Trabrennen in Berlin-Mariendorf: Der Titel geht über Georgina Corner

Neben der überragenden Vorlaufsiegerin hinterließen Iniesta und Enigma den besten Eindruck / Sir Michel und Mister John wollen im Auktionsrennen Wiedergutmachung

Vor einer Woche hatte sich 34 Ladies für ihr Derby beworben, mehr als zwei Drittel von ihnen hatten entweder nicht ihren besten Tag, oder wurden eindeutig als zu „leicht“ befunden. Immerhin haben einigen von Ihnen ja noch das mit 10.000 Euro honorierte Trostpflaster namens B-Finale vor der Brust. Was die zehn Finalistinnen in ihren Vorläufen abgeliefert haben, lässt den Schluss zu, dass auch von ihnen nur maximal die Hälfte mit der realistischen Hoffnung auf die Jahrgangs-Krone ins Rennen geht, dass mit genau 98.392 Euro die höchste Dotierung in seiner Geschichte gefunden hat.

Der erweiterte Kreis der Favoriten beschränkt sich auf die vier Gesetzten und auf die eine Stute, die eine der im Vorfeld favorisierten Damen eine Niederlage beigebracht hatte. Das gelang Helena von Haithabu (Heinz Wewering), die Yuamour (Josef Franzl) noch abfing. Erstere ist nach zwei Ausrutschern rechtzeitig wieder zur Stelle und Heinz Wewering hat mit neun Siegen im Stutenderby seine Hand für das schwache Geschlecht oft genug nachgewiesen, Yuamour ist in allen Jahrgangsrennen immer unter den ersten Drei eingekommen, doch scheint ihr der entscheidende Touch zum Sieg zu fehlen. Selbst wenn ihr Trainer nach seinem Ehrenplatz mit Indra Comtesse im Vorjahr ziemlich „heiß“ auf mehr ist, realistisch gesehen gehört diesen beiden gegen das restliche Trio nur eine Minichance. Für den Sieg im Eduard Winter Stutenderby kommen im Grunde nur Iniesta (Erik Adielsson) und Enigma (Michael Schmid) in Frage. Beide dominierten ihre Gegnerinnen nach Belieben, mussten so kaum ihre Karten voll aufdecken und kamen fast zeitgleich über die Distanz. Doch ihre 17er Zeiten scheinen angesichts der 1:15,4-Gala-Show von Georgina Corner (Thorsten Tietz), die sich binnen wenigen Tage vom Nobody zur haushohen Favoritin entwickelt hat, fast eine Nummer zu klein.

Nach dem Vorlauf bescheinigte Erik Adielsson der Stall Express-Stute Iniesta viel Talent und Laufvermögen, gestand aber auch ein, dass sie noch nicht immer konzentriert bei der Sache ist. Vielleicht kitzelt Georgina Corner am Sonnabend Iniestas volle Konzentration hervor. In den letzten vier Jahren ging die Krone der dreijährigen Stuten dreimal ins Neritzer Gestüt von Marion Jauß. Und auch heute stellt sie mit drei Startern das quantitativ stärkste Lot. Da oft genug ein günstiger Rennverlauf über Sieg und Platz entscheidet, kann die Neritzer „Frontfrau“ Enigma bei taktischen „Spielchen“ mit der Unterstützung ihrer beiden Stallgefährten Wee Speedy As (Michael Nimczyk) und Gentle Talk (Roland Hülskath) rechnen. Doch als unbestrittene Favoritin tritt die Buddenbrock- und Vorlaufsiegerin Georgina Corner an. Ihre Steuermann Thorsten Tietz sieht dem gelassen entgegen. Sein Statement darf nicht als übertrieben oder zu vollmundig gewertet werden. »Natürlich sind wir fürs Finale die Favoriten, aber mich stört das nicht. Wir haben den Heimvorteil, denn die anderen müssen fast alle ziemlich weite Heim- und Anfahrtswege bestreiten.“ Zudem spricht für die Stute von Klaus Bockhoff, dass sie vor einer Woche den absolut frischesten Eindruck aller Qualifizierten machte. Sie hat nicht den schweren Weg der Jahrgangsrennen in den Beinen hat, trat nur einmal, im Mai trat sie im Diamond Way Trial II an, und musste mit Helena von Haithabu und Yuamour zwei ihrer heutigen Gegnerinnen noch vor sich anerkennen. Seither hat die Stute Schritt um Schritt zugelegt.

