Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Eine schrecklich nette Familie

 

Trabrennen in Berlin-Mariendorf:

Eine schrecklich nette Familie

 

Drei Brüder, drei Erfolgstypen: Mister PK, Victory Love und Lou Trec sorgen für einen geradezu einmaligen Rekord

 

Eine regelrechte Armada von bayrischen Trabern ging bei der Mariendorfer Sonntagveranstaltung an den Start. Doch der erwartete kräftige Föhn aus dem Süden erwies sich nur als überaus laues Lüftchen. Für die weiß-blauen Besitzerfarben blieb nichts Nennenswertes übrig. Stattdessen teilten sich Thorsten Tietz (drei Siege / zweimal Zweiter) und Heinz Wewering (zwei Siege / dreimal Zweiter) in einem Dauerduell fast den gesamten Preisgeldkuchen.  Auch die beiden Amateurrennen ergaben eine klare Monopolstellung: Sarah Kube drehte zweimal zur Parade um.

Den absoluten Vogel schoss allerdings der Trainer Frank Ostermann aus Burgwedel in Teamarbeit mit dem Hamburger Besitzer und Züchter Peter Krohm ab. Die Beiden feierten einen sensationeller Totaltriumph, den es in dieser Form – wenn überhaupt – bisher wohl nur ganz selten gegeben hat. Sie setzten in den vergangenen Jahren nämlich im wahrsten Sinne des Wortes auf das richtige Pferd! Auf Lady Medal, die in ihrer Rennkarriere 26 Siege und 41.799 Euro Gewinnsumme erzielt hatte und der nun in ihrer zweiten Laufbahn als Zuchtstute ein absoluter Volltreffer gelang: Mit ihren Söhnen Mister PK, Victory Love und Lou Trec stellte die Stute am Sonntag drei Sieger, eine fast schon weltrekordverdächtige Bilanz! Eine schrecklich nette Familie also – nur dass es im Gegensatz zur berühmten Comedyserie für ihre Konkurrenten nichts zu lachen gab.

Zwei dieser drei Siegpunkte gingen auf das Konto von Heinz Wewering, der gleich zum Auftakt des Renntages im Sulky von Lou Trec (19:10) sein ganzes fahrerisches Können bewies. Denn der 29-malige Deutsche Champion trug den diffizilen Hengst quasi auf Händen um die Bahn. Besonders auf der Gegenseite, als Lou Trec auf Augenhöhe neben dem führenden Monet Lavec (Heiner Christiansen) lag, roch es regelrecht nach einer Galoppade. Doch Lou Trec verkniff sich in 18,9/1.900m überraschenderweise alle Eskapaden. Falls der Vierjährige zu dauerhafter Nervenstärke findet, sollte er vor einer erfolgreichen Zukunft stehen – denn von seinem Exterieur her weiß der Hengst ungemein zu gefallen.

Ein blendendes Erscheinungsbild – das besitzt natürlich auch Lou Trecs zwei Jahre älterer Bruder Mister PK (14:10). Und er verfügt noch über mehr als das: Nach drei Mariendorfer Saisonsiegen hintereinander ist der Hengst nun auf der Derby-Bahn ohne Frage das Pferd der Stunde. Es war schon beeindruckend, wie Heinz Wewering im Sulky des Braunen die Bemühungen des großen Gegenspielers Alquin Elegance (Thorsten Tietz) vom Start bis zum Ziel ins Leere laufen ließ. Eine rasante Anfangszeit von 09,7 als Entree, gefolgt von einem distinguierten Hauptgang im 21-er Bereich und als krönendes Dessert eine Finishzeit von nahezu unglaublichen 08,8. Mit dieser Wewering-Taktik als Basis duldete Mister PK, der eine Kilometerzeit von 15,5/1.900m trabte, anderthalb Längen vor Alquin Elegance keinerlei Opposition.

Aber ganz so, wie es sich unter Geschwistern gehört, ließen Mister PK und Lou Trec natürlich auch für ihren Bruder Victory Love (27:10) etwas übrig – die Tagesbestzeit nämlich. Der sechsjährige Wallach war mit Sarah Kube im Sulky in bombastischen 15,2/1.900m unterwegs. Die Amazone steuerte den Braunen sofort in Front – und das sollte es gegen den außen herum vergeblich angreifenden Lapoz (André Pögel) dann auch schon gewesen sein. Victory Love gab seinen Vorteil nie auf und kam mit anderthalb Längen Vorsprung unbedrängt nachhause. Bei Sarah Kubes zweitem Tageserfolg sah es allerdings zunächst nicht nach solch einem grandiosen Temposchnitt aus. Denn in der Gewinnsummenklasse bis 7.000 Euro hatten Andreas Marx und Just Like You das Teilnehmerfeld mit schleppendem Bummeltempo eingelullt. Doch als das führende Gespann die Schlagzahl im letzten Bogen auf 13,8 erhöhte, trat auch die Deutsche Amateurchampionesse mit dem 12:10-Favoriten Not to Bi kräftig auf das Gaspedal. Der in Italien gezüchtete Wallach erwischte seine Gegnerin unmittelbar auf der Linie und in 16,9/1.900m sprang doch noch ein achtbarer Kilometerschnitt für ihn heraus.

