Trabrennen in Berlin – Mariendorf: Garry bleibt unantastbar

Garry mit seiner Reiterin Ronja Walter (Foto: Marius Schwarz)

Ronja Walter reitet den Gegnern mit dem Wallach in bärenstarken 1:14,5 min. auf und davon. Thorsten Tietz gelingt ein lupenreiner Hattrick. Jorma Oikarinen präsentiert eine beeindruckende neue Dreijährigen-Hoffnung. 

Ellen Losensky war die erste Gratulantin im Winner-Circle. „Sie ist einfach die beste Reiterin in ganz Deutschland und von ihrem wahnsinnig tollen Pferd bin ich sowie total begeistert“, lobte die rennsportbegeisterte Unternehmergattin die Monté-Championesse Ronja Walter und ihren Wallach Garry nach deren fulminanten Sieg im Mariendorfer Hauptereignis, einem mit stolzen 3.500 Euro dotierten Monté. Dass eine solch stattliche Summe zusammenkam, war der Eisenhüttenstädterin, die am Sonntag zudem Geburtstag feierte, und ihrem Gatten Klaus persönlich zu verdanken. Denn das Ehepaar, dem ein renommiertes Autohaus gehört, hatte das Preisgeld großzügig aufgestockt. Obwohl ihre Heimatstadt rund 125 Kilometer von Berlin entfernt liegt, versäumen Ellen und Klaus Losensky kaum einen Renntag – und am Sonntag brauchten sie ihren Besuch erst recht nicht zu bereuen.

Denn das was Gary und Ronja boten, war einmal mehr großartig. Deutschlands siegreichster Traber der Saison 2015 hatte trotz seiner Doppelzulage schnell den Anschluss an die von der 2.000-Meter-Marke gestarteten Konkurrenten hergestellt und machte unaufhörlich Druck. Als der die Farben von Heinz Schlemeier tragende Wallach dann schließlich die Spitze übernommen hatte, ließ er auch einem Klasse-Gegner wie Jag Heuvelland (Marisa Bock) nicht den Hauch einer Chance. Im Gegenteil: Der ebenfalls mit vierzig Meter Zulage bedachte Seriensieger musste eine glasklare Niederlage anerkennen und folgte mit Weile-Rückstand. Zum drittplatzierten Indigo Guardian (Maja Unterdörfer) klaffte ebenfalls eine riesengroße Lücke.

Im besonderen Blickpunkt des Publikums standen an diesem Tag aber nicht nur Deutschlands herausragender Monté-Spezialist, sondern die dreijährigen Pferde. Und die Zuschauer bekamen einen neuen Star zu sehen! Denn Berlins „fliegender Finne“ Jorma Oikarinen setzte das, was er im von Christoph Pellander geführten Vorab-Interview optimistisch angekündigt hatte, wenige Minuten später auf der Rennpiste nahtlos um und führte die Debütantin Noble Dolly zu einem Start-Ziel-Triumph, der überall für verblüffte Mienen sorgte. Die Ready-Cash-Tochter siegte in 15,5/1.900m quasi mit der halben Bahn und degradierte ihre Gegner zu Statisten. Quasi aus dem Nichts heraus besitzt Noble Dolly nun einen ernstzunehmenden Stellenwert. Das Fernziel ist klar. Jorma Oikarinen: „Ich will mit ihr am Derby teilnehmen!“ 

Eine zweite Stute hat ebenfalls das Zeug dazu: Die von Thorsten Tietz präsentierte Mon Etoile gab nach einem geschonten Verlauf an der Innenkante in einem spannenden Finish keinem Geringeren als Lemaitre (Maik Esper) das Nachsehen. Von der mäßig klingenden 17,7/1.900m-Kilometerzeit sollte man sich nicht täuschen lassen – die erste Runde verlief in schläfrigem Bummeltempo. Umso schneller waren die letzten beiden Durchgangszeiten, die 11,9 und 12,5 lauteten. Dass Mon Etoile in dieser rasanten Phase noch mit einer Länge an dem Piloten Lemaitre vorbeizog, war mehr als nur beachtlich.

Für Tietz stellte dieser Erfolg den Auftakt zu einem lupenreinen Hattrick dar. Denn Berlins Champion führte im Anschluss nicht nur Aggetto, der vor den Tribünen am gesamten Feld vorbeirauschte und den Gegnern in 14,5/1.900m Fersengeld gab, auf die Ehrenrunde, sondern er punktete auch mit dem heißesten Favoriten der gesamten Veranstaltung: mit Fiobano. Der mit einer Quote von 10:10 als nahezu unschlagbar eingeschätzte Hengst rechtfertigte das grenzenlose Vertrauen mit einer wahren Demonstration. Fiobano raste in 14,9/1.900m zu einem Start-Ziel-Sieg und selbst die mit nicht weniger als drei Erfolgen hintereinander im Handgepäck angereiste Ivy Corner (Michael Nimczyk) musste sich mit neun Längen Rückstand geschlagen geben. Klar ist: Der für die Besitzergemeinschaft Christoph Wintermeyer und Johann Holzapfel laufende Fiobano ist für die Derby-Schlacht bestens gerüstet.       

Auch der ebenfalls dreijährige Skip Beau wird immer besser und scheint den Hufspuren seiner älteren Brüder Obi Wan Kenobi und Bruce Patrick HS folgen zu wollen. Bei seinem dritten Lebensstart gelang dem Fuchshengst, der sich nach einer halben Runde an die vierte Stelle außen verbessert hatte und im Einlauf problemlos Reserven freimachte, mit seinem Trainer Maik Esper bereits der zweite Sieg. Aber natürlich setzten auch die älteren Pferde Glanzlichter: Der von Michael Nimczyk gesteuerte Lighten up Today ging nach wenigen hundert Metern an die Spitze und siegte in 14,7/1.900m drückend überlegen mit sechs Längen Vorsprung. Peron Viking und Josef Franzl übernahmen im Scheitel des ersten Bogens die Spitze und brachten das Rennen trotz eines sehenswerten Schlussangriffs von Willow Bay Evert (Jorma Oikarinen) in 15,4/1.900m sicher nachhause. Bourbon Design legte in der Hand von Katharina Kramer die Maidenschaft ab. Die Stute lag stets in der Spitzengruppe und löste sich auf der Zielgeraden souverän von den Verfolgern. Mit der gleichen Autorität kam Bellevue in der Hand von André Pögel von der Spitze aus nachhause.

Gesamtumsatz: 109.675,58 Euro – Bahnumsatz: 38.358,20 Euro - Außenumsatz: 71.317,38 Euro.

Unser Terminhinweis: Der nächste Mariendorfer Renntag findet am Sonntag, dem 3. Juli statt. Im sportlichen Mittelpunkt stehen der erste Vorlauf zum Berlin-Jägersro Super Trot Cup, der Preis der Schnellsten (Serie I) und der Jugend-Preis (Trial I). Bitte beachten Sie: Veranstaltungsbeginn ist um 13.30 Uhr!