Um den opulenten Preispool von 50.000 Euro treten im zweiten Höhepunkt des Renntages, dem Auktionsrennen der Dreijährigen (8. Rennen), elf Traber an. Mit Mister John (Thomas Panschow) und Sir Michel (Erik Adielsson) treten zwei Hengste an, die in den Derbyvorläufen gescheitert sind und nun um Wiedergutmachung bemüht sind. Als Breeders Crown-Sieger startete Tristan Toro (Veijo Heiskanen) stark in die Laufbahn, kam aber in dieser Saison nicht gewünscht in Tritt. Ohnehin ohne Derbynennung, probte er im Buddenbrock-Rennen, kam aber schon eingangs des ersten Bogens aus dem Gleichgewicht. Peter Pan Diamant (Michael Nimczyk) gewann zweijährig den Preis des Winterfavoriten vor keinem Geringeren als Dream Magic BE und hat sich mit zwei feinen Siegen gegen ältere Traber vielversprechend in die Saison zurück gemeldet. Sein gleichfalls deutsch-italienischer Trainingsgefährte Pokerface Diamant (Michael Larsen) hat längst nicht alle Karten aufgedeckt, steht hier aber vor der bisher schwersten Aufgabe seiner Karriere. Mit zwei frischen Siegen reist For Pleasure As (Conrad Lugauer) aus seiner schwedischen Wahlheimat an, die ihn hier nicht gerade aussichtslos erscheinen lassen.

Im Rahmen fallen drei weitere gut dotierte Entscheidungen. Gesucht wird im 3. Rennen der Shootingstar 2012 (10.000 Euro) und im 11. Rennen der Sieger im Derby-Handicap-Pokal „de luxe“ (8.000 Euro), deren Finalisten sich jedoch erst noch bis Sonnabend qualifizieren müssen. Eine Verbeugung vor Berlins wohl erfolgreichsten Trainer und Fahrer der Nachkriegszeit, Gottlieb Jauß, ist das Memorial, das seinen Namen trägt. Unvergessen in der Hauptstadt, als der damalig Berliner Dauerchampion  am 7. August 1988 mit dem Lord Pit-Sohn Tornado Hanover letztmalig einen Sieg im Derby nach Berlin holte. In zwei Abteilungen des Gottlieb-Jauß-Memorial, die jeweils mit 5.000 Euro dotiert sind, treten jeweils elf Pferde an. Mit Zizou AM (Stefan Schoonhoven) tritt im der 1. Abteilung (7. Rennen) der Vorjahressieger an, der aber momentan nach der Form sucht. Die hat Bentley Karan (Michael Schmid) zur Hand, der nach einer Serie von Ehrenplatz zum Sieg steht. Gleiches gilt für Emblem (Thomas Kornau) der zwar immer wieder einen Bezwinger findet und Paycheck (Arnold Mollema), dessen kürzlicher Ausrutscher heute schnell ausgebügelt werden kann. In der 2. Abteilung (9. Rennen) dürfte der Sieg über Credits by Myself (Roland Hülskath Hülskath) gehen, der mit zwei feinen Siegen auf sich aufmerksam machte. Visconti (Stefan Schoonhoven) und Almasi (Gerhard Mayr) verdienen mehr als einen Hinweis, während Neandertal (Rudolf Haller) und Hella Hanover (Josef Franzl) nur glatt gehen müssen, um weit vorn zu landen.

Tipps:

1. Youarenumberone – Harriman – Fun to run

2. Navajo Lavec – Erol Bo – Carlotta BE

3. Finale zum Shootingstar-Cup 2012

4. Jean Pierre Corner – Arnie’s Fanatic – Bemms Kiebitz

5. Bullseye – Pershing Shadow – ZZ Top

6. Freccia rossa – Laluna Comtesse – Honoree

7. Bentley Karan – Paycheck – Emblem

8. Peter Pan Diamant – Sir Michel – For Pleasure As

9. Credits by Myself – Visconti – Neandertal

10. Finale zum Handicap-Pokal “de luxe” 2012

11. Georgina Corner – Iniesta – Enigma – Helena von Haithabu

12. Daydream – Undercover Lover – Sir de Star

13. Finale zum Derby-Kampf der Geschlechter 2012

14. Bruce B Boko – Zappadeo – Feel the Rush

Diese Vorschau für ist für den 5. Tag der Derbywoche 2012 auf der Trabrennbahn in Berlin- Mariendorf. Im Mittelpunkt der Veranstaltungen steht das Finale des Stutenderbys 2012. Die Veranstaltung findet am kommenden Sonnabend ab 12:30 Uhr statt. Das erste der insgesamt dreizehn Rennen wird um 13:00 Uhr gestartet.