Trabrennen in Berlin – Mariendorf: Indio Corner mit angezogener Handbremse

Benjamin Hagen und Indio Corner (Foto: Marius Schwarz)

Der von Benjamin Hagen gesteuerte Wallach lässt den Gegnern keine Chance. Mehrere für das Derby vorgesehene Pferde stellen sich siegreich vor.   

Er genoss sehr viel Vertrauen und enttäuschte seine Anhänger nicht: Der für 16:10 gehandelte Indio Corner wurde bei der von traumhaftem Wetter begleiteten Mariendorfer Sonntagveranstaltung allen Erwartungen gerecht und musste mit Benjamin Hagen im Sulky lediglich eine bessere Trainingseinheit verrichten, um das mit 4.000 Euro dotierte Hauptrennen zu gewinnen. Der von seinem Trainer Hannu Voutilainen optimal vorbereitete Wallach kam in der 2.500-Meter-Prüfung blendend aus dem Band und übernahm die Führung nach einem kurzen Schlagabtausch mit Michigan Venus (Thorsten Tietz), der aber wenig später von den Beinen geriet und disqualifiziert wurde. Das war allerdings auch schon der einzige spannende Moment, denn der restliche Verlauf glich einer One-Horse-Show und an der Reihenfolge Indio Corner vor Vulkan (Daniel Wagner) und Louisdor (Maik Esper) änderte sich bis zur Ziellinie nichts mehr. Ohne auch nur ein einziges Mal aufgefordert zu werden, ließ Indio Corner seinen Kontrahenten in 1:14,2 min. mit zwei Längen Vorsprung nicht den Hauch einer Chance. Mit diesem Kilometerschnitt war der Wallach übrigens in bester Gesellschaft – gleich sechs der zehn Rennen mündeten im 14-er Bereich.

Ein besonderes Augenmerk galt natürlich den jungen Pferden. Gleich drei für das Derby vorgesehene Traber glänzten an diesem Nachmittag. Eine gelungene Generalprobe für ihre zukünftigen Einsätze auf höchster Ebene lieferte Gestüt Neritz‘ dreijährige What you want in der Hand von Kornelius Kluth ab. Die Stute legte sich unterwegs hinter dem führenden Lewis Hamilton (Heinz Wewering) auf die Lauer und setzte dann im Einlauf zu einem langgezogenen Schlussangriff an. Die Braune zog in 16,2/1.900m mit dem allerletzten Schritt an dem sich heftig wehrenden Piloten vorbei. Ebenfalls absolut prächtig verkaufte sich ein weiterer Dreijähriger, von dem man mit Sicherheit noch sehr viel hören wird: nämlich Zauni. Thorsten Tietz führte den groß gewachsenen Hengst eine Runde vor dem Ziel an die Spitze und aus dieser Position heraus trommelte Zauni sensationelle 14,1/1.900m auf die Mariendorfer Piste.

 „In Absprache mit den Besitzern werde ich Zauni im Adbell-Toddington-Rennen vermutlich nicht starten, um ihm noch mehr Zeit zum Reifen zu geben“, lautete das Fazit des Berliner Champions, der zugleich seinem Kollegen Manfred Zwiener ein dickes Kompliment machte: „Manne hat das Pferd ja in der letzten Saison betreut und ganze Arbeit geleistet – der Hengst hat sich damals unter seiner Obhut großartig entwickelt und damit wurde eine hervorragende Basis für die Zukunft gelegt.“ Wenig später stellte Thorsten Tietz dann eine Dreijährige vor, die ebenfalls das Zeug zu Höherem hat: Mon Etoile siegte in 16,0/1.900m Start bis Ziel und löste sich auf den letzten Metern mit glatten acht Längen vom Feld – ein beeindruckendes Debüt. Sie könnte durchaus ihrer Mutter Belle Arnie nacheifern, die 2004 mit Rolf Hafvenström einen Stutenderby-Vorlauf gewann.       

