Trabrennen in Berlin – Mariendorf: Holdt und Othello Jaycee sind eine Macht

Das Erfolgsgespann gewinnt das Heinz-Mohr-Memorial 2012

Sie waren die klaren 20:10-Favoriten und wurden den Erwartungen vollauf gerecht: Hans-Jürgen von Holdt und Othello Jaycee trugen sich am Sonntag mit einer überzeugenden Leistung in die Siegerliste des renommierten Heinz-Mohr-Memorials ein. Bei der anschließenden Ehrung erwartete die Beiden ein großer Bahnhof, denn neben der VDT-Spitze waren die Söhne und Enkel von Heinz Mohr zugegen.

Das Rennen war eine glasklare Angelegenheit: Den besten Start hatte Arrow (Katharina Ecker) erwischt, doch auch Othello Jaycee war von der Grundmarke aus schnell auf den Beinen. Hans-Jürgen von Holdt wählte die Offensivtaktik und führte den Wallach vor den Tribünen an die Spitze, die er bis ins Ziel nicht mehr abgab. Der Sechsjährige ließ die Angriffe von Herana (André Pögel) und Eskil (Jan-Dirk Walter), die in der Endabrechnung die Plätze drei und vier belegten, souverän abprallen und war in 16,7/2.000m bereits auf der sicheren Seite, als der erstmalig Lars Lüdtke anvertraute Meringo Star einen feinen Schlussakkord setzte und auf den Ehrenrang vorstieß. Während der Nachmittag für Hans-Jürgen von Holdt, der zuvor bereits mit Hotliner (19:10) auf die Siegerparade gegangen war, einfach optimal verlief, gab es für Günter Schiefelbein ein böses Nachspiel. Der Amateur hatte mit Sweet Sunny King zunächst zwar den dritten Platz im Mohr-Memorial belegt, war auf der Gegenseite aber Ghost of Space (Michael Hamann) in die Quere gekommen. Sweet Sunny King wurde daraufhin aus der Wertung genommen und Schiefelbein mit zehn Tagen Fahrverbot bestraft.

Das Rahmenprogramm des mit 3.500 Euro dotierten Memorials ging klar an Thorsten Tietz, der seine Führung in der bundesdeutschen Top Ten mit drei Erfolgen weiter ausbaute. Der Berufsfahrer punktete zuerst mit Annabel Charisma (16:10), die das Kommando schon kurz nach dem Start übernommen hatte und in 16,1/1.900m sehr souverän agierte. Noch schneller – nämlich in der Tagesbestzeit von 15,8/1.900m – war sein 19:10-Favorit Adraline unterwegs. Ganz besonders hervorzuheben ist aber der Sieg von Thorsten Tietz mit Daydream (14:10). Die aus der überragenden Stute Maydream Meter (162.497 Euro Gewinnsumme) stammende Vierjährige hat offenbar das gleiche Talent geerbt, das ihre Schwester Cilantro auszeichnet, die im Vorjahr den Stuten-Grand-Prix gewann. Daydream zog auf der Gegenseite im Rush am Feld vorbei und ging bei ihrem Sieg in 17,3/1.900m mit Weile-Vorsprung spazieren. Eines ist nach diesem Glanzauftritt klar: Dieses Pferd scheint zu Höherem geboren zu sein. Ihr Besitzer Klaus Bockhoff wird an der von Ulrike Dassler gezüchteten Traberlady noch sehr viel Freude haben.

Der zweite Punktgarant für das Team von Trainer Roman Matzky war Dennis Spangenberg, der sich in Mariendorf mittlerweile unübersehbar zuhause fühlt. Der 29-Jährige, der stramm auf den 300. Sieg seiner Fahrerkarriere zumarschiert, ging mit dem diesmal erst auf der Zielgeraden gebrachten Next on Line Sib (39:10) auf die Ehrenrunde, der eine bärenstarke Kilometerzeit von 15,9/1.900m auf die Piste getrommelt hatte. Neben dem Matzky-Erfolgsquartett gab es jedoch weitere, nicht minder beeindruckende Vierbeinerhelden. So präsentierte Manfred Zwiener seinen Stallcrack Pershing Shadow (25:10) in bestechender Art und Weise. Der mehrmalige Berliner Champion setzte ganz auf die Defensivtaktik und ließ seinen Schützling zunächst nur am Ende des Feldes mitlaufen. Als Zwiener dem Hengst dann aber das entscheidende Zeichen gab, trumpfte Pershing Shadow ganz groß auf und setzte sich im Einlauf in 17,0/2.500m überlegen mit vier Längen Vorsprung von den Gegnern ab.

Fast identisch verlief das Rennen für Franzl Crown (24:10), der von seinem ständigen Fahrer Benjamin Hagen ebenfalls erst auf den letzten dreihundert Metern eingesetzt wurde. Der Seriensieger musste sich in 16,4/1.900m zwar noch mächtig gegen den 264:10-Außenseiter Achilles (Thorsten Tietz) strecken. Aber seine Entwicklung unter der Obhut des Trainers Wolfgang Kamps wird zu einer echten Erfolgsstory: Je stärker seine Konkurrenten werden, um so mehr scheint Franzl Crown bereit zu sein, noch eine Schippe draufzulegen und an jeder neuen Aufgabe zu wachsen. Sein Sieg war kein Deut schlechter als der von San Sicario (24:10), mit dem Rolf Hafvenström frei nach dem Motto „Wenn die Eltern eines Trabers Viagra und Sexy Hexy heißen, muss der Nachwuchs eine explosive Mischung sein“ ganz anders vorging. Der Schwede ließ den von Claudia Konitzer trainierten Wallach schon eine Runde vor dem Ziel richtig treten. Das Ergebnis war ein Kilometerschnitt von 15,9/1.900m.

Bei der Veranstaltung wurden ohnehin durchweg schnelle Zeiten erzielt. Der in Tschechien beheimatete Trainer Mykola Volf ging mit dem Wallach Natisk (80:10) auf die Ehrenrunde. Der Sportler setzte den Dunkelbraunen auf der Schlusshalben in der Angriffsspur ein und Natisk zog bei seinem Mariendorfer Debüt in starken 16,4/1.900m mit drei Längen Vorsprung an Okey Dokey (Rolf Hafvenström) vorbei, die bis in den letzten Bogen hinein die Tempoarbeit gemacht hatte. Ein feiner Erfolg sprang außerdem für Mike Dwornickis Stute Höwings Pothos Z (32:10) heraus, die zugleich eine Pechserie beendete. Die Fünfjährige bewies in der Hand von Heinz Wewering, was wirklich in ihr steckt, und steigerte ihre Rekordmarke mit einem vortrefflichen Acht-Längen-Sieg auf 16,0/1.900m.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 103.738,22 Euro – Bahnumsatz: 36.368,00 Euro – Außenumsatz: 67.370,22 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Montag, dem 7. Mai statt. Der Beginn ist um 18.30 Uhr!