As – Moonchild – Sarently As

12. Big Thunder – Prince of Persia – Indigo Bo

Foto von Marius Schwarz