Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Global challenger ist der neue Thron-Anwärter

Michael Schmid führt den Jauß-Hengst zum Buddenbrock-Sieg. Der Stutenlauf geht an Thorsten Tietz und Georgina Corner. Heinz Wewering und Prinz Poldi beherrschen den Charlie-Mills-Trial.

Die Wochen unmittelbar vor dem wichtigsten deutschen Trabrennen gleichen oft einem Auf und Ab: Immer dann, wenn sich gerade ein Derby-Favorit herausgeschält hat, wird er im nächsten Moment bereits wieder in dieser Rolle abgelöst. Am Sonntag erwischte es den für unschlagbar gehaltenen Hengst Dream Magic BE und seinen Fahrer Josef Franzl. In dem mit 25.000 Euro dotierten Buddenbrock-Rennen kassierte das Gespann eine hauchdünne Niederlage gegen den von Michael Schmid gesteuerten Global challenger (156:10), der für die Farben von Marion Jauß läuft.

Ein Rennen, dass die Gemüter der Fans und Fachleute mächtig erhitzte und viele Diskussionen entfachen ließ. Nicht nur, weil mit der fast grausamen Siegzeit von 18,0/1.900m der langsamste Buddenbrock-Kilometerschnitt seit 1985 herausgesprungen war, sondern weil sich alles um die zentrale Frage drehte: Hatte Josef Franzl wirklich die richtige Taktik gewählt? Nachdem der bayrische Spitzenprofi nämlich mit Dream Magic BE eingangs des ersten Bogens die Führung übernommen hatte, bremste er die Pace auf Durchgangszeiten von 21,8 und 25,0 ab und selbst ausgangs der Gegenseite – in der Phase also, wo es normalerweise höllisch schnell wird – joggte Dream Magic BE nur in lächerlichen 18,0 über die Bahn.

Hatte Franzl mit dieser Verschleppungstaktik also den finalen Angriff von Global challenger, der bis in den Schlussbogen hinein noch an letzter Stelle des durch Fehler von Tristan Toro (Veijo Heiskanen) und Romanelli (Kay Werner) auf fünf Teilnehmer dezimierten Feldes gelegen hatte, überhaupt erst ermöglicht? Denn mit riesigem Speed erwischte Global challenger seinen Gegenspieler im Anschluss tatsächlich genau auf der Linie. Nun – diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten und man sollte sich vor überhasteten Vorwürfen hüten. Denn zum einen ließ Dream Magic BE, der sich eingangs der Zielgeraden zunächst sogar deutlich freigemacht hatte, bis auf Global challenger keinen anderen Konkurrenten mehr auch nur annähernd heran. Und zum anderen war die Speedattacke von Global challenger, der in den vergangenen Monaten ohnehin immer stärker in das Geschehen an der Jahrgangsspitze eingegriffen hatte, wirklich erstklassig. Beide Pferde standen bei ihrem Auftritt deutlich über CC Rider (Heinz Wewering) und Tamburini (Robin Bakker), die auf den Plätzen drei und vier landeten. Mister John (Thomas Panschow) wurde nach einem Fehler im Einlauf disqualifiziert.

Den Ruf des absoluten Topfavoriten hat Dream Magic BE also verloren – doch einen Zacken hat sich der Spitzenhengst, der weiterhin als einer der heißesten Anwärter für den Derby-Sieg gilt, dabei keinesfalls aus der Krone gebrochen. Im Gegenteil – die Spannung vor dem trotto.de 117. Deutschen Traber-Derby, dem Rennen aller Rennen, wird noch weiter gesteigert. Eine Dramatik, die auch für das Eduard Winter Stuten-Derby gelten wird. Denn auch dort hat sich der Kreis chancenreichen Pferde durch den herausragenden Sieg der von Thorsten Tietz präsentierten Georgina Corner (70:10) bei dem mit 12.500 Euro dotierten Buddenbrock-Stutenlauf schlagartig erweitert. Die Stute des Recklinghäuser Besitzers Klaus Bockhoff, die im Windschatten der am Ende drittplazierten Yuamour (Josef Franzl) ein Traumrennen vorgefunden hatte, entfachte auf der Zielgeraden einen grandiosen Speedwirbel und ließ Enigma (Michael Schmid), die stets geführt hatte, in 16,6/1.900m mit drei Längen Vorsprung keinerlei Chance. Nach dieser erstklassigen Leistung von Georgina Corner kann Thorsten Tietz, dem im Rahmenprogramm noch zwei weitere Siege durch Michigan Venus (18:10) und Zora Island (18:10) gelangen, den Stutenderby-Vorläufen am 28. Juli mit viel Hoffnung entgegenschauen.

Den gleichen Optimismus – allerdings für ein anderes Derby-Highlight, nämlich das mit 25.000 Euro dotierte Charlie-Mills-Rennen am 29. Juli – wird der Hooksieler Besitzer Immo Müller hegen. Denn sein vierbeiniger Superstar Prinz Poldi (48:10) gewann das dritte große Topereignis der Mariendorfer Veranstaltung, den mit 7.000 Euro dotierten Charlie-Mills-Trial II, und schlug dabei in starken 15,1/1.900m keine geringeren Gegner als Dschingis Khan (Gerd Biendl) und Ziesolo (Michael Nimczyk). Im Sulky des Hengstes saß Heinz Wewering, der alles goldrichtig machte. Nach einem Rennen als zweites Pferd innen konterte Prinz Poldi den unermüdlich rackernden Dschingis Khan genau am Zielpfosten aus. Wewering hatte sich schon mit einem feinen Erfolg durch Admiral As (81:10) auf den Trial-Sieg eingestimmt, der auf sich der langen 2.520-Meter-Strecke in 1:16,0 gegen Alegro (Josef Franzl) durchgesetzt hatte.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 192.906,53 Euro – 74.052,50 Bahnumsatz: Euro – Außenumsatz: 118.854,03 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der Start der Derby-Woche 2012 –findet am Samstag, dem 28. Juli ab 12.30 Uhr statt. Seien Sie dabei, wenn Deutschlands bedeutendstes Trabrennereignis beginnt! Am ersten Tag stehen neben der feierlichen Eröffnung der Derby-Woche vor allem die Vorläufe des Eduard Winter Stuten-Derbys und das mit 50.000 Euro dotierte Auktionsrennen der Zweijährigen im Mittelpunkt.