Trabrennen in Berlin-Mariendorf-Karlshorst: Robbin Bot schwimmt weiter auf Erfolgswelle

 

Der niederländische Trabrennfahrer gewinnt mit dem Hengst Immosand den mit 25.000 Euro Preisgeld dotierten Vierjährigen-Marathon.

Berlin-Karlshorst, 28. September 2014.

Hochsommerliche Temperaturen beherrschten die vom Berliner Trabrenn-Verein durchgeführte Veranstaltung in der Wuhlheide. Einer der vielen prominenten Sulkyfahrer wird die tollen äußerlichen Bedingungen ganz sicherlich als besonders schön empfunden haben: Nämlich der Niederländer Robbin Bot, für den sich die Stippvisite in die deutsche Hauptstadt zu einem Ereignis entwickelte, das er noch lange in bester Erinnerung behalten wird. Der momentan auf einer Erfolgswelle schwimmende 23-Jährige gewann im Sulky des Hengstes Immosand, für den er auch als Trainer verantwortlich zeichnet, den mit 25.000 Euro dotierten Vierjährigen-Marathon.

Robbin Bot schlug bei seinem großen Triumph keinen Geringeren als den Topfavoriten Faust Hanover (Josef Franzl), dessen russische Besitzerin Natalia Stroy nebst Dolmetscher eigens aus Moskau angereist war. Lange sah es tatsächlich nach einem Sieg für die Farben der erfolgreichen Unternehmerin aus, denn ihr Vierbeiner-Crack, der als einziger der sieben Teilnehmer aus dem dritten Band gestartet war, hatte seinen Rückstand schon nach einer halben Runde wettgemacht und übernahm kurz vor dem zweiten Bogen sogar die Führung. Für Josef Franzls Schützling schien alles optimal zu laufen, während der an dritter Stelle positionierte Immosand zunächst noch unauffällig wirkte. Kurz vor dem Schlussbogen drohte Robbin Bot und seinem Pferd sogar eine Falle, denn Immosand fand an der Innenkante kaum den Freiraum für einen entscheidenden Angriff vor.

Doch dann nahte die Rettung: Denn als Roland Hülskath mit dem Hengst Easy Lover in der Angriffsspur das Tempo enorm verschärfte und mächtigen Druck auf den Piloten Faust Hanover ausübte, dividierte sich das Feld auseinander und Immosand kam endlich von der Innenkante weg. Zu Beginn der Zielgeraden schien Faust Hanover zwar noch über einen ausreichenden Vorteil zu verfügen – doch Josef Franzl hatte die lauernde Gefahr bereits erkannt und begann sich mächtig im Sulky zu rühren. Seine Bemühungen waren aber vergeblich: Denn Immosand (87:10) wurde mit jedem Schritt stärker und bezwang den sich heftig wehrenden 13:10-Topfavoriten in 17,4/2.500m nach Kampf mit einer halben Länge Vorsprung. Schon deutlich dahinter holte sich der von Matthieu Hegewald überaus rational vorgetragene 583:10-Außenseiter Theodor Fontane das dritte Geld und zeigte damit zweifellos eine der besten Leistungen seiner bisherigen Rennlaufbahn. Rang vier ging an Easy Lover, der bei seiner Attacke auf Faust Hanover offensichtlich zu viele Reserven eingebüßt hatte. Eine arge Enttäuschung war der als zweiter Favorit gehandelte Rubino degli Dei (Michael Schmid), der sich trotz eines Idealverlaufs im Windschatten von Faust Hanover schon eine halbe Runde vor dem Ziel auf den Rückzug begab. Nu I Nu (Jesse ter Borgh) und Guliano Bo (Thomas Panschow) kamen nicht glatt über den Kurs.

