Trabrennen in Berlin-Mariendorf Dezember 2012: Jürgen Dieck war Chef auf der Kommandobrücke

Der 71-jährige Reeder gewinnt den Advents-Preis der Amateure mit seinem Stallcrack ZZ Top

Er ist ein erfolgreicher Unternehmer aus der Schifffahrtsbranche und ein Weltenbummler: Jürgen Dieck lebt in Bremen, verbringt aber einen Großteil seiner Zeit in den USA. Doch egal, wo sich der 71-jährige Rennstallbesitzer gerade aufhält – seine Aufmerksamkeit gilt immer den Pferden. Mit einem seiner aktuell besten Traber, nämlich dem Wallach ZZ Top, gelang Dieck nun am Sonntag ein großartiger Erfolg: der Sieg beim Advents-Preis der Amateure.

Dabei hatte es nach den beiden Vorläufen des mit insgesamt 13.000 Euro dotierten Rennens nicht einmal optimal für ihn ausgeschaut. Denn die Musik bestimmten zunächst andere Teilnehmer. Die erste Qualifikation wurde eine klare Angelegenheit für Faveau und seine Fahrerin Sarah Kube, die zuvor schon beim Trabreiten mit Ischtvan gepunktet hatte. Die Deutsche Amateur-Championesse beorderte Faveau zunächst an die fünfte Stelle außen. Auf der Gegenseite erfolgte dann der entschlossene Angriff und der Wallach hielt das Heft gegen die vergeblich attackierende Bagheera Boko (Jörg Hafer) fest in der Hand.

Ebenso klar fiel der Erfolg für den von Christoph Pellander präsentierten VanHalen im zweiten Vorlauf aus. Allerdings nach einem völlig anderem Rennverlauf, denn der WinRace-Moderator und leidenschaftliche Pferdenarr, der noch eine dreiviertel Stunde vorher live aus dem Mariendorfer Fernsehstudio alle Rennen der V5-Wette analysiert hatte und einmal mehr seine Vielseitigkeit am Mikrofon und an der Fahrleine bewies, setzte den Traber im Speed ein. VanHalen sprintete grußlos an Chelsea Norton (Jörg Hafer) und dem späteren Finalsieger ZZ Top vorbei. Pellander verpasste VanHalens Besitzern Ulrich und Karin Mommert im Anschluss ein dickes Lob: „Der Wallach litt an großen gesundheitlichen Problemen – aber sie haben ihm alle Zeit der Welt für eine vollständige Genesung gegeben.“

Die Karten waren also verteilt – aber im Finale, das die Qualifizierten des zweiten Vorlaufs mit zwanzig Meter Zulage bestreiten mussten, kam dann alles anders. VanHalen fiel schon vor den Tribünen durch eine Galoppade aus und Faveau, der sich mit schnellem Antritt sofort die Führung gesichert hatte und scheinbar alle Trümpfe in der Hand hielt, folgte dem schlechten Beispiel eine halbe Runde später. Als auch Bagheera Boko kurz darauf ansprang, schien Wakiza (Murat Yüksel) für einen Moment eine ernsthafte Chance zu besitzen. Doch als ZZ Top im Schlussbogen mit großen Schritten auftauchte, war die Frage nach dem Sieger schnell beantwortet. Jürgen Diecks Wallach erkämpfte sich bis zur Linie drei Längen Vorsprung, für das zweite Geld schob sich noch Be Stuck Paasloo (Fred Handelaar) mit einem feinen Endspurt an Wakiza vorbei.

ZZ Tops überaus mäßige Kilometerzeit von 21,4/2.020m spielte dabei eine völlig untergeordnete Rolle, denn der Mariendorfer Renntag wurde von garstigen Witterungsverhältnissen begleitet. Erst starker Schneefall, dann Blitzeis-Regen und am Ende Plusgrade mit Graupelschauern – es kam ganz dick. Kein Wunder, dass sich Jürgen Dieck bei der Siegerehrung auf angenehmere Wochen freute: „Den Januar werde ich in Florida verbringen. Natürlich auch mit Pferdsport, denn ich werde auf der Rennbahn Pompano Park in den Sulky steigen.“ Für seinen tollen Triumph bekam der Sieger sogar zwei Decken überreicht. Eine vom Veranstalter und eine vom Ehepaar Thomas und Manuela Rohde. Den beiden Mariendorfer Stammbesuchern gebührt ein riesiges Lob, denn sie scheuten keine Kosten und Mühen und staffierten auch die Sieger aller anderen zehn Rennen mit einer Pferdedecke und weiteren Präsenten aus - eine wirklich tolle Initiative, die allen Beschenkten viel Freude machte.

