Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Die Dreijährigen schnuppern erste Derby-Luft

Die Hengste Cash Hanover (Thorsten Tietz) und Flashback (André Bakker) gelten im Adbell-Toddington-Trial als Topfavoriten. Das Saisondebüt von Ganystar (Maik Esper) ist ein weiterer Tageshöhepunkt.

Berlin-Mariendorf, 19. April 2015 (Start des 1. Rennens um 14.00 Uhr).

In der Psychologie bezeichnet der Begriff „Flashback“ eine durch einen Schlüsselreiz hervorgerufene spontane Erinnerung – das plötzliche Wiederaufleben von intensiven Gefühlszuständen. Am Sonntag wird der niederländische Spitzentrainer Arnold Mollema zwar nicht in Berlin vor Ort sein, denn er ist am selben Nachmittag in Frankreich aktiv. Aber wenn Mollema dann aus der Ferne seinen gleichnamigen Schützling Flashback beobachtet, der in dem als 8. Rennen ausgetragenen und mit 7.000 Euro Preisgeld dotierten Adbell-Toddington-Trial mit André Bakker im Sulky an den Start geht, dann wird dieser Anblick bei ihm ebenfalls höchst intensive Emotionen auslösen. Denn der dreijährige Hengst ist nicht nur einer der großen Hoffnungsträger seines Rennstalls, sondern er ist untrennbar mit zwei der bedeutendsten Erfolgserlebnisse in der Karriere des prominenten Holländers verbunden. Flashback ist nämlich der kleine Bruder der vierbeinigen Heroen Unforgettable und Expo Express, mit denen Arnold Mollema das Deutsche Traber-Derby gewann.

Ob der edle Hengst tatsächlich die Fähigkeit besitzt, den Hufspuren seiner berühmten Verwandten zu folgen, wird sich natürlich noch zeigen müssen. Aber die ersten Schritte in eine erfolgreiche Richtung waren absolut überzeugend. In Gelsenkirchen erzielte der Braune beim Debüt einen Ehrenplatz, im Anschluss gelang ihm in seiner Heimat Wolvega ein überlegener Treffer. Gemessen an diesen Leistungen ist Flashback, der im Rennen von seiner Stallgefährtin Queenswood (Heinz Wewering) begleitet wird, eigentlich uneingeschränkter Topfavorit – wäre da nicht ein Gegner wie Cash Hanover (Foto), von dem dessen ständiger Begleiter Thorsten Tietz in einer zuvor nur selten gehörten Weise schwärmt. Und da der Berliner Champion Pferde im Regelfall sehr genau einzuschätzen weiß, sollte man seine Worte ernst nehmen. Cash Hanovers Besitzer, der Münchner Unternehmer Frank Zickmantel, wird den kommenden Wochen also sehr gespannt entgegenblicken. Die 1:14,5-Kostprobe, die sein Crack Anfang des Monats gegen ältere und erfahrenere Traber ablieferte, war extraordinär. Sie sorgte dafür, dass der im Vorjahr bei der Breeders Crown zweitplatzierte Cash Hanover in Nullkommanichts überregional bekannt wurde. Glattgehend wird er wohl auch von den weiteren Teilnehmern Nikkei (Michael Schmid), Karibik Express (Dennis Spangenberg), Iceman Bo (Roland Hülskath) und Halva von Haithabu (Thomas Panschow) nichts zu befürchten haben. 

Ob sich dem Berliner Publikum am Sonntag schon der zukünftige Derby-Sieger präsentiert, bleibt abzuwarten. Denn die Saison ist noch jung und in den nächsten Wochen werden sich noch viele andere starke Dreijährige vorstellen. Aber eines ist sicher: Die mit Jackpots und Garantieauszahlungen in Höhe von 26.000 Euro angereicherte Mariendorfer Veranstaltung besitzt Zuchtrennen-Flair. Denn nicht nur der Adbell-Trial, sondern auch die anderen neun Prüfungen sind vorzüglich  besetzt. Gleich das 1. Rennen verspricht viel Spannung: Wenn sie auf den Beinen bleibt, führt an der Frontrennerin Whinny Love (Sebastian Gläser), die im Fritz-Brandt-Vorlauf schon wie die Siegerin aussah, kein Weg vorbei. Im 2. Rennen besitzt neben Fox Dragon (Maik Esper) und Paparazzi Diamant (Heinz Wewering) vor allem auch Peaches Diamant eine ausgezeichnete Chance, auf ihre erste Ehrenrunde zu gehen. Für die von Katharina Merz trainierte Fuchsstute wurde extra der schwedische Topfahrer Jörgen Sjunnesson verpflichtet, der im weiteren Verlauf des Nachmittages zudem einige Fahrten für die Farben von Ulrich Mommert absolvieren wird.

