Trabrennen in Berlin - Mariendorf: Der große Tag des Jörgen Sjunnesson

Der schwedische Spitzenfahrer gewinnt beide Breeders-Crown-Hauptläufe der fünf- bis siebenjährigen Traber.  

Berlin, 26. September 2015.

Die Breeders-Crown-Hauptläufe der älteren Pferde standen auf dem Programm – und nach beiden Entscheidungen begab sich derselbe Sulkyfahrer zur Siegerehrung in den Mariendorfer Winnercircle: Der schwedische Topdriver Jörgen Sjunnesson gewann sowohl den – inklusive der fünfzehnprozentigen Züchterprämie – mit stolzen 65.232 Euro Preisgeld dotierten Hauptlauf der fünf- bis siebenjährigen Stuten als auch das den Hengsten und Wallachen vorbehaltene und finanziell ebenso wertvolle Pendant. Die Taktik, mit der Sjunnesson seine beiden grandiosen Treffer erzielte, war ebenfalls identisch. Gleich nach dem Start an die Spitze stürmen und keinen mehr vorlassen – so lautete die Devise. Als Erstes machte Sjunnesson es den Gegnern mit Immo Müllers Elma Lane vor. Die Stute gewann in 13,2/1.900m unangefasst und Sjunnesson äußerte sich im Anschluss begeistert: „Ich glaube, ich habe nur selten ein bedeutendes Rennen derartig leicht gewonnen.“ Allenfalls die zweitplatzierte Georgina Corner (Thorsten Tietz) hätte der von Peter Untersteiner trainierten Elma Lane vielleicht gefährlich werden können. Aber die Frankreich-Heimkehrerin lag nach vorsichtigem Beginn zu weit aus dem Rennen und tankte sich auf der Zielgeraden nur noch bis auf zwei Längen an die Siegerin heran. Für den dritten Rang setzte sich Abasi (Gerhard Mayr) hauchdünn gegen Ontheway Diamant (Michael Nimczyk) durch.

Jörgen Sjunnessons zweite Sternstunde mit dem Hengst Punk endete mit einem nahezu identischen Resultat. Denn auch hier betrug der Vorsprung auf die Gegner auf der Ziellinie zwei Längen. Nur die Kilometerzeit fiel mit 12,3/1.900m fast eine Sekunde schneller aus als der Triumph von Elma Lane. Das Rennen war zudem von Turbulenzen gekennzeichnet. Denn der ursprünglich als Zweiter am Pfosten vorbei gesprintete CC Rider (Conrad Lugauer) wurde von den Stewards nachträglich aus der Wertung genommen. Lugauer hatte den Hengst auf der Startgeraden zu früh nach unten gezogen und war dabei Wild Viking, den Rudolf Haller daraufhin aufnehmen musste, in die Quere gekommen. Zwar keine grobe Behinderung, aber eine nach Meinung der Jury dennoch rennentscheidende Behinderung des Konkurrenten, der sonst in die Ideallage an zweiter Stelle innen hinter Punk gefunden hätte. So rückten die Platzierten durch die Disqualifikation CC Riders alle einen Rang vor. Greenspan (Victor Gentz), der auf den letzten Metern viel Speed offenbart hatte, erhielt das zweite Geld vor Montecore Mo (Michael Nimczyk), der in zweiter Spur zwar als mutiger Angreifer agiert hatte, gegen den überragenden Punk aber nicht den Hauch einer Chance besaß. Im Beisein des Besitzers Rune Hansen schwärmte Jörgen Sjunnesson über den von Bo Westergaard trainierten Sieger: „Solch ein phantastisches Pferd lässt jeden Fahrer gut aussehen – mein Anteil am Erfolg ist eigentlich gering.“ Ein klares Understatement, denn der sympathische Skandinavier lieferte in Berlin natürlich eine vorzügliche Kostprobe seines fahrerischen Könnens ab.                 

