Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Freie Fahrt für den Mollema-Express

 

Der Sieg im Adbell-Toddington-Rennen 2014 geht an Arnold Mollema und seinen Hengst Expo Express. Robin Bakker und Star Potential triumphieren im Stutenlauf.

Mariendorf, 18. Mai 2014.

Der erste herausragende Dreijährigen-Klassiker der Saison stand zur Entscheidung an. Im Adbell-Toddington-Rennen und dem Stuten-Pendant ging es um insgesamt 37.500 Euro Preisgeld. Und es waren einmal mehr die niederländischen Trainer und Fahrer, die mit ihren Pferden ein dickes Ausrufezeichen im Kampf um die Vorherrschaft im Derby-Jahrgang setzten. Arnold Mollema gewann den Hauptlauf mit seinem selbst gezüchteten Hengst Expo Express in 15,2/1.900m. Zwar deutlich langsamer, aber in absolut souveränem Stil war die von Robin Bakker präsentierte Star Potential im Stutenlauf unterwegs. Für die kleine Schwester von Mustang’s Sally blieb die Stoppuhr bei 17,3/1.900m stehen. Aus deutscher Sicht war der Erfolg der zuvor bei der Breeders Crown zweitplatzierten Traber-Lady natürlich ganz besonders erfreulich – denn Star Potential trägt die Farben des Besitzers Frank Zickmantel, der in der Gemeinde Emmering in der Nähe von München lebt.

Doch zurück zum Adbell-Hauptlauf: Im Vorfeld schien durchaus ein Großteil der zwölf Teilnehmer für den Sieg in Frage zu kommen – doch an den Wettschaltern konzentrierte sich die geballte Aufmerksamkeit voll und ganz auf die einzige Stute im Starterfeld. Nämlich Stacelita, die aufgrund der optimistischen Einschätzung ihres Trainer und Fahrers Josef Franzl („Sie gehört zu den besten Pferden, die ich bisher kennengelernt habe!“) am Toto als klare 18:10-Favoritin gehandelt wurde. Die in den Besitz des Rennstalls Germania gewechselte Dreijährige sollte im weiteren Verlauf in der Tat eine überaus prominente Rolle spielen – doch zunächst einmal setzten einige ihrer Gegenspieler die auffälligsten Akzente.

Denn nicht Stacelita gab vom Fleck weg den Ton an, sondern Nico Way (Heinz Wewering) und Brasco (Maik Esper) kämpften auf den ersten Metern vehement um die Spitze. Mitte des ersten Bogens hatte sich Brasco endgültig durchgesetzt. Hinter Nico Way ergatterte Eugene F Boko (Robin Bakker) den dritten Platz an der Innenkante. Außen marschierte nun auch Stacelita auf und in ihrem Windschatten war bereits der spätere Sieger Expo Express auszumachen, der trotz seiner ungünstigen Ausgangslage mit der Nummer 12 einen wahren Blitzstart hingelegt hatte. Innen daneben hatte sich Breitling (Dennis Spangenberg) positioniert und die weitere Reihenfolge lautete SJs Sunday (Michael Nimczyk) vor Indover (Michael Schmid) und Bourgogne (Gerhard Steinhaus). Latino Glass (Andrea Lombardo), Elliot Rich (Thorsten Tietz) und Blue Diamond As (Rob de Vlieger) waren bereits durch Fehler ausgefallen.

Bis Ende der Gegenseite bestimmte Brasco bei durchweg flottem Tempo klar das Geschehen. Doch beim Einbiegen in den Schlussbogen – genau in dem Moment, als sich Stacelita in der Angreiferspur stark in Szene setzte – geriet der Crack des Berliner Rennstalls Living Dream unvermittelt von den Beinen und wurde disqualifiziert. Dadurch kam der in Brascos Rücken lauernde Nico Way in die Bredouille, denn Heinz Wewering musste seinen Schützling, der zu diesem Zeitpunkt noch volle Reserven besaß, abrupt aufnehmen. Nico Way reagierte mit einer Galoppade und war damit – völlig ohne jede eigene Schuld – von einer zur anderen Sekunde komplett aus der Partie.

Stacelita hatte den Vorfall unbeschadet überstanden und kam mit Erreichen des Einlaufs mächtig auf Touren. Doch obwohl die Stute einen feinen Endspurt auf die Piste trommelte, wurde nun auch Expo Express immer stärker. Fünfzig Meter vor der Linie hatte der 104:10-Außenseiter die Sensation tatsächlich geschafft und seine Nüstern nach vorne gestreckt. Nur einer hätte ihm bei besserem Verlauf wohl gefährlich werden können – nämlich Eugene F Boko. Der Wallach belegte zwar nur den dritten Rang, doch der Stil war imponierend. Denn Eugene F Boko war im Schlussbogen hoffnungslos eingebaut und als er dann auf der Zielgeraden endlich die freie Passage fand, war der Dunkelbraune das bei weitem schnellste Pferd. Mit etwas mehr Glück hätte Robin Bakker sicherlich als Sieger vom Platz fahren können.