Mächtige Weihnachtsfreude kam natürlich auch bei dem glücklichen Gewinner der V5-Wette auf, der als einziger die richtige Kombination im Champions Teehaus mit einem Grundeinsatz von 20 Cent getroffen hatte und dafür stolze 16.867 Euro Dividende einstrich. Es war also trotz des ekligen Wetters ein rundum gelungener und spannender Nachmittag, der allerdings von einem Unfall überschattet wurde. In dem Rennen der Gewinnsummenklasse bis 7.500 Euro, das an Wladimir Gening und Okidoki ging, stürzte Peter Scheack aus dem Sulky von Camira LO und musste mit starken Rückenschmerzen in das Mariendorfer Wenckebach-Krankenhaus eingeliefert werden. Gott sei Dank gab es aber eine schnelle Entwarnung. Der Profi hatte sich nichts gebrochen und konnte das Krankenhaus einen Tag später wieder verlassen, um den Heiligen Abend zuhause zu verbringen.

Schlechte und gute Ereignisse: Nicht nur Peter Scheack, sondern auch Thorsten Tietz ging am Wochenende durch ein Wechselbad der Gefühle. Am Freitag, als der Renntag in Karlshorst aufgrund eines empörenden Sabotageaktes – ein unbekannter Täter hatte die Kabellage von zwanzig Flutlichtmasten zerstört – ausgefallen war, hatte sich seine Ausgangslage beim Kampf um den Goldhelm dramatisch verschlechtert. Dass der designierte Berliner Champion aber trotzdem den Kopf nicht hängen ließ, bewies Tietz mit einem Mariendorfer Doppelschlag: Durch die Siege mit den jeweils auf der Schlusshalben eingesetzten Goetmals Best und Vic Timberlake hielt der 35-Jährige zumindest den Anschluss an Roland Hülskath, der zeitgleich in Mönchengladbach vier Treffer erzielte. Der aktuelle Stand lautet nun 151:150 für Roland Hülskath.

Neben Thorsten Tietz und Sarah Kube war Heinz Wewering der dritte Doppelsieger des Nachmittags und vor allem seine gemeinsame Bilanz mit Kongo ist imponierend. Der Wallach, der zuvor in der alten norddeutschen Heimat bei sechzehn Anläufen sieglos geblieben war, ist seit seinem Wechsel nach Berlin total aufgeblüht. Der Vierjährige hatte seine 20-Meter-Zulage sofort wettgemacht und lief das Rennen von der Spitze aus nachhause. Wewerings zweiter Treffer sprang wenig später mit  Dynamite Goal Ass heraus. Nach einer völlig verkorksten Startphase, bei der das gesamte Teilnehmerfeld weit auseinandergerissen wurde, nahm der Wallach aus dem Besitz von Fritz Pögel das Rennen mit riesigem Bodenverlust auf und war auf der Zielgeraden dennoch das stärkste Pferd.

Für Heiner Christiansen hatte der Sonntag gar nicht gut begonnen – denn aufgrund der katastrophalen Witterungslage und der wegen Glätte gesperrten Autobahn war der vielmalige Nord-Champion erst mit erheblicher Verspätung in Berlin eingetroffen. Umso schneller war Christiansen dann aber auf der Rennpiste mit Starlight T unterwegs. In einem spannenden Finish zog der vom Trainer hoch eingeschätzte Hoffnungsträger mit viel Kampfgeist an dem ebenfalls sehr überzeugenden und von Daniel Wagner gesteuerten Apollon vorbei. Noch dramatischer ging es in der internationalen Klasse zu – und diesmal behielt Daniel Wagner die Oberhand, denn sein Schützling Zuccero trumpfte in der Tagesbestzeit von 18,2/1.900m auf. Nach einem kurzen Führungsgerangel beorderte Wagner Zuccero auf der Tribünengeraden  endgültig an die Spitze und der bärenstarke Wallach behauptete sich in einem regelrechten Endkampf-Krimi mit einem Kopfvorteil gegen Abano Boy (Heinz Wewering).

Die Videos des Renntages sehen Sie auf www.berlintrab.de

Gesamtumsatz: 131.763,57 Euro – Bahnumsatz: 29.425,40 Euro – Außenumsatz: 102.338,17 Euro

Die nächste Mariendorfer Veranstaltung – der große  PMU-Renntag – findet am Freitag, dem 28. Dezember statt. Beginn ist bereits um 16.30 Uhr!