Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Die erste Krone

Das Adbell-Toddington-Rennen 2015: Wer wird die Vorherrschaft im Derby-Jahrgang übernehmen? Im Haupt- und im Stutenlauf geht es für die 23 Teilnehmer um 37.500 Euro Preisgeld. 

Berlin-Mariendorf, 17. Mai 2015 (Start des 1. Rennens um 14.00 Uhr).

Es ist ein bedeutendes Omen: Das Adbell-Toddington-Rennen liefert entscheidende Erkenntnisse darüber, welche Traber für den Derby-Sieg in Frage kommen. Der beste Beweis für die eminente Wichtigkeit dieser Zuchtprüfung: Bei den jüngsten acht Austragungen setzte sich sechs Mal dasjenige Pferd durch, das am Ende auch beim Kampf um das Blaue Band die Nüstern vorne hatte. Bereits im Jahr 1922 fand der Klassiker zum ersten Mal statt und das Renommee, das dieses Rennen seit dieser Zeit besitzt, ist immens. Es wiegt sogar noch mehr als die beträchtliche Preisgeldsumme von 37.500 Euro, die sich auf den Haupt- und den Stutenlauf verteilt. Es gibt keinerlei Zweifel: Im Adbell-Toddington-Rennen werden Vierbeiner-Stars geboren! Der Vorjahressieger Expo Express, der im Anschluss auch das Buddenbrock-Rennen und das Derby gewann, unterstrich diesen Fakt in der vergangenen Saison auf eindrucksvolle Art und Weise.

Sein Trainer und Fahrer Arnold Mollema versucht den großen Wurf erneut – und zwar mit dem kleinen Bruder von Expo Express: dem Hengst Flashback. Der zwar körperlich nicht sonderlich riesig, aber überaus kompakt wirkende Traber gewann Mitte April einen Adbell-Trial in überlegener Manier und sein damaliger Fahrer André Bakker, der diesmal Mollemas zweite Stallfarbe Queenswood steuern wird, lobte den Braunen im Anschluss: „Flashback stieß bei seinem Sieg längst nicht an seine Grenzen – ich habe auf den letzten Metern noch einiges in der Hand gehabt.“ Es ist allerdings unübersehbar, dass der Hengst angesichts der erlesenen Güte seiner Gegner nun noch eine Schippe drauflegen muss. Denn nahezu alle der zwölf Teilnehmer des als achte Tagesprüfung ausgetragenen Adbell-Hauptlaufs können sich auf exquisite Qualitäten berufen.

Dies gilt insbesondere für Floyd Fortuna, der mit seinem Trainer Conrad Lugauer aus Schweden anreist und bei seinem Saisondebüt in Halmstad prompt auf die Ehrenrunde ging. Danach startete der für die Farben von Dagmar und Thomas Bosner laufende Hengst in Solvalla und scheiterte in erster Linie an seiner ungünstigen Ausgangsposition – er hatte die Nummer 12 erwischt. Diesen Ausrutscher sollte man also keinesfalls überbewerten. Dass der Mitfavorit aber nicht unschlagbar ist, lässt sich mit einem anderen Ergebnis belegen: Im Vorjahr unterlag Floyd Fortuna April Love (Foto), die obendrein einen großartigen zweiten Platz beim Preis des Winterfavoriten belegt hat und ebenfalls zum Kreis der Sieganwärter gehört. Ihr Trainer und Fahrer Jorma Oikarinen lässt keinen Zweifel daran, dass die Stute die große Route gehen wird und dem vermeintlich stärkeren Geschlecht nicht ausweicht. April Love blieb auch schon vor Iceman Bo (Roland Hülskath) und Halva von Haithabu (Thomas Panschow). Die Tochter der leider vor wenigen Tagen eingegangenen Aprilliebe (52.660 Euro Gewinnsumme) gehört zu den Pferden, die man auf dem Tippschein ganz oben notieren sollte.

Das Kreuz in der ersten Zeile gehört auch Adriano BR (Erwin Bot). Der jüngere Bruder des in Berlin bestens bekannten San Siro BR präsentierte sich am BILD-Renntag in Gelsenkirchen bärenstark. Unmittelbar neben ihm gehen Fox Dragon (Maik Esper) und Cash Hanover (Thorsten Tietz) ins Rennen – beides Pferde, die sich bei ihren Stallteams höchster Wertschätzung erfreuen. Nach zwei drückend überlegenen Siegen hintereinander lobte Maik Esper seinen Schützling: „Fox Dragon gebärdet sich im Rennen zwar viel komplizierter, als es sein blitzsauberer Formenspiegel vermuten lässt. Er ist vom Charakter her also nicht ganz einfach – aber seine körperlichen Voraussetzungen sind fantastisch. Der Hengst verfügt über eine wahnsinnige Übersetzung und ist eine echte Rennmaschine!“ Auch Thorsten Tietz schwört auf Cash Hanover trotz des kürzlichen Ausfalls weiterhin große Stücke: „Er steht ja erst am Anfang seiner Entwicklung. Aber vom Können her gehört Cash Hanover zu den besten Pferden, die ich bisher gesteuert habe.“