SJs Sunday folgte als Vierter schon drei Längen zurück. Der Jauß-Hengst lief ebenso wie sein Stallgefährte Indover brav mit, ohne aber zu irgendeinem Zeitpunkt entscheidend eingreifen zu können. Auch der unauffällige Breitling besetzte nur eine Nebenrolle, Bourgogne folgte sogar deutlich abgeschlagen. Diese Gegner wird Arnold Mollema zukünftig also kaum fürchten müssen. Der in Wolvega beheimatete Niederländer sagte nach seinem Sieg: „Expo Express steht natürlich erst am Anfang seiner Rennlaufbahn. Aber er ist seinem großen Bruder Unforgettable durchaus ähnlich. Sein stärkster Trumpf ist die ungeheure Startschnelligkeit. Das war auch der entscheidende Faktor für unseren heutigen Triumph. Unser nächstes Ziel ist nun das Buddenbrock-Rennen am 6. Juli. Dann kehren wir nach Mariendorf zurück.“

An diesem Tag werden die Zuschauer dann natürlich auch Star Potential erneut erleben dürfen, die Siegerin des Adbell-Stutenlaufs. Ihr Besitzer Frank Zickmantel („Ich bin sehr stolz, es ist mein bisher bedeutendster Erfolg!“) darf sich schon jetzt auf dieses Ereignis freuen. Denn Star Potential hat genau den richtigen Namen: Die Stute, die nicht nur über eine riesige Köpergröße, sondern auch über ein ebenso großes Phlegma verfügt, hat das Zeug dazu, ein echter Vierbeiner-Held zu werden. Während ihr Trainer Paul Hagoort den Gala-Auftritt seines Schützlings ausnahmsweise nicht vor Ort, sondern von zuhause aus am Live-Stream verfolgte, war ihr Fahrer Robin Bakker, der tags zuvor noch im Sulky solcher Giganten wie Commander Crowe und Robert Bi gesessen hatte, des Lobes voll. „Star Potential hat in der Winterpause tolle Fortschritte gemacht und ist wesentlich reifer geworden. Sie wird ihren Weg gehen!“

Die Stute machte mit ihren acht Gegnern jedenfalls nicht viel Federlesen. Star Potential zog aus der zweiten Spur heraus im Rosenhofbogen nach vorne und ließ dann die Angreiferin Eva Kievitshof (Thorsten Tietz) vorbei, die für ihren Offensivgeist aber nicht belohnt wurde, sondern auf der Zielgeraden mit den Kräften am Ende war und nur Rang fünf belegte. Ganz anders trat die Siegerin auf: Star Potential setzte sich im Einlauf souverän von den Konkurrentinnen ab. Lediglich Pocahontas Diamant (Rob de Vlieger) konnte den Rückstand mit einer feinen Schlussleistung noch auf zwei Längen verkürzen. Exceptionell (Arnold Mollema) und Babe (Andrea Lombardo) verkauften sich ordentlich, liefen aber erst eine Sekunde hinter Star Potential über die Linie. Die nach anfänglicher Führung völlig ausgepowerte Emerald Bay (Michael Nimczyk) wurde angehalten. Aint she sweet (Michael Schmid), Sunshine Lane (Heinz Wewering) und Sarently As (Maik Esper) kamen nicht glatt über den Kurs.

Neben den beiden Adbell-Läufen bot auch das gesamte Mariendorfer Rahmenprogramm großartigen Sport. Die Tagesbestzeit von 14,2/1.900m lieferten Josef Franzl und Jag Heuvelland ab, die ihren Gegnern Start bis Ziel nicht den Hauch einer Chance ließen. Während dies für den Bayrischen Champion der einzige Volltreffer war, ging der weiterhin in Überform agierende Daniel Wagner sogar mit drei Pferden, nämlich Bolero R.A., Pretty Lover und Oh Happy Day auf die Ehrenrunde. Überaus spektakulär war ebenfalls der Sieg von Christoph Pellander mit Montecore Mo. Der Mommert-Traber wurde trotz Doppelzulage im Einlauf pfeilschnell und ist nun fest als Starter für die Deutsche Amateur-Meisterschaft in Bahrenfeld vorgesehen. Einen tollen Schlussspurt – allerdings unter dem Sattel – legte ebenfalls Aflame Dragon hin und bescherte seiner Reiterin Joana Klein damit zugleich den 50. Sieg ihrer Karriere. Für den Trainer Dirk Grusdas punkteten Emma di Quattro (Dennis Spangenberg) und King of Love (Thorsten Tietz).

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 106.008,64 Euro – Bahnumsatz: 37.984,40 Euro – Außenumsatz: 68.024,24 Euro

Die nächste Veranstaltung findet am Sonntag, dem 29. Juni statt: der große KAISER’S Familien-Renntag. Im sportlichen Mittelpunkt stehen die Trials zum Criterium der Vierjährigen und zum Buddenbrock-Rennen. Die Veranstaltung beginnt bereits um 12 Uhr.