Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Josef Franzl-Drei aus Vier

 

Der Erfolgstrainer gewinnt mit Going As, Admiral Boom und Alegro. Heinz Wewering erzielt einen Doppelsieg.

Mariendorf, 15. April 2013. Vier Chancen, drei Siege: Das war die Ausbeute des bayrischen Spitzentrainers Josef Franzl bei seinem Mariendorfer Gastspiel. Der Sauerlacher galt bei jedem seiner Starts als Favorit und erfüllte die Erwartungen nahezu perfekt. Heinz Wewering war der zweite Hauptakteur des Abends. Dem ehemaligen Dauerchampion gelang ein Doppelerfolg.

Den ersten Treffer setzte Franzl mit Going As. „Einen besseren Rennverlauf hätte ich mir für sein Saisondebüt gar nicht wünschen können“, strahlte der 41-jährige Profi im Anschluss. In der Tat: Da sich die Gegner vor dem sofort an die Spitze geschossenen Fuchs regelrecht ergaben, musste der aus einer fünfmonatigen Winterpause zurückgekehrte Crack des Rennstalls Germania nicht mehr tun als nötig. In dem zum Gänsemarsch aufgereihten Feld konnte Franzl das Tempo eine Runde lang aus der Partie nehmen und erst auf der Schlusshalben gab der unglaublich souverän auftretende Going As dann richtig Gas. Der Kilometerschnitt von 18,5/1.900m war also wenig aussagekräftig – ganz im Gegensatz zu dem beeindruckenden Erscheinungsbild von Going As. Keine Frage – der bildhübsche Wallach scheint für die kommenden Aufgaben gerüstet zu sein.

Schon ein paar Karten mehr musste Franzls zweiter Sieger Admiral Boom aufdecken, der wenige Minuten später auf die Ehrenrunde ging. Der mit zwanzig Meter Zulage bedachte Wallach trommelte 16,7/2.020m auf die Piste und absolvierte das Rennen dennoch ohne Hast. Denn Franzl ließ sich mit der Offensive lange Zeit. Noch Mitte der Gegenseite lag Admiral Boom ein ganzes Stück hinter der Spitzengruppe. Doch als der Braune kurz vor dem Schlussbogen zügig Boden gutmachte, sah er von der Manier her bereits wie der sichere Sieger aus. Auf der Ziellinie trennten ihn schließlich zwei Längen von dem aus dem ersten Band gestarteten Ymond B (Dennis Spangenberg).

Franzls dritter Tagestreffer mit Alegro geriet dann zu einer regelrechten Machtdemonstration. Denn der Hengst aus dem Besitz von Alois Wegscheider war derartig turmhoch überlegen, wie zuvor wohl kaum ein anderes Pferd der Mariendorfer Saison. Obwohl Alegro vierzig Meter Zulage zu verdauen hatte, wäre er wohl schon eine halbe Runde vor dem Ziel am gesamten Feld vorbei geflogen. Doch Franzl hatte keine Eile und gab dem Aushängeschild seiner Trainieranstalt erst zu Beginn der Zielgeraden den Kopf frei. Alegro stiefelte auf und davon und lief in 16,2/2.040m zehn Längen Vorsprung auf die Gegner heraus, die über eine Statistenrolle nicht hinwegkamen. Das alles geschah völlig mühelos und Alegro vermittelte nur eine leise Ahnung von seinem augenblicklichen Leistungsstand. Was wirklich in ihm steckt, wird der Sechsjährige nun am 1. Mai beim Bild-Pokal in Gelsenkirchen beweisen müssen.

In Franzls Starter-Quartett gab es nur einen einzigen Schwachpunkt: Sein Topfavorit Letsgoagain (14:10) sprang im Viererwetten-Rennen nach einer dreiviertel Runde völlig unvermittelt an und wurde umgehend disqualifiziert. Auch der zunächst drittplatzierte General Eck (André Schiller) fiel dem Urteil der Stewards zum Opfer, denn der Fuchshengst trabte auf den letzten zweihundert Metern nicht mehr sauber. Davon völlig unbeeindruckt blieb Peer G, der im Finish aus der fünften Position heraus von Dennis Spangenberg punktgenau eingesetzt wurde und seine augenblickliche Topform mit einem tollen Sieg für die Farben von Dirk Grusdas unterstrich.      

