Trabrennen in Berlin-Mariendorf Dezember 2012: Nintendo SAS wackelt nicht

Georg Frick führt den Wallach zum Sieg im Weihnachts-Pokal-Trial

Mariendorf, 2. Dezember 2012. Nur sechs Pferde am Start – und dennoch ein packendes Finish, genauso wie man es sich wünscht. Das war das Ergebnis des mit 7.000 Euro Preisgeld dotierten Weihnachts-Pokal-Trials, der am Sonntag auf der Derby-Bahn zur Entscheidung anstand. Das Rennen endete mit einem Erfolg des großen Vorab-Favoriten: Der von seinem Trainer Georg Frick exzellent vorgetragene Nintendo SAS gab sich keine Blöße – sehr zur Freude seines extra nach Berlin angereisten bayrischen Mitbesitzers Karl Bühler, dem der fünfjährige Wallach gemeinsam mit dem Stall-Success-Partner Frank Zickmantel gehört.

„Wenn man von allen Seiten schon Tage vorher zum Sieger erklärt wird, kann man so ein Rennen eigentlich nur verlieren“, beschrieb Karl Bühler die für sein Stallteam nicht ganz einfache Ausgangssituation. Und auch der Trainer selber hatte durchaus einige Bedenken. Georg Frick: „Meine größte Sorge war, dass sich Nintendo SAS auf der für ihn fremden Bahn nicht wohlfühlt – denn der Braune ist ein sehr sensibler Bursche und er hat seine Treffer bis auf eine einzige Ausnahme allesamt in Daglfing erzielt“. Doch als es erst wurde, wischte der 16:10-Favorit alle Zweifel mit einer Klasseleistung vom Tisch.

Nintendo SAS profitierte dabei natürlich auch von Georg Fricks taktischer Raffinesse, denn der 48-jährige Profi, der schon seit Monaten in Glanzform agiert, hatte seinem Schützling auf der langen 2.500-Meter-Strecke die Idealposition an vierter Stelle außen verschafft. Zum Spaziergang wurde die Aufgabe dennoch nicht. Das lag am einzigen ernsthaften Widersacher im Feld: Der von Daniel Wagner gesteuerte Yoboko Toscana hatte sofort nach dem Start die Führung übernommen und bot dem Favoriten bis zur Ziellinie Paroli. Am Ende kam in 1:18,3 min. zwar nur ein Kopfvorsprung für Nintendo SAS heraus, der Richterspruch lautete dennoch auf sicher. Der dritte Rang ging fünf Längen hinter den Duellanten an Novelune Rex (Heinz Wewering)

Im Hauptrennen musste sich Daniel Wagner also knapp geschlagen geben – aber dafür hielt sich der in Zossen beheimatete Trainer gleich im Anschluss mit einem Doppeltreffer schadlos. Als erster kam Bolero R.A. zum Zug. Daniel Wagner setzte auf die frühe Offensive und diese Entscheidung erwies sich als goldrichtig, denn Bolero R.A. hatte mit dem Pensum an der Spitze überhaupt keine Probleme und löste sich im letzten Bogen in 16,7/1.900m entscheidend vom Feld. Noch schneller als der Vierjährige war dann nur zwanzig Minuten später der ebenfalls die Farben des Rennstalls Aleo tragende Gaius R.A. in der Tagesbestzeit von 1:16,1/2.000m unterwegs. Der Hengst profitierte von einem Idealverlauf an der Innenkante und ging auf der Zielgeraden souverän am Tempomacher Artos W (Thorsten Tietz) vorbei.

Der zweite Sieg bei nur drei Lebensstarts: Das ist die vielversprechende Bilanz von Grand Ass, der sich mit Heinz Wewering im Sulky auf die Ehrenparade begab und mit Sicherheit vor einer guten Zukunft steht. Auch die Außenspur bereitete dem Sohn der in Berlin noch bestens bekannten Ghana keinerlei Probleme. Sein Besitzer Fritz Pögel darf auf die weitere Entwicklung des Wallachs gespannt sein, der vom Äußerlichen her ganz nach seinem Vater Dyanero geraten ist. Für Heinz Wewering blieb dieser Erfolg nicht der einzige Tagestreffer, denn der 29-malige Deutsche Meister legte wenig später mit seinem Trainingsneuzugang Kongo noch eine Schippe drauf. Der Wallach hatte zügig die Führung übernommen und war auf der Zielgeraden allein auf weiter Flur.

Beim Erfolg des von Maik Espers präsentierten Hengstes Allison Light wurden bei Joana Klein, der Besitzerin des erst zum zweiten Mal geprüften dreijährigen Trabers, bestimmt viele Erinnerungen wach. Stammt der kompakt ausschauende Braune doch aus der Annies Light, mit der die heute 26 Jahre alte Sportlerin schon in der Saison 2002 als damals noch blutjunge Teenagerin ihre ersten Siege erzielt hatte. Allison Light scheint offenbar in die Hufstapfen seiner Mutter treten zu wollen, denn sein Sieg war eine Demonstration und der Hengst fegte seine Konkurrenten in beachtlichen 18,0/1.900m Start bis Ziel von der Bahn.

Das einzige Amateurfahren des Tages ging an Sarah Kube. Ihr 14:10-Topfavorit Doktor Schulze jagte den Wettern zwar einen gehörigen Schrecken ein, als er eine Runde vor dem Ziel kurz vor den Beinen kam. Doch schon unmittelbar danach drehte der hochveranlagte Dreijährige dann richtig auf und ging grußlos an seinen Konkurrenten vorbei. Er stand schon weit vor dem Ziel als Sieger fest. Ein Lob verdiente sich aber auch die zweitplatzierte Nalinas Flashlight. Die von Sandra König clever vorgetragene Vierjährige hat sich mit jedem ihrer Einsätze gesteigert.

Chelsea Norton galt beim Trabreiten als Geheimtipp, denn die Stute hatte im Training überzeugend unter dem Sattel gearbeitet. Ähnliche Vorschusslorbeeren genoss auch ihre Reiterin Josephine Schiller, die längst nicht mehr das Küken unter den Berliner Trabrennsportlern ist, sondern den Umgang mit der Fahrleine und den Zügeln gleichermaßen beherrscht. Ein perfektes Gespann also, das am Wettmarkt trotz Chelsea Nortons relativ nichtssagender Papierform bei einer Quote von 48:10 angemessen beachtet wurde. Eine richtige Einschätzung, denn das Duo wurde den Erwartungen mit einem überlegenen Start-Ziel-Sieg vollauf gerecht.

Auch für einen eher seltenen Gast verlief der Renntag in Berlin erfolgreich: Der in Tschechien lebende Niederländer Alle Loman gab seine Visitenkarte mit Charming Oreau ab. Die Stute, die sofort in Front gestürmt war, blieb damit zum dritten Mal hintereinander ungeschlagen. Auf den letzten zweihundert Metern musste die Dreijährige aber wirklich alles geben und wehrte die in zweiter Spur vehement attackierende Lindy’s Child MS (Josef Franzl) nach erbittertem Kampf nur hauchdünn mit einer Halslänge Vorsprung ab.

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 101.291,72 Euro – Bahnumsatz: 27.599,00 Euro – Außenumsatz: 73.692,72 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung findet am Montag, dem 10. Dezember ab 18.30 Uhr statt.