Eine Auffassung, die jener von Michael Nimczyk über dessen Schützling Rene M Newport frappierend ähnelt. Nach dem Breeders-Crown-Sieg im November schwärmte der Goldhelm von dem nach dem unvergessenen René Maaßen benannten Hengst in den höchsten Tönen. Zu Recht – denn es war einfach sensationell, wie Rene M Newport auf der Zielgeraden am gesamten Feld vorbeigerauscht war. Doch sein Saisondebüt verlief trotz der schnellen 15,5-Kilometerzeit nicht hundertprozentig zufriedenstellend. Denn der Hengst hatte auf den letzten Metern wenig zuzusetzen. Als Außenseiter sollte man ihn trotzdem nicht einstufen, denn auch der volle Erfolg ist durchaus machbar. Rene M Newport wird genauso wie Ingmar Flevo (Heinz Wewering) ein Wörtchen mitreden, während es für den aus der Konmarry (98.321 Euro Gewinnsumme) stammenden Karibik Express (Dennis Spangenberg) vermutlich sehr schwer wird. Das Fazit lautet: Für den richtigen Adbell-Tipp wird man um einige Kombinationen nicht herumkommen.

Das ist beim Stutenlauf, der bereits als 3. Rennen ausgetragen wird, kaum anders. Acht der elf Teilnehmerinnen konnten schon auf eine Ehrenrunde gehen, Global Fun (Heinz Wewering), eine Tochter der 24-maligen Siegerin Global Winner (106.647 Euro Gewinnsumme), ist sogar noch ungeschlagen. Den schnellsten Rekord im Feld besitzt Flirty or Dirty (André Bakker). Das meiste Preisgeld hat dagegen Indira Bo (Roland Hülskath) auf dem Konto, die im Vorjahr bei der Breeders Crown aufgetrumpfte. Beide müssen sich vor einem „heißen Geschoss“ in Acht nehmen: Die erstmalig von Michael Nimczyk gesteuerte Terrific Pic hat ihre Nerven zwar oft nicht im Griff, gewann aber den Winterfavorit-Stutenlauf auf dem Open Stretch. Ein ausgezeichneter Ruf eilt Fygi Bros voraus, deren Trainer Dion Tesselaar eher selten in Berlin an den Start geht, aber stets erfolgreich agiert. Janske (Erwin Bot), Georgeous Love (Rob de Vlieger), Flower Dragon (Maik Esper), Dream of Paradise (Reinier Feelders), Glamour (Dennis Spangenberg) und Velten Swan Lake (Arnold Mollema) sind ebenfalls gefährlich – es gibt also tatsächlich nicht einen einzigen Streicher in diesem Feld!

Ausgeglichene Prüfungen garantieren gute Quoten. Und mit 27.000 Euro an Jackpots und Garantieauszahlungen werden die vielen lukrativen Wettmöglichkeiten bei der Mariendorfer Veranstaltung noch mächtig aufgestockt. Im oben beschriebenen Stutenlauf ist vor allem die mit 5.000 Euro Garantie ausgestattete Viererwette interessant und nur ein paar Minuten später – nämlich im 4. Rennen – startet die V5. Dazu kommen drei Supersieg-Wetten, eine große Prämienausspielung sowie die Daily Double, die ebenfalls mit einem Jackpot garniert ist. Wer all das abräumen möchte, braucht sich eigentlich nur die richtigen Pferde auszusuchen – und hat dazu unter den vielen exzellenten Trabern, die im Rahmenprogramm an den Start gehen, die freie Auswahl. Stellvertretend seien hier nur Star Potential, Vulkan, Let’s Win, Vincent Mo, William Scott und Cotton Rich genannt. 

Unsere Tipps:

1.oison Spin – Amur – Wee Can As

2.Pininfarina – Happy Love As – Oliver Savage

3.Fygi  Bros – Indira Bo – Flirty or Dirty – Global Fun

4.Star Potential – Vulkan – Let’s win

5.Vincent Mo – Mon Cherie Ass – Adrian Cliv BR

6.Florus G – Raquel Welsh – Merana

7.William Scott – Ronas Liguori  – Brunello SL

8.Floyd Fortuna – Flashback – Cash Hanover – Adriano BR

9.Cotton Rich – Grande Dame – General Eck

10.Big Thunder – Colbert – Tick Tack

Foto von Marius Schwarz