Heinz Wewering setzte seine Hauptakzente gleich zum Auftakt der Veranstaltung. Leider nahmen nur fünf Teilnehmer das erste Rennen auf. Der bei seinem Debüt eine Woche zuvor noch fehlerhafte Lennart setzte sich Start bis Ziel durch und profitierte dabei vor allem von dem Erfahrungsschatz seines Trainers. Als Kentucky Diamond (Benjamin Hagen) auf der Zielgeraden nachsetzte, roch es einen Moment lang nach einer Galoppade – doch Wewering brachte seinen Schützling mit viel Umsicht fehlerfrei über die Ziellinie. Der siegreichste Trabrennfahrer der Welt hatte es kurz darauf bei seinem zweiten Tageserfolg mit Hallo Again wesentlich leichter. Denn der Dreijährige aus dem Rennstall von Marion Jauß, der schon in der letzten Saison Einsätze bestritten hatte, wirkte sehr trabsicher. Wewering beorderte Hallo Again eine Runde vor dem Ziel an die Spitze und der Hengst wehrte auch den Schlussangriff von Most Wanted As (Michael Schmid) problemlos ab, der ebenfalls in den Jauß-Farben läuft.  

Das über die Meile ausgetragene Amateurfahren des Abends stand unter dem Motto: Was lange währt, wird endlich gut! Denn Pershing Shadow präsentierte sich nach einer längeren Durststrecke wieder so, wie man ihn eigentlich kennt. Sein großes Potential war ohnehin nie bestritten – und dennoch hatte der Stallcrack der Familie Kort seit Juli 2012 nicht mehr den Winnercircle aufgesucht. Doch diesmal war der elegante Traber stark wie nie zuvor. Mit Michael Hamann im Sulky fegte der Dunkelbraune alle Zweifel vom Tisch und verbesserte seinen Rekord mit einer wahren Glanzleistung auf 1:14,9 min. und damit gleich um anderthalb Sekunden. Dies war zugleich die Tagesbestzeit. Hamann hatte dem Hengst ein geschontes Rennen als viertes Pferd an der Innenkante serviert und im Einlauf stürmte Pershing Shadow über die Gegner hinweg.

Auch der von Thorsten Tietz präsentierte Arran Stardust zeigte sich bestens aufgelegt und steckte sogar einen recht schwierigen Rennverlauf weg. Denn bei seiner Attacke auf der Tribünengeraden musste der Wallach doch einiges tun, um sich an dem kräftig gegenhaltenden Sir de Star (Michael Nimczyk) vorbeizukämpfen. Der Widersacher bäumte sich auch im Einlauf mächtig auf und wirkte einen Moment lang siegverdächtig – aber Tietz konnte Arran Stardust auf den letzten Metern noch einmal motivieren und am Ende sprang eine halbe Länge Vorsprung heraus. Mit dem Wallach Monster Face, der eingangs des Rosenhofbogens das Kommando bekam, wäre Tietz nur wenig später fast ein ähnliches Meisterstück gelungen. Doch der Vierjährige wurde genau auf der Linie von Vivo per Lei und Rufus Simoni (Manfred Zwiener) gestellt. Vivo per Leis Trainer und Fahrer Christian Zimmermann muss man ein dickes Lob aussprechen. Er hat den Wallach in eine feine Form gebracht und der durch die Außenspur erzielte Erfolg war für seinen Schützling bereits der dritte Sieg en suite.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 67.406,92 Euro – Bahnumsatz: 15.427,00 Euro – Außenumsatz: 51.979,92 Euro

Die nächste Veranstaltung – der große Stammbesucher-Renntag mit vielen Aktionen – findet am Montag, dem 29. April statt. Beginn ist bereits um 18.00 Uhr!