Trabrennen in Berlin - Mariendorf: Indio Corner gewinnt die Regenschlacht

Benjamin Hagen und Indio Corner

Der Wallach bleibt in der Hand von Benjamin Hagen (Foto) weiterhin ungeschlagen und stürmt zur Tagesbestzeit. Rossini Diamant und Josef Franzl gewinnen ebenfalls mit großer Autorität.    

Berlin-Mariendorf, 15. November 2015.

Wenn eines konstant war an diesem erfreulich umsatzstarken und durchweg mit lukrativen Quoten glänzenden Renntag, dann war es der Regen. Es schüttete aus Eimern bei der Veranstaltung auf der Derby-Bahn, die unvergessenen Aktiven gewidmet war. Für die Pferde und Fahrer also wahrlich keine angenehme Aufgabe. Es gab dennoch etliche beeindruckende Leistungen zu bewundern. Vor allem der 13:10-Topfavorit Indio Corner imponierte in der Hand von Benjamin Hagen einmal mehr und trommelte trotz der widrigen äußeren Bedingungen die Tagesbestzeit von 15,2/2.000m auf die klebrige Piste. Der Hengst stürmte Mitte des ersten Bogens an Samir (Josef Franzl) vorbei an die Spitze und gewann das mit Spannung erwartete Duell deutlich. Auf der Zielgeraden kämpfte sich Samir zwar noch einmal näher heran – Indio Corner behauptete sich aber souverän mit einer Länge Vorsprung und setzte die goldene Serie fort: Er blieb auch beim dritten gemeinsamen Start mit Benjamin Hagen ungeschlagen. Mit der identischen Taktik punktete der Berufsfahrer auch bei seinem zweiten Tagessieg: Bianca Boshoeve diktierte ihren Gegnern das Tempo und ließ keinen Verfolger entscheidend heran.

Geradezu sensationell schnitt Benjamin Hagen auch mit der 648:10-Außenseiterin Broadway City in der Gewinnsummenklasse bis 4.750 Euro ab, der im Vorfeld kaum jemand einen Ehrenplatz zugetraut hatte. Gegen den Sieger dieser Prüfung war die Stute allerdings komplett chancenlos, denn der von Josef Franzl präsentierte Rossini Diamant machte seinem Namen alle Ehre und gab klar den Ton an. Der bei 11:10 notierte Tipp des Tages enttäuschte seine Anhänger nicht und hat das Zeug dazu, ein echter Star zu werden. Der Vierbeiner-Crack der Familie Schwarz übernahm mit Erreichen des ersten Bogens die Führung und ging im weiteren Verlauf vor dem Feld spazieren – das Rennen war für den Dreijährigen nur noch eine bessere Trainingsarbeit. Josef Franzl: „Rossini Diamant ist sehr groß gewachsen und steckte in dieser Saison noch mitten in seiner Entwicklung. Daher kam das Derby zu früh für ihn. Aber der Wallach wird seinen Weg gehen!“ Eine Perspektive, die man auch Franzls zweitem Sieger Successful zutrauen kann. Der Hengst des Rennstalls Germania siegte nach exakt dem gleichen taktischen Schema und deklassierte seine Kontrahenten von der Spitze aus.              

Fast 1.800 Meter lang sah er wie der sichere Sieger aus – nur im Ziel nicht. Der 14:10-Topfavorit Big Thunder (Sarah Kube) hatte eigentlich alles voll im Griff und führte überdeutlich, als ihm Mitte des Einlaufs urplötzlich eine schwere Galoppade unterlief. Der Ausfall sorgte für eine Quoten-Explosion. Denn Werner Schnieder, der sich im Sulky des diffizilen Acapulco Boshoeve eigentlich schon mit dem zweiten Platz zufrieden gegeben hatte, war nun der Triumphator und die weitere Reihenfolge Doktor Schulze (Marlene Matzky) vor Harry Bo (Sebastian Behrens) und Tamara Cloc (Christina Scheck) schraubte die Viererwette auf gigantische 205.022:10. Für Werner Schnieder, der nun richtig Blut geleckt hatte, war damit aber längst nicht Schluss: Der Hufschmied feierte noch einen zweiten Treffer und gewann mit Kubi Kievitshof, den er vom Fleck weg offensiv eingesetzt hatte.         

