Trabrennen in Berlin – Mariendorf: Der Dreijährigen-Thriller und ein paar Krimis obendrauf

Einer der zahlreichen internationalen Spitzenfahrer Torbjörn Jansson

Die große Derby-Generalprobe: Die beiden nach dem Geschlecht der Pferde unterteilten Läufe des Buddenbrock-Rennens sind mit jeweils 20.000 Euro dotiert. Auch im Rahmenprogramm gibt es Spannung pur. Denn dort treten weitere Traber an, die für den Kampf um das Blaue Band vorgesehen sind.

Berlin-Mariendorf, 10. Juli 2016 (Start des 1. Rennens um 13.40 Uhr / Qualifikation und Vorab-Interviews bereits ab 13.05 Uhr).

Man braucht nur kurz die Starterliste zu überfliegen, um sich die sportliche Bedeutung der Mariendorfer Sonntagveranstaltung vor Augen zu führen. Denn der Buddenbrock-Renntag strotzt nur so vor großen Namen. Zum einen, was die Fahrer betrifft: Topstars wie der Schwede Torbjörn Jansson, die Niederländer Robin Bakker, Hugo Langeweg, Rob de Vlieger, Dion Tesselaar und Stefan Schoonhoven geben sich gemeinsam mit der gesamten deutschen Elite sowie dem Wahl-Skandinavier Conrad Lugauer in Berlin die Ehre. Zum anderen, was die Pferde anbelangt: Bis auf ganz wenige Ausnahmen sind alle dabei, die derzeit als Favoriten für den Sieg im wichtigsten deutschen Rennen gehandelt werden. Der seit 1901 ausgetragene Klassiker wird also zum Thriller – und es gibt eine dicke Zugabe obendrauf. Die meisten Prüfungen des Rahmenprogramms sind nämlich ebenfalls mit hochkarätigen Dreijährigen bestückt. 

Beginnen wollen wir mit dem Buddenbrock-Stutenlauf, der als 6. Rennen ausgetragen wird. Hier können wir uns kurz fassen – wer soll Gilda Newport und ihren Trainer Dion Tesselaar schlagen? Es gibt kein Argument, das gegen die bisher noch nicht bezwungene Vierbeiner-Lady spricht. Bei ihrem Triumph im Adbell-Stutenlauf rollte die Braune das Feld auf der Schlusshalben von hinten auf und den meisten ihrer neun Gegner hat sie bereits deutlich die Eisen gezeigt. Wobei einige ihrer Konkurrenten allerdings von Tag zu Tag besser werden. Gaia F Boko (Robin Bakker) und Mon Etoile (Thorsten Tietz) haben frische Siege in der Tasche und auch Gaia Draviet (Hugo Langeweg jun.), Laurea LB (Maik Esper), Ready to Race (Michael Hönemann), Laurea LB (Maik Esper) und die aus Schweden anreisende Volita Go (Conrad Lugauer) haben schon Ehrenrunden gedreht. Die Letztgenannte ist die kleine Schwester von Irish Fire (157.785 Euro Gewinnsumme) und punktete im Mai in Halmstad zweimal hintereinander mit drei bzw. einer Länge Vorsprung. Vom Kilometerrekord her wird Volita Go trotzdem deutlich zulegen müssen. Nicht unterschätzen sollte man Jane Bo, die mit Heinz Wewering zwei blitzsaubere Leistungen zeigte und in der Endphase höllisch schnell werden kann. Falls sich Hans-Ulrich Bornmanns Stute unterwegs erfolgreich  an der Innenkante versteckt, wird sie im Finish brandgefährlich werden.

Der Buddenbrock-Lauf der Hengste und Wallache findet als 9. Rennen statt und im Gegensatz zu den Ladies gibt es dort keinen glasklaren Favoriten. Sondern es sind vier Pferde, denen der Sieg zuzutrauen ist. Dreambreaker (Michael Nimczyk) trabte bei seinem hauchdünnen Adbell-Triumph über den Trainingsgefährten Blackhawk, der das Buddenbrock-Rennen zugunsten eines Engagements im Prix de Berlin (85.000 Euro) am 9. Juli in Enghien auslässt, sensationelle 1:12,1. Der Hengst kann genauso wie der diesmal wieder von Thorsten Tietz gesteuerte Geronimo T rasant beginnen. Ob Michael Nimczyk allerdings mit aller Gewalt an die Spitze will, ist eher fraglich. Denn Dreambreaker ist immer dann am besten, wenn er ein Führpferd hat. Das trat auch deutlich bei seinem Auftritt in Wolvega zutage. Denn nach einem offensiven Verlauf musste der eigentlich schon wie der Sieger ausschauende Offshore-Dream-Sohn die Führung kurz vor dem Zielpfosten doch noch abgeben.