Neben den beiden Breeders-Crown-Hauptläufen wurden sieben Entlastungen ausgetragen und hier drückte vor allem Roland Hülskath dem sportlichen Geschehen seinen Stempel auf. Denn der mehrfache Deutsche Meister führte drei Pferde auf die Ehrenrunde. Hülskath steuerte zunächst Lady Vera von der Spitze aus zu einem überlegenen Drei-Längen-Sieg. Unmittelbar darauf legte Profi mit der 267:10-Außenseiterin C’est bien nach, die mit einem bravourösen Finish weit außen an den Rails an den Gegnern vorbeiflog. „Über diesen Sieg freue ich mich ganz besonders – denn die Stute litt lange an einer schweren Bronchitis und Atmungsproblemen“, erklärte der Sportler im Anschluss. Mit Helios gab Hülskath dann wieder von Anfang an Gas. Mario Krismanns Wallach fegte in 12,3/1.900m um die Bahn und teilte sich mit keinem Geringeren als dem Hauptlauf-Sieger Punk die Tagesbestzeit.

Victor Gentz setzte bei seinem Entlastungs-Sieg mit Honeybee, die vor den Tribünen noch an sechster Stelle gelegen hatte, auf die Schlussoffensive und die Fünfjährige steckte die Nüstern in einem packenden Endkampf erst kurz vor dem Ziel nach vorne. Noch dramatischer entwickelte sich der Rennverlauf beim Sieg von Thorsten Tietz und Vicky Corner: Die Stute des Ehepaars Bockhoff bezwang ihre Widersacherin Oh Happy Day (Daniel Wagner) mit dem wirklich allerletzten Schritt. Berlins Champion: „Ich war mir im Vorfeld sicher, dass sie viel besser ist, als es der desaströse Formenspiegel ihres Norwegen-Intermezzos aussagt.“ Seine zweite BC-Entlastung gewann Tietz mit einem völlig anderen taktischen Schema, denn Frank Zickmantels Fuchswallach Big Thunder ließ er vom Fleck weg richtig treten. Der großgewachsene Dreijährige beherrschte das Geschehen Start bis Ziel. Zwar erst zu Beginn der Schlussrunde, aber dennoch mit viel Offensivdrang übernahm der von Josef Franzl gesteuerte Indio Corner die Führung und gab einem prominenten Gegner wie Fridericus (Michael Nimczyk) in 12,8/1.900m klar das Nachsehen. Der Bayerische Champion: „Ich bin mir sicher – er hätte eine 11-er Zeit gehen können!“

In den drei nicht zur Breeders Crown gehörenden Rennen gab es ebenfalls beeindruckende Leistungen zu bestaunen. Sie standen den Hauptereignissen in keinster Weise nach – im Gegenteil. Michael Nimczyk führte Prince of Persia zu einem überlegenen Start-Ziel Sieg in fantastischen 13,4/1.900m. Karin Walter-Mommert, die Besitzerin des Wallachs, kündigte daraufhin selbstbewusst an: „In der nächsten Saison werden wir viel von diesem Pferd hören!“ Nicht ganz so flink, aber immerhin unter Rekordverbesserung auf 14,4/1.900m war die ebenfalls offensiv nach vorne gesteuerte Mon Cherie Ass unterwegs. Ihr neuer Begleiter Thorsten Tietz strahlte über seinen dritten Tagessieg: „Ich freue mich sehr, dass die Stute als Neuzugang zu uns in den Stall gekommen ist. Ich habe sie schon immer wegen ihrer leichtflüssigen Bewegungen bewundert und glaube, dass sie sich gut entwickeln wird.“ Den Schlusspunkt unter die Veranstaltung setzten Robert Pletschacher und Racer. Unterwegs war lange nichts von ihnen zu sehen – doch im Einlauf wurde Racer, der schon in der Derby-Woche einen furiosen Auftritt hingelegt hatte, mit jedem Schritt stärker und zwang Biscuit Dragon (Maik Esper) letztendlich sicher in die Knie.        

Gesamtumsatz: 203.493,28 Euro - Bahnumsatz: 86.409,80 Euro - Außenumsatz:  117.083,48 Euro.

Fotos von H. Lingk: Totaltriumph des schwedischen Spitzenfahrers Jörgen Sjunnesson entwickelte - Der Skandinavier gewann beide Hauptläufe der fünf- bis siebenjährigen Traber.