Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Jörgen Sjunnesson siegt mit Außenseiterin

Der schwedische Spitzenprofi (Foto) triumphiert mit der 402:10-Außenseiterin Sarina und führt zudem Peaches Diamant zum Sieg. Maik Esper imponiert mit den großartig agierenden Fox Dragon und Donna Kievitshof. Auch Thorsten Tietz gelingt mit Dukenightstar VS und On the road Rex ein Doppelerfolg.  

Berlin, 7. Juni 2015.

Ein Pferd, das als frische Siegerin mit einem schwedischen Spitzenfahrer im Sulky antritt und auf dem Wettmarkt dennoch mit einer Quote von 402:10 als riesiger Außenseiter gehandelt wird – eine solche Konstellation besitzt wohl absoluten Seltenheitswert. Bei der Mariendorfer Sonntagveranstaltung wurde sie tatsächlich Realität und diejenigen Zuschauer, die den richtigen Riecher hatten, wurden für ihren Tipp fürstlich entlohnt. Sicherlich – die Gegner, auf die Jörgen Sjunnesson und die von Alexander Dame vorbereitete Stute Sarina trafen, waren nicht von Pappe. Doch dass die Fünfjährige über einen gewaltigen Speed verfügt und sich in einer starken Verfassung bewegt, hatte sich wohl noch nicht deutlich genug herumgesprochen. So blieben nach dem tollen Finish, mit dem Sarina die eigentlich schon als klare Siegerin aussehende Mon Cherie Ass (André Pögel) genau auf der Linie festgenagelt hatte, reichlich erstaunte Gesichter zurück. Nur bei Jörgen Sjunnesson nicht: „Ich bin nicht überrascht, denn die Stute ist ein feines Pferd!“       

Ganz anders gestaltete sich der Rennverlauf beim zweiten Tagestreffer des 52-jährigen Profis, der in seiner Heimat schon weit über 1.500 Rennen gewann und noch am Elitloppett-Wochenende mit einem Sieg in der Silberdivision geglänzt hatte. Nach vielen ausgezeichneten Platzierungen ging Peaches Diamant auf ihre längst überfällige erste Ehrenrunde. Sjunnesson hatte bereits in der Startphase Nägel mit Köpfen gemacht. Die für die Besitzergemeinschaft Gruber, Hardtke, Sandeck und Schermelleh laufende Stute war sofort in Front gestürmt und gewann mit fünf Längen Vorsprung in 16,1/1.900m völlig überlegen. Jörgen Sjunnesson: „Peaches Diamant war heute absolut stark und ich freue mich sehr über den Sieg. Ich genieße es ohnehin, in Mariendorf Rennen zu fahren, denn die Atmosphäre auf der Bahn ist wirklich klasse. Ich komme bestimmt schon bald wieder nach Berlin!“

Noch wesentlich schneller als Sjunnessons Sieger waren die beiden Pferde unterwegs, mit denen sich Maik Esper an diesem Nachmittag auf die Ehrenrunde begab. Neue persönliche Rekordmarke und Tagesbestzeit: Donna Kievitshof raste in 13,5/1.900m um die Bahn und ihr Trainer und Fahrer verpasste ihr im Anschluss natürlich ein ganz dickes Lob:  „Ich bin unheimlich stolz auf diese tolle Stute, die immer alles gibt!“ In der Tat – es war wirklich phänomenal, welche Reserven die für die Farben von Walter und Margitta Föllmer laufende Donna Kievitshof freimachte, als sie mit Erreichen der Zielgeraden aus dem Windschatten des Piloten Vulkan (Daniel Wagner) heraustrat, dem man ebenfalls eine Klasseleistung attestieren darf. Zweieinhalb Längen betrug der Abstand zwischen den beiden Streithähnen, der von Grande Dame (Heinz Wewering) angeführte Rest folgte abgeschlagen.

Sein zweiter Treffer gelang Maik Esper wenig später mit Fox Dragon, der in 14,6/1.900m einen weiteren Schritt in Richtung auf die großen Jahrgangsrennen unternahm und – nachdem er eine Runde vor dem Ziel an die Spitze gegangen war – drückend überlegen triumphierte. Eine Leistung, die man gar nicht hoch genug einstufen kann: Das Laufvermögen des Hengstes ist beeindruckend. Maik Esper: „ Ich hatte eigentlich gar nicht vor, mit ihm die Führung zu übernehmen. Aber Fox Dragon war auf den ersten 500 Metern recht nervös und er mag es überhaupt nicht, wenn man ihn in solch einer Phase mit aller Gewalt zurücknehmen will. Daher ließ ich ihm seinen Willen. Der Braune verfügt über phantastische Schnelligkeit. Keine Frage: Fox Dragon ist ein Vollbomber!“