Der mit 12.500 Euro dotierte Stutenlauf des Vierjährigen-Marathons entwickelte sich schon vor dem eigentlichen „Ab“ zu einem echten Krimi. Denn das Eindrehen aus den Bändern klappte erst nach mehreren Fehlstarts, an denen auch die 14:10-Favoritin Vicky Corner nicht ganz unbeteiligt war. Die Stute zeigte einmal mehr ihr dünnhäutiges Nervenkostüm und ihr Fahrer Thorsten Tietz musste schon seine ganze Erfahrung in die Waagschale werfen, um die diffizile Vierbeiner-Lady glatt ins Rennen zu bringen. Der Rest war dann allerdings fast ein Spaziergang für die hochveranlagte Fuchsstute des Recklinghäuser Besitzers Klaus Bockhoff. Vicky Corner zog rasch an der Trainingsgefährtin Inari (Dennis Spangenberg) vorbei, nahm dann zunächst das Tempo aus der Partie und stiefelte am Ende in 16,3/2.500m hochüberlegen auf und davon. Auch Inari zog bis zur Linie konsequent durch, musste sich aber das zweite Geld im Toten Rennen mit der spurtstarken Damalia (Benjamin Hagen) teilen, die sich trotz ihrer 20-Meter-Zulage blendend verkaufte.

Neben den beiden Läufen des Vierjährigen-Marathons standen zwei mit jeweils 7.000 Euro dotierte Trials auf dem Programm – und einer davon wurde ebenfalls zur Beute von Thorsten Tietz. Im St. Leger (Trial I A) setzte sich der Berliner Champion völlig überraschend mit der 141:10-Außenseiterin Grace durch, die die Quote der Daily-Double-Wette sogar auf sensationelle 1.475:10 trieb. Thorsten Tietz: „Nachdem ich mit der Dreijährigen eher unfreiwillig in der Außenspur gelandet war, blieb mir gar nichts anderes übrig, als die Spitze zu übernehmen. Es war erstaunlich, wie wenig Druck wir dort von den Gegnern bekamen.“ Im Preis des Winterfavoriten (Trial II) setzte sich April Love mit einer grandiosen Speedleistung durch. Noch im Schlussbogen schien die mit ihrem Trainer Jorma Oikarinen an dritter Stelle positionierte Zweijährige überhaupt nichts mit der engeren Entscheidung zu tun zu haben. Aber der finnische „Iceman“ hatte nur geblufft – denn als Jorma Oikarinen seinen Angriff startete und im Sulky seiner Stute eiskalt Gas gab, zog April Love spielerisch an dem Piloten Floyd Fortuna (Conrad Lugauer) und Frances F Boko (Roland Hülskath) vorbei.

Im Rahmenprogramm sprang für Thorsten Tietz sogar ein dritter Treffer heraus. Berlins Champion führte Louisdor, der eine Runde vor dem Ziel das Kommando übernommen hatte, zu einem überlegenen Erfolg. Michael Schmid und SJs Sunday trumpften nach genau dem gleichen Strickmuster auf – der Sieg fiel allerdings wesentlich knapper aus. Maik Esper gelang ein Doppelschlag: Der Profi dirigierte sowohl Bahia de Payre als auch I Walk The Line von der Spitze aus mit souveränem Vorsprung über die Ziellinie. Mit exakt identischer Taktik steuerte Thomas Heinzig den Stall-Dianium-Traber My Sweet Lord zum Volltreffer. Die 122:10-Außenseiterin Höwings Rohini Z kam dagegen von ganz hinten und flog im Einlauf am gesamten Feld vorbei. Ihre erst 21-jährige, in Hoppegarten lebende Fahrerin Franziska Höltje bewies coole Cleverness. Man sollte sich ihren Namen unbedingt merken, denn die Amazone hat bei ihren ersten Fahrten auf Anhieb sehr viel Talent bewiesen. Schon längst kein Geheimtipp mehr ist Wolfgang May, der seiner Erfolgsbilanz einen weiteren, wenn auch knappen Treffer mit Remo Petral zufügte. Ein besonderes Highlight des Nachmittags war außerdem das Duell zwischen Jag Heuvelland (Josef Franzl) und Andrew Dragon (Maik Esper), das Deutschlands siegreichster Traber der Saison 2013 in der Tagesbestzeit von 15,1/2.000m von der Spitze aus sicher mit einer halben Länge Vorsprung für sich entschied.  

Gesamtumsatz: 100.806,55 Euro - Bahnumsatz: 41.312,00 Euro - Außenumsatz: 59.494,55 Euro

Die nächste unter der Regie des Berliner Trabrenn-Vereins durchgeführte Veranstaltung findet am Sonntag, dem 5. Oktober (13.30 Uhr) auf der Bahn in Karlshorst statt. Im sportlichen Mittelpunkt steht der Trial II A des St. Leger um 7.000 Euro Preisgeld.

Foto von Marius Schwarz: Robbin Bot und Immosand