Auf den Doppelsieg seiner Lebensgefährtin packte Thorsten Tietz noch einen drauf. Dem aktuell in der bundesdeutschen Wertung führenden Berufsfahrer gelang ein lupenreiner Hattrick. Der erste Treffer war mit Annabel J fällig, die sogar einen recht widrigen Rennverlauf locker verkraftete. Denn hinter der bis weit in die Zielgerade hinein vorne liegenden Open Straight (Heinz Wewering) blieb Annabel J der Weg außen herum nicht erspart. Dennoch hatte die 23:10-Mitfavoritin ihre Kontrahentin hundert Meter vor dem Pfosten endgültig erreicht. Die niederländische Stute gewann in 17,4/1.900m am Ende sogar sicher mit einer Länge Vorsprung.

Keine halbe Stunde später führte Jean Pierre Corner (27:10) den Reigen für Thorsten Tietz weiter – und in was für einer Manier! Obwohl der 16:10-Favorit Faustus (Heiner Christiansen) von der Spitze aus keineswegs enttäuschte, musste der Wallach gegen Jean Pierre Corner klar die Waffen strecken. Vom Startplatz zehn aus war vom späteren Sieger auf dem ersten Kilometer naturgemäß recht wenig zu sehen, doch kurz vor dem Schlussbogen schaltete sich Jean Pierre Corner geradezu überfallartig in das Geschehen ein und riss das Kommando sofort an sich. Bei seinem überlegenen Sechs-Längen Triumph steigerte sich der Fünfjährige auf 15,7/1.900m – eine Rekordverbesserung um glatte anderthalb Sekunden!

„Einer geht noch“ hatte sich Tietz wohl daraufhin gedacht und tatsächlich: Tagessieg Nummer drei ließ nicht lange auf sich warten. Die Stute Hey Eck (22:10), die zuletzt im September 2009 – also vor zweieinhalb Jahren – auf eine Ehrenrunde gegangen war, gewann ein Handicaprennen, das ihr exakt auf den Leib geschneidert war. Zudem kam Hey Eck der geschonte Verlauf als zweites Pferd an der Innenkante entgegen. In 17,6/1.900m hatte die im Einlauf freigekommene Braune die entscheidenden Reserven zur Hand, um den außen herum tapferen Billy Turf (Heinz Wewering) mit einer halben Länge Vorsprung zu bezwingen.

In die Phalanx von Tietz, Wewering und Kube konnten nur Heiner Christiansen und Daniel Wagner einbrechen. Der vielmalige Norddeutsche Champion gewann mit Defiant Dancer, der diesmal eine gute Moral an den Tag legte und die Führungsarbeit konsequent bis zur Ziellinie durchzog. Der am Wettmarkt bei 24:10 gehandelte Wallach trumpfte in 16,3/1.900m mit sechs Längen Vorsprung auf und man darf seinen Sieg fast als Spazierfahrt bezeichnen – denn von Defiant Dancers Fell tropfte nach dem Rennen nicht eine einzige Perle Schweiß. Damit verglichen musste Daniel Wagners Schützling Don Pedro (31:10) erheblich mehr tun. Denn der in den Farben von Susann Glomm laufende Wallach biss sich auf der langen 2.500-Meter-Strecke an der führenden Lotte (Thorsten Tietz) fast die Zähne aus. Doch als der Gegnerin hundert Meter vor der Linie urplötzlich die Beine schwach wurden, war Don Pedro in 1:18,6 min. sofort zur Stelle und nützte Lottes Schwäche gnadenlos aus.

Neben den neun Sulkyrennen wurde auch ein Trabreiten ausgetragen. Die Prüfung entwickelte sich zur glasklaren Angelegenheit für die Sattel-Championesse Marisa Bock, die ihren Konkurrenten mit dem Fuchswallach Sweet Fly keinerlei Chancen ließ. Die Amazone kam beim ersten gemeinsamen Start mit dem hin und wieder etwas schwierigen Franzosen, der am Wettmarkt bei 20:10 rangierte, prima zurecht und führte den Sechsjährigen aus dem ersten Band heraus sofort an die Spitze. Sweet Fly dominierte die 2.000-Meter-Prüfung sehr deutlich und eilte seinen Konkurrenten auf der Zielgeraden in 1:18,9 min. völlig überlegen mit sieben Längen Vorsprung davon.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

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Gesamtumsatz: 109.675,38 Euro – Bahnumsatz: 32.608,50 Euro – Außenumsatz: 77.066,88 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große PMU-Renntag – findet am kommenden Freitag, dem 9. März statt.  Der Beginn ist bereits um 16.30 Uhr! Bitte beachten Sie auch das auf unserer Website www.berlintrab.de veröffentlichte Angebot unserer Rennbahngastronomie für diese erstklassige sportliche Veranstaltung.