„Ich habe von der Dunkelbraunen eine große Meinung und sie wird in diesem Jahr sicherlich noch häufig auf die Parade gehen!“, strahlte Michael Nimczyk nach seinem Sieg mit Ontheway Diamant. Die Sechsjährige setzte sich bereits in der höllisch schnellen Startphase mit sehr viel Autorität durch und ließ in 14,5/1.900m auch im weiteren Verlauf keinen Gegner mehr vorbei. Dank der Mariendorfer Supersieg-Garantie gab es enorme 43:10 für die Favoritin – eine überaus lukrative Quote für die hochklassige Vierbeinerlady, die 2015 bei nur dreizehn Einsätzen stolze 16.000 Euro Preisgeld für ihre Besitzergemeinschaft, die Familien Schwarz und Van Dijk,  verdient hatte. Gleich im Anschluss holte der Goldhelm seinen zweiten Tagestreffer – und zwar für dieselben Farben: Replay Diamant rang bei ihrem dritten Sieg en suite aus der Angriffsspur heraus den Tempomacher Donington (Jorma Oikarinen) gute hundert Meter vor dem Ziel nieder.

Zwar nicht als Besitzer, aber als Züchter landete das Gestüt M.S.Diamanten sogar noch einen dritten Treffer. Rainbow Diamant setzte in der Hand seines Trainers Heinz Wewering ein dickes Ausrufezeichen. Der vierjährige Hengst, der auf der letzten Gegenseite das entscheidende Zeichen bekam und ad hoc gewaltigen Druck auf die führenden Pferde machte, raste in fulminanten 14,0/1.900m, die zugleich die Tagesbestzeit darstellten, um die Bahn und löste sich im Einlauf spielerisch von den Konkurrenten. Heinz Wewering: „Seine Leistung überrascht mich nicht – er hatte bei seinen letzten Starts leider nicht immer das Glück auf seiner Seite und diesmal war ich schon im Vorfeld sehr optimistisch, dass es klappt.“ Wenig später kam auch die Lebensgefährtin des siegreichsten europäischen Sulkyfahrers in den Winnercircle: Chantal Solhart. Die Amazone punktete für eigene Farben mit Theodor Fontane, der zunächst die Spitze nahm, dann das Kommando auf der  Schlussrunde abgab und genau auf der Ziellinie wieder zur Stelle war.

Berlusconi und Kay Werner nahmen die Siegesserie nach dem kürzlichen vierten Rang umgehend wieder auf. Nach einer Rochade mit Peaches Diamant (Roman Matzky) zog Georg Raddes Wallach eingangs der Tribünenseite endgültig nach vorne und gab der konsequent durchziehenden und mit dem zweiten Geld belohnten Gegnerin in bärenstarken 14,5/1.900m Fersengeld. Berlusconi steigerte seinen  Rekord damit um mehr als eine volle Sekunde! Kay Werners Stallteam agiert also weiterhin in toller Form. Aber auch für André Pögel läuft es derzeit richtig rund: In der Mariendorfer Amateurfahrerwertung liegt der Sportler unangefochten in Führung und sogar bundesweit schaut alles super aus, denn er rangiert in der Top Ten hinter Julia Knoch (elf Siege) mit neun Treffern auf Rang zwei. Diesmal schlug der „Mann in Blau“ mit Kubi Kievitshof zu, und zwar in imposanten 15,4/1.900m Start bis Ziel.

Gesamtumsatz: 113.633,34 Euro – Bahnumsatz: 46.867,60 Euro - Außenumsatz: 66.765,74 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Sonntag, dem 22. Mai statt. Beginn ist um 13.30 Uhr. Im absoluten sportlichen Mittelpunkt stehen die ersten großen Klassiker des Derby-Jahrgangs: das Adbell-Toddington-Rennen um 20.000 Euro Preisgeld und der mit ebenfalls 20.000 Euro dotierte Adbell-Stutenlauf.