Man darf also vermuten, dass am ehesten Geronimo T nach vorne gehen wird. Die beiden weiteren, noch nicht genannten Mitfavoriten werden dagegen zwangsläufig von hinten kommen. Torbjörn Jansson bleibt sowieso nichts anderes übrig, denn er hat mit Comanche Moon die Nummer neun in der zweiten Reihe erwischt. Nicht nur dem schwedischen Topfahrer, der zuvor nur ein einziges Mal in Berlin ein Rennen bestritten hat, sondern auch seinem die Adamas-Farben tragenden Schützling eilt ein vorzüglicher Ruf voraus. Comanche Moons Siege in Solvalla fielen mit sechs bzw. drei Längen Vorsprung hochüberlegen aus. Am 17. Juli war der Fuchs nur mit einer Nüsternbreite geschlagen – er bewegt sich also in blendender Form. Dies gilt auch für Guccio Fortuna (Maik Esper), den vierten Sieganwärter im Bunde. Im Buddenbrock-Trial fand der strikt innen gehaltene Hengst nicht mehr den entscheidenden Freiraum und ging zudem gegen die Hand seines Fahrers. Sein Laufvermögen ist aber unübersehbar, wobei die Startnummer acht natürlich alles andere als optimal ist. Vermutlich wird Maik Esper auf den ersten Metern kurz auf das Gaspedal drücken, um im Anschluss eine gute Lage zu finden.

Natürlich sind auch die anderen sechs Teilnehmer nicht ungefährlich – aber ob sie wirklich an dem oben genannten Quartett vorbeikommen, ist fraglich. Gigant Greenwood (Stefan Schoonhoven) unterlag dem vorneweg marschierenden Geronimo T bei der PMU-Veranstaltung in Gelsenkirchen ebenso wie Grou di Marco (Robin Bakker) und Hofnarr (Thomas Kornau) überdeutlich. Sein anschließender Sieg in Wolvega beweist eine feine Fortentwicklung. Bei Laskari (Dennis Spangenberg) ist die Tendenz genau umgekehrt. Der ehemalige Jahrgangskönig ist in dieser Saison noch nicht wiederzuerkennen und wirkt vom Nervenkostüm her angeschlagen. Seine Arbeitsleistungen sollen allerdings sehr ansprechend sein. Laskaris Stallgefährte Oscar Nasad (Thomas Panschow) müht sich zwar brav, ist hier aber von der Startposition zehn aus klar überfordert. Ganz schwer einzuschätzen ist der im Preis des Winterfavoriten hinter ihm platzierte Gentle Dream (Dion Tesselaar), denn er gibt erst sein Saisondebüt.

Beide Buddenbrock-Läufe werden wichtige Aufschlüsse darüber liefern, wer das Derby und das Stuten-Pendant gewinnen kann. Die endgültige Antwort auf die alles entscheidende Frage ist es aber noch nicht. Denn auch den weiteren Dreijährigen, die an diesem Nachmittag antreten, gebührt höchste Aufmerksamkeit. Es beginnt im 2. Rennen mit dem von Thorsten Tietz vorgestellten Zauni. Das 4. Rennen – den Auftakt der V5 – kann man inoffiziell fast schon als Buddenbrock-Entlastung bezeichnen, denn hier tummeln sich gleich fünf Dreijährige. Besonders Muscle Scott (Robin Bakker), Lesperanza (Christian Lindhardt) und Lemaitre (Maik Esper) besitzen tolle Chancen. Mit dem wiederum von Thorsten Tietz präsentierten Derby-Geheimfavoriten Fiobano und der ebenfalls erstklassigen Strawberry Diamant (Michael Nimczyk) geht es im 10. Rennen weiter, bevor die Jahrgangs-Senkrechtstarterin Noble Dolly (Jorma Oikarinen) im abschließenden 11. Rennen den Schlusspunkt setzt. Angereichert wird das Ganze über den Tag verteilt durch die Crème de la Crème der älteren Pferde, von denen hier nur stellvertretend die im 7. und 8. Rennen startenden William Scott, Transamerica As, Stan Libuda, Indio Corner, Vulkan, Spicy A. und Harry’s Bar genannt seien. 

Unsere Tipps:

1. Candyman Hornline – Astasia du Vivier – Anna Li

2. Zauni – Skip Beau – Willow Bay Evert

3. Jamy Bo – Gravin Groenhof – Amici P

4. Lesperanza – Muscle Scott – Lemaitre

5. Nikkei – Barolo SL – Pretty Lover

6. Gilda Newport – Gaia F Boko – Gaia Draviet – Mon Etoile

7. Transamerica As – William Scott – Boss Hoss

8. Indio Corner – Stan Libuda – Vulkan

9. Dreambreaker – Geronimo T  – Comanche Moon – Laskari

10. Fiobano – Strawberry Diamant – Thunder Girl

11. Noble Dolly – Next Love – O Mia Bella