Das 3. Rennen – zugleich Auftakt der V5-Wette – ist ein absoluter Knaller. Denn hier tritt mit Ganystar (Maik Esper) einer der überragenden Traber-Helden der Saison 2014 an. Nach seiner Siegesserie im Derby-Vorlauf, im Bayern-Pokal und im St. Leger scheint sich der Crack des Berliner Stalls Living Dream während des Winters prächtig weiterentwickelt zu haben. Besonders interessant: Der Blitzstarter könnte diesmal einen Verlauf antreffen, den er zuvor noch nie kennengelernt hat. Ganystars Mitbesitzer Sven Block: „Ich vermute, dass der Hengst von der Position acht aus nicht die Spitze bekommt.“ Vor allem der Hauptkonkurrent New Generation (Heinz Wewering) wird auf den ersten Metern für mächtig viel Tempo sorgen. Der Sohn der legendären Nuke it Linsay (798.112 Euro Gewinnsumme) agiert in bestechender Form und ist noch nicht einmal der einzige Teilnehmer in dem erlesenen Feld, der Ganystar Paroli bieten könnte. Spicy A. (Dennis Spangenberg) verfügt über eine höllische Grundschnelligkeit. Chatain (Daniel Wagner) hält genauso wie Quarter Session (André Bakker) auch gegen stärkste Konkurrenten mit. Gespannt darf man auf Velten Ovambo (Thomas Panschow) sein, der früher auf schwedischen Bahnen für Furore sorgte und nun nach seiner langen Verletzungspause einen neuen Anlauf nimmt. May Girl (Jörgen Sjunnesson) und VanHalen (Thomas Heinzig) sind zwar in der Außenseiterrolle, aber jederzeit für eine Überraschung gut.

Das 4. Rennen ist schwer einzuschätzen – mit Sammy (Franz Klein), Lady Maren (André Pögel), Florus G (Sarah Kube), Wariana (Katharina Kramer), I Walk The Line (Werner Schnieder) und Janus R.A. (Michael Schreiber) kommen sechs Pferde für den Sieg in Frage. Das 5. Rennen (mit 5.000 Euro Viererwetten-Garantie) ist für das wettende Publikum ebenfalls eine harte Nuss, denn zwischen Merana (Thorsten Tietz), Oh Happy Day (Daniel Wagner), Octavian (Roland Hülskath), Amundsen Mo (Michael Larsen), Cardea (Oliver Müller) und Theodor Fontane (Heinz Wewering) ist alles offen. Etwas klarer sieht die Angelegenheit im 6. Rennen aus, hier sollte die Entscheidung zwischen Ingmar Flevo (Heinz Wewering) und Akropolis Frei (Maik Esper) liegen. Gleich im Anschluss dann ein absoluter sportlicher Leckerbissen: Der Breeders-Crown-Sieger Louisdor (Thorsten Tietz) misst sich mit Donna Kievitshof (Maik Esper), den Jahres-Debütanten Vulkan (Daniel Wagner) und Star Potential (Dennis Spangenberg) sowie dem Schwarzer-Steward-Zweiten Enrico di Quattro (Manfred Zwiener). Alles auf Mighty Hanover (Thorsten Tietz): So scheint die Devise im 9. Rennen zu lauten – oder doch lieber nicht? Von seinem Laufvermögen her steht der Wallach nicht eine, sondern fünf Klassen über den Gegnern. Doch hat er den schweren Rennverlauf in dritter Spur bei seinem letzten Sieg wirklich mühelos weggesteckt? Das werden die Zuschauer, auf die im 10. Rennen mit Flirty or Dirty (André Bakker) ein weiterer heißer Favorit wartet, erst am Sonntag wissen.          

Unsere Tipps:

1. Whinny Love – Blue Ecu – Uldimeo

2. Fox Dragon – Paparazzi Diamant – Peaches Diamant

3. New Generation – Ganystar – Quarter Session

4. Sammy – Florus G – Lady Maren

5. Merana – Oh Happy Day – Octavian – Theodor Fontane

6. Ingmar Flevo – Akropolis Frei – Intelligente

7. Louisdor – Donna Kievitshof  – Enrico di Quattro

8. Cash Hanover – Flashback – Nikkei

9. Mighty Hanover – Flori Dragon – Candyman Hornline

10. Flirty or Dirty – Sarently As – Dancer Rich

Foto von Maris Schwarz