Kleiner Floh ganz groß – das war das Motto beim Sieg von Floh G und Thorsten Tietz. Die Leistung des Fuchswallachs aus dem Besitz von Dirk Grusdas war einfach bärenstark und auch sein unbändiges Temperament scheint ihm nun immer seltener Striche durch die Rechnung zu machen. Obwohl der Fünfjährige das gesamte Rennen in zweiter und dritter Spur bestreiten musste, streckte der 21:10-Favorit die Nüstern im Einlauf  nach vorne und hielt auch die nur durch einen kurzen Kopf voneinander getrennten Mister Rene (Thomas Heinzig) und Panasonic Diamant (Kay Wener) in Schach.

„Er hat in den vergangenen Monaten häufig Pech gehabt und zum einen hochklassige Konkurrenten und zum anderen harte Rennverläufe angetroffen. Diesmal hat alles gestimmt – der Wallach hat sich den Erfolg wahrlich verdient!“, lobte Heinz Wewering seinen Schützling Theodor Fontane bei der Siegerehrung. Auf dem ersten Kilometer ließ der 29-malige Deutsche Meister dem Wallach zunächst einmal Zeit – doch Mitte der Gegenseite konnte Theodor Fontane nach außen wechseln. Aus dem Schlussbogen heraus flog Theodor Fontane in Riesenschritten heran und erkämpfte sich in 15,7/1.900m noch dreieinhalb Längen Vorsprung auf den Piloten Bolero R.A. (Thomas Panschow).        

Siebzehn Jahresstarts, dreizehn Erfolge: So lautet nunmehr die Saisonbilanz von Garry, dem der Titel des siegreichsten deutschen Trabers 2015 kaum noch zu nehmen ist. Mit Ronja Walter im Sattel war Heinz Schlemeiers Wallach erneut eine Macht. Garry hatte seine Doppelzulage blitzschnell wettgemacht und stürmte eine Runde vor dem Ziel an die Spitze. Sarah Kube und Inari wagten zwar einen gefährlich ausschauenden Schlussangriff – aber Garry gab sich zu keinem Zeitpunkt eine Blöße und machte sich auf den letzten fünfzig Metern wieder entscheidend frei.

Was für ein tolles Debüt! Stall Aleos 138:10-Außenseiter Look de Paris begab sich in der Hand von Thomas Panschow gleich beim ersten Start seiner Rennlaufbahn auf die Siegerparade. Da einige der Favoriten schon in der Anfangsphase an Galoppaden scheiterten, konnte der Fuchswallach unblutig das Kommando übernehmen – das schmälert aber nicht die tolle Leistung, mit der Look de Paris das Rennen von der Spitze aus nachhause brachte. Der Dreijährige kam mit den schwierigen äußeren Bedingungen blendend zurecht und scheint ein gutes Nervenkostüm zu besitzen. Man darf gespannt sein, wie es mit ihm weitergeht.

Look de Paris war aber nicht der einzige dreistellige Sieger der Berliner Veranstaltung, denn den Vogel schossen Manfred Zwiener und der 238:10 –Außenseiter Samos in der Abschlussprüfung ab. Praktisch das gesamte Rennen über war von dem Wallach, der für die Farben  von Helmut Klose läuft und erstmalig vom ehemaligen Europameister gesteuert wurde, nichts zu sehen – aber genau auf der Linie war Samos zur Stelle und fing die Pilotin Give me Love (Heinz Wewering) mit dem letzten Schritt ab. Manfred Zwiener: „Der Rennverlauf kam uns sehr entgegen, denn das Tempo an der Spitze war viel zu hoch. Ich wusste also, dass unsere Chance noch kommt!“           

Gesamtumsatz: 142.640,70 Euro - Bahnumsatz: 43.832,40 Euro - Außenumsatz:  98.808,30 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Sonntag, dem 29. November statt. Veranstaltungsbeginn ist um 13.30 Uhr.

Foto von Marius Schwarz