Auch Thorsten Tietz punktete doppelt. Berlins Champion steuerte zunächst den für die Farben von Thomas P. Feldhahn laufenden On the road Rex zum Sieg. Der Wallach ging nach einer dreiviertel Runde nach vorne und gewann souverän. Damit endete für den Siebenjährigen eine lange Durststrecke, denn sein letzter voller Erfolg datierte auf den Mai 2013 zurück. Ganz anders sah die Ausgangslage mit Dukenightstar VS aus. Der von Jens Niklas trainierte Wallach hatte in diesem Jahr noch keine Niederlage kennenlernen müssen. Und er behielt die weiße Weste – denn den Schlagabtausch mit der als Stutenderby-Mitfavoritin gehandelten Global Fun (Heinz Wewering) entschied der Wallach schon in der Startphase sofort für sich. Dukenightstar VS gab die Spitze bis zum Zielpfosten nicht mehr ab. Seine Gegnerin verkaufte sich zwar ebenfalls prächtig und war für das zweite Geld völlig ungefährdet – gegen den 15,0/1.900m trabenden Sieger besaß Global Fun aber keinerlei Chance.     

Dafür hielt sich Heinz Wewering mit einem weiteren für die Farben von Marion Jauß laufenden Dreijährigen schadlos. Nämlich mit Nikkei, der zur Quote von 12:10 als der Tipp des Tages galt. Der Hengst wurde der hohen Einschätzung in 16,1/1.900m vollauf gerecht. Dabei fand der kleine Bruder des Derby-Siegers Nu Pagadi noch nicht einmal einen guten Verlauf vor, sondern er musste die komplette Anfangsrunde in der Angriffsspur bestreiten. Nikkei absolvierte das Pensum dennoch bravourös und gewann mit zwei Längen Vorsprung. Heinz Wewering: „Ich kenne ja auch Nikkeis Mutter Noblesse Oblige, die ich damals trainiert habe, sehr gut. Der Hengst ist vom Typ her allerdings ein ganz anderes Pferd. Er wird noch reifen und wir müssen die wenigen Wochen bis zum Derby optimal nutzen, um dann zu schauen, was geht. Aber ein Kompliment kann ich ihm schon jetzt machen: Er ist ein eisenharter Bursche mit einem treuen Charakter!“    

Beim ersten Start gleich der erste Volltreffer: Einen besseren Einstand für seinen Traber kann sich kein Besitzer wünschen. Für das Berliner Ehepaar Christa und Hartmut Dillges wurde dieser Wunsch-Einstand am Sonntag Realität, denn in der Hand seines Trainers Heiner Christiansen legte Molto Bene H nach einem idealen Rennverlauf als zweites Pferd innen prompt die Maidenschaft ab. Eine kleine Träne gab es dennoch im Knopfloch – denn der großrahmig gewachsene und von seinem Erscheinungsbild ungemein überzeugende Dreijährige besitzt im Gegensatz zu den oben genannten Siegern Fox Dragon und Nikkei leider keine Derby-Nennung. Heiner Christiansen: „Aufgrund einer Zahnoperation musste der Hengst länger mit dem Training aussetzen und das Derby kommt zu früh für ihn. Aber ich bin vollauf überzeugt von diesem tollen Pferd! Ich bin mir absolut sicher – der Braune wird seinen Weg gehen!“        

Eine dicke Überraschung gab es im dem den Hobbyfahrern vorbehaltenen Viererwetten-Rennen, denn mit dem 225:10-Außenseiter Sivori Effe und Michael Hamann hatten nicht viele gerechnet. Die komplette Reihenfolge mit Avelon (Marcus Gramüller), I Walk The Line (Werner Schnieder) und dem Topfavoriten Wee Can As (Sarah Kube), der letztlich an seiner ungünstigen Startnummer elf scheiterte, war sogar gar nicht getroffen – es ergab sich ein Viererwetten-Jackpot in Höhe von 4.496 Euro! „Ich hatte Sivori Effe zuvor noch nicht kennengelernt – ein ursprünglich angepeilter gemeinsamer Start bei der Deutschen Amateurmeisterschaft musste abgesagt werden, weil der Wallach an kleineren Wehwehchen litt.“ Das zweite Amateurfahren der Veranstaltung, die vor lukrativen Quoten nur so strotzte, ging an Sarah Kube und den Start bis Ziel auftrumpfenden Oberst, der seine Gegner ganz seinem Namen entsprechend stramm stehen ließ. „Er hätte locker noch eine Runde weiterlaufen können“, freute sich die Amazone im Anschluss.

Gesamtumsatz: 117.966,15 Euro - Bahnumsatz: 38.813,20 Euro - Außenumsatz:  79.152,95 Euro.

Unser Terminhinweis: Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Sonntag, dem 21. Juni statt. Beginn ist um 13.30 Uhr.

Foto von Marius Schwarz: Jörgen Sjunnesson, der bei seinen zwei Siegen eine Kostprobe